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Politik

Kritik an Maskenignoranz im Münchner Stadion

Montag, 21. Juni 2021

/picture alliance, DPPI media, André Weening

München – Erneut haben Tausende Fans im Münchner Stadion die Maskenpflicht auf den Rängen igno­riert und sind dafür vom bayerischen Ge­sund­heits­mi­nis­ter scharf kritisiert worden. „Ich finde es fahr­läs­sig, dass sich schon wieder viele Fans im Fußballstadion nicht an die Spielregeln gehalten haben“, sagte CSU-Politiker Klaus Holetschek vorgestern Abend.

„Der DFB ist nun endgültig aufgefordert, plausibel darzulegen, wie er beim nächsten Spiel am Mitt­woch die Maskenregeln um- und durchsetzen will.“ Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist Ausrichter der vier EM-Spiele in der bayerischen Landeshauptstadt.

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Auch beim ersten Gruppenspiel der Deutschen gegen Frankreich am Dienstag vergangener Woche hatten in der Münchner Arena nur wenige Zuschauer die vorgeschriebenen FFP2-Masken getragen.

Nach Kritik insbesondere aus der Politik sagten die Organisatoren zu, die Zuschauer auf den Rängen ver­stärkt zum Tragen von Masken zu bewegen. Offensichtlich mit wenig Erfolg, wie vorgestern auch auf Fern­sehbildern aus dem Stadion zu erkennen war. Nur vereinzelt hatten Fans Masken über Nase und Mund gezogen.

Im Kampf gegen das Coronavirus müssen Besucher während der ganzen Zeit im Münchner Stadion eine FFP2-Maske tragen. Die Polizei hatte schon beim ersten Spiel nach Angaben eines Sprechers festgestellt, „dass die überwiegende Mehrheit (etwa zwei Drittel) der anwesenden Zuschauer auf den Sitzplätzen keinen vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz trug“.

Holetschek warnte: „Gerade die hochansteckende Delta-Variante ist gefährlich. Sie könnte die zuletzt stark gesunkenen Infektionszahlen wieder in die Höhe schnellen lassen“. Gleichzeitig sei die Maske eine Voraussetzung dafür gewesen, dass EM-Spiele mit Zuschauern überhaupt zugelassen worden waren. Ob die bayerische Staatsregierung für die kommenden beiden Spiele in München Konsequenzen aus den Verstößen zieht, blieb erst einmal unklar.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte angesichts der aggressiven Delta-Variante zu großer Vor­sicht bei der Fußball-EM. „Es ist schön, dass jetzt in München zum Beispiel wieder 14.000 Fans sein können. Aber wenn ich vollkommen besetzte Stadien sehe in anderen Ländern Europas, dann bin ich ein bisschen skeptisch, ob das jetzt schon die richtige Antwort auf die augenblickliche Situation ist“, sagte Merkel am vergangenen Freitag vor einem gemeinsamen Abendessen mit dem französischen Präsiden­ten Emmanuel Macron in Berlin.

Merkel sagte, wegen sehr geringer Fallzahlen könnte man Coronaausbrüche in Deutschland derzeit sehr viel besser verfolgen und mit der Delta-Variante gut umgehen. „Aber ich kann nur sagen: Wir können nicht so tun, als wäre Corona vorbei. Auch wenn an einem solchen Sommerabend das Gefühl ist, da ist nichts mehr.“

Auch weil es einen großen Teil nicht geimpfter Menschen gebe, die keinen vollen Schutz hätten „glaube ich, ist Vorsicht weiter notwendig, damit wir einen Sommer doch vieler Freiheiten haben, aber noch nicht aller Freiheiten“. Dies gelte auch insbesondere für Großereignisse wie bei der Fußball-EM.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat angesichts wieder steigender Coronainfektionszahlen London als Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft kritisiert. Es sei unvertretbar, dass in Eng­land Fußballspiele mit Zuschauern stattfänden, sagte er der Mediengruppe RTL/ntv. „Die Delta-Variante ist einfach zu gefährlich. Das ist eine Gefährdung der Bürger Englands und der Bürger Europas. Man müsste die Spiele in ein anderes europäisches Land verschieben“, sagte Lauterbach.

Allerdings sprach er sich dagegen aus, München als möglichen Ersatzort ins Spiel zu bringen. „Es wäre unglücklich, wenn man einen Vorschlag macht, der das eigene Stadion und die eigenen Fans bevorzugt. Wir wären nicht glaubwürdig, wenn wir England vorschlagen, dass die Spiele stattdessen bei uns statt­finden sollen“, erklärte der Politiker.

In Großbritannien breitet sich derzeit die in Indien entdeckte Delta-Variante des Coronavirus rapide aus und treibt trotz hoher Impfquote die Zahl der Neuinfektionen deutlich in die Höhe. Im Londoner Wem­bley-Stadion sind in der kommenden Woche zwei Achtelfinals (26. und 29. Juni) angesetzt, ehe dort am 6. und 7. Juli beide Halbfinalspiele und am 11. Juli das Endspiel steigen sollen. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #760232
penangexpag
am Freitag, 25. Juni 2021, 09:17

Der Unterschied ( stapff 24.6.2021)

Es steht Ihnen völlig frei, meinen Kommentar als Polemik zu bezeichnen. Inhaltslos kann er eigentlich nicht sein - denn dann hätte sich Ihr Zorn am "Nichts" entzündet, eine zwar durchaus häufig zu beobachtende, aber nicht gerade sehr qualifizierte Verhaltensweise.
Aber ich möchte doch darauf hinweisen, daß ich meine Argumentation in durchaus zivilisierter Form in Wort und Schrift auf heute üblichem und anerkannten Kommunikationskanal vorgebracht habe - nicht aber mit Bierflaschen, Knüppeln und Explosivgegenständen unter Mißachtung von ordnungspolitischen Maßnahmen. Gegen eine Identifizierung meiner Person, egal über welche Merkmale, mit dem Verhalten der durch Anwendung der genannten Gewaltmittel spezifizierten Massen verwahre ich mich ausdrücklich. Auf diese Unterscheidung habe ich Anspruch - ganz egal, welche geistigen Fähigkeiten Sie mir zuerkennen wollen.
Übrigens : die Medizin, im Sinnne eines angewandten Heilberufes, stützt sich ohne Zweifel, heute mehr denn je, auf die Naturwissenschaften. Aber ob sie selbst eine Naturwissenschaft IST, darüber sollten Sie im Kollegenkreis mal Meinungen erkunden. Dahinter verbirgt sich eine Frage, die vielleicht in noch gar nicht absehbarer Weise Einfluß auf die Zukunft des Arztberufes haben könnte. Diese Frage zu stellen werden Sie mir nicht verwehren können, auch wenn Sie mich für eine Antwort natürlich nicht befähigt halten werden.
Avatar #93878
stapff
am Donnerstag, 24. Juni 2021, 17:14

Peinlich

Medizin ist eine Naturwissenschaft, und Epidemiologie stützt sich auf die korrekte Kommunikation und Interpretation von Daten und Fakten. Es ist peinlich, dass "penangexpag" das Organ der deutschen Ärzteschaft für inhaltlose Polemik ausnutzen kann. Dies ist genau die Argumentationsweise, die der von "penangexpag" erwähnte "entfesselten Mob" verwendet. Wenn man sich nicht mit den Zahlen auseinandersetzen will (oder kann), dann wird man eben aggressiv.
Avatar #760232
penangexpag
am Mittwoch, 23. Juni 2021, 10:02

Thema verfehlt, banales Gesülze

Es ist doch schon etwas peinlich, wenn nun, nach fast 2 Jahren Pandemie-Geschehen und Diskussion darüber, noch immer jemand eine Trivial-Banalität wie diese hier ins Feld führt :
zit.(".. Weil die Zahl positiver Tests von der absoluten Gesamt-Zahl der Tests abhängt, ist der Positiv-Prozentsatz extrem wichtig..").
Dieser Jemand sollte einfach mal die Vorgaben des RKI nachlesen, den Begriff Dunkelziffer verinnerlichen und nicht so tun als ob der Inzidenzwert als so etwas wie ein Präzisionswert der PTB gehandelt worden ist. Dann sollte er sich wenigstens ansatzweise mal in die Situation von politischen Entscheidern zu versetzen suchen - und letztlich aufhören mit seinem Gesülze. Aber im Artikel geht es ja auch gar nicht darum - dieser Jemand will nur wieder sein Steckenpferd reiten - aus dem schon die Holzwolle rieselt.
Der Artikel beinhaltet das Verhalten jener Meute, die in unzähligen Fällen nur mit einem kriegsähnlichen Polizeiaufgebot in Schach gehalten werden konnte.Was hat man von diesem entfesselten Mob eigentlich erwartet : Maskendisziplin ? Da kann ich nur lachen oder besser weinen. Die Zusammenrottung dieser Leute muß verboten werden - und nicht nur in Pandemiezeiten. Denn hier geht es nicht um Sport ,sondern ums Geschäft , ohne jede Rücksicht , Einsicht und vor allem ohne das, was Sport eigentlich ausmacht : die mentale und physische Disziplin einzelner Menschen.
Avatar #93878
stapff
am Dienstag, 22. Juni 2021, 23:37

BB-DD: Polemik mit wahrem Kern

Bei aller (ggf. verständlicher) Anti-Lauterbach Polemik sind im Kommentar von "BB-DD" doch einige Wahrheiten enthalten:
Von Anfang an wurden als Messparameter nicht alle nötigen Metrics verwendet um die richtigen Lockdown-Entscheidungen zu treffen, und man hat bis heute nicht dazugelernt. Es beginnt mit der fehlenden Differenzierung zwischen Testergebnis (positiv) als nicht sehr repräsentativem Surrogatparameter versus klinisch relevanter Daten (Krankenhausaufnahme, Intensivtherapie, Letalität).
Bleiben wir beim Testergebnis: Weil die Zahl positiver Tests von der absoluten Gesamt-Zahl der Tests abhängt, ist der Positiv-Prozentsatz extrem wichtig, aber in Deutschland kaum publiziert. Zeitweise lag er in D über 10%, was bei unselektiertem Zugang zum Test alarmierend ist. Zur Zeit ist die Positivrate in D bei 2,3%, in Indien bei 3,2%, und in UK bei 0,9%*. Die Test-Frequenz in D ist der in Indien vergleichbar (1,3 vs 1,4 pro Tausend), während sie in UK zehnfach höher liegt (15 pro Tausend). Das erklärt die hohen absoluten Zahlen in UK. Das Infektionsgeschehen unterscheidet sich aber in diesen drei Ländern nicht wesentlich.
Darüber hinaus ist es fahrlässig, bei einer Infektionserkrankung die Bevölkerungsdichte völlig außer Acht zu lassen, wenn es um die Definition eines Risikogebiets geht. Ob sich eine 7 Tage Inzidenz von 22/100000** in der Stadt Nürnberg auf 186 Quadratkilometer konzentriert oder auf 938 Quadratkilometer im Landkreis Hildburghausen verteilt, macht einen fünffachen Unterschied hinsichtlich des Risikos auf eine infektiöse Person zu treffen.
Für die nächste Pandemie (und die kommt bestimmt) sollten Entscheidungsträger und solche, die es gerne wären, etwas Nachhilfe in Epidemiologie nehmen.

* RKI Daten, 22.6.2021
** ourworldindata.org
Avatar #831974
BB-DD
am Dienstag, 22. Juni 2021, 14:10

Die Delta-Variante

Ach lieber Herr Lauterbach. Bitte werfen Sie mal einen vergleichenden Blick auf die "Positiv"-Statistik und die "Corona-Todesfall"-Statistik in Schottland, wo aktuell das "größte Infektionsgeschehen" in UK ist (Google hilft mit JHU). Fällt Ihnen etwas auf? Die Zahl der Positivfälle ist vollkommen irrelevant! Es gibt keine Erkrankungswelle, zumindest nichts was auf schwerwiegende, potentiell tödliche Erkrankungen in größerer Zahl hinweist! Im Vereinigten Königreich werden zurzeit absurde fast 1 Mio. Tests täglich! mit einer Positivrate von 0.9% gemacht, die in die JHU-Statistik eingehen. Die Briten testen jede Woche 10% der Bevölkerung durch! Das ist die 12-fache Anzahl an Tests pro Einwohner wie in Deutschland aktuell! Es ist realistisch anzunehmen, dass eine Vielzahl der gefundenen "Fälle" einfach nur falsch ist. Und logischerweise wird auch die "Inzidenz" wohl 10mal unseren "guten deutschen" Wert haben. Immer noch nichts gelernt! Aber Panik muss weiter sein - Delta kommt! Nein, es liegt an der vollkommen idiotisch falschen Nutzung von für die klinische Diagnostik vorgesehenen Tests. Wenn keiner mit der Test-Lupe nachgeschaut hätte, wäre die Delta-Welle in Indien gar nicht als Krankheitswelle aufgefallen - so wie unsere "Osterwelle" mit Notbremse etc. pp! Sie ist in Indien von Anfang März bis aktuell Juni durchgelaufen - und in Indien sind nur knapp 4% der Bevölkerung "komplett geschützt". Ach noch was: Ist schon mal aufgefallen, dass in Indien die "Welle" genau da losgeht, wo angefangen wird, massiv zu impfen? Nur mal so. Gibt es auch in Vietnam und Taiwan - dort gab es vor den Impfungen überhaupt kein Corona. Also, entspannen und einfach mal ruhig sein, Herr Lauterbach. Nicht mal denken wäre noch besser, denn da kommt nur Unsinn raus. Fahren Sie in den Urlaub und bleiben Sie bitte dort!
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