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Medizin

Möglicher Biomarker für eine Depression

Montag, 2. August 2021

/picture alliance, Jesus Vargas

Kiel – Immer wieder gab und gibt es Ansätze, eine Depression nicht nur klinisch, sondern auch labor­chemisch über Biomarker zu erfassen. Einen neuen Beitrag dazu haben Wissenschaftler um Helena Zacharias vorgestellt. Sie ist Professorin für Klinische Metabolomics an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Mitglied im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI). Die Arbeit ist im Fachmagazin Molecular Psychiatry erschienen (2021; DOI: 10.1038/s41380-021-01176-0).

Die Forscher untersuchten bei ihrem Ansatz das sogenannte Metabolom, also die Gesamtheit aller Pro­dukte von Stoffwechselreaktionen in bestimmten Zellen. „Es ist quasi der metabolische Fingerab­druck des körperlichen Zustands und bietet neue Einblicke in Krankheitsmechanismen oder den weite­ren Krankheitsverlauf“, erklärte Zacharias.

Zusammen mit Forschenden der Technischen Universität München und des Helmholtz Zentrum München sowie der Universitätsmedizin Greifswald analysierte sie das Blutmetabolom von Personen mit und ohne Depressionen.

Sie verwendete dazu Blutproben von 1.411 Probanden der Studie KORA (Kooperative Gesundheitsfor­schung in der Region Augsburg). Hierfür wurden 353 einzelne Metabolite im Serum gemessen und über statistische Verfahren diejenigen herausgesucht, die mit Depression assoziiert waren. Depressionen in der KORA-Kohorte wurden mittels Fragebogen erfasst.

„Bei den Metabolommessungen sind wir hypothesenfrei vorgegangen. Das heißt, wir haben uns nicht gezielt einzelne Moleküle angeschaut, sondern zunächst alles gemessen, was man messen kann. Wich­tige Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Gewicht und Medikamenteneinnahmen wurden bei der statis­tischen Auswertung berücksichtigt“, so Zacharias.

Dabei zeigten sich signifikant niedrigere Spiegel des Metaboliten Laurylcarnitin bei Menschen mit De­pres­sion im Vergleich zu Gesunden. Laurylcarnitin gehört zur chemischen Klasse der Acylcarnitine, die am Transport von Fettsäuren und der Fettsäureoxidation in Mitochondrien beteiligt sind. Geringere Kon­zentrationen dieser Verbindungen bei depressiven Personen könnten auf eine veränderte Fettsäure­oxidation oder mitochondriale Funktion hinweisen.

Dass der beobachtete Zusammenhang kein Zufallsbefund ist, belegten die Forschenden anschließlich in einer Validierungsstudie mit 968 Personen der Studie SHIP (Study of Health in Pommerania). Zacharias: „In dieser Studie haben wir gezielt das Laurylcarnitin untersucht und festgestellt, dass auch in diesem Kollektiv die Konzentrationen bei Personen mit Depression niedriger sind als bei Gesunden.“

Welche Rolle Laurylcarnitin bei Depressionen hat, ob die niedrigen Blutkonzentrationen des Metaboliten Folge oder Ursache einer Depression sind, ist aber noch nicht klar. „Zukünftige Studien könnten hier ansetzen und die kausalen Zusammenhänge zwischen Depression und Laurylcarnitin untersuchen, um zu prüfen, ob Laurylcarnitin ein Ziel für neue Therapien sein könnte“, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

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