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Politik

Krebspatienten: Krankenkassen übernehmen ab Juli Kosten für Kryokonservierung

Montag, 21. Juni 2021

/picture alliance, Uli Deck

Berlin/Freiburg – Ab Juli können Ärzte bei jungen Krebspatienten Eizellen oder Spermien auf Kosten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) kryokonservieren lassen, um die Fruchtbarkeit der Patienten langfristig zu erhalten. Darauf hat die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs hingewiesen.

Anträge an die Krankenkassen oder eine private Finanzierung für das Einfrieren von Eizellen oder Sper­mien entfielen damit. Die Stiftung begrüßte die neuen Möglichkeiten, wies aber daraufhin, dass das Pro­zedere von der Ent­schei­dung, die Kryokonservierung in den Leistungskatalog aufzunehmen, bis zur end­gültigen Umsetzung mehr als zwei Jahre in Anspruch genommen habe.

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„Bei aller Freude über die Ankündigung – unter dem zwei Jahre langen Hürdenlauf haben viele Betroffe­ne massiv gelitten“, sagte Mathias Freund, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung. Zudem seien noch viele Widerspruchsverfahren und Sozialgerichtsprozesse in Sachen Kryokonservierung offen. „Ziehen Sie einen Schlussstrich und übernehmen Sie jetzt die Kosten in diesen Verfahren als Ein­zel­fallregelung“, ap­pelliert Freund an die Krankenkassen.

Wichtig sei zudem, dass Ärzte und Kassen die Betroffenen rasch und umfassend über die neue Möglich­keit informierten. „Die Betroffenen selbst können in ihrer Notsituation die Kenntnisse nicht haben“, be­ton­te Diana Lüftner, Vorstand der Stiftung.

Aber auch für Ärzte ist laut der Stiftung wichtig, die neuen Abrechnungsmodalität zu kennen: „Wenn sie aus Unkenntnis ab 1. Juli einen privaten Behandlungsvertrag unterschreiben lassen ohne auf die mögli­che Kassenfinanzierung hinzuweisen, könnten sie in Haftung genommen werden“, so Freund.

Laut der Stiftung sind mit der neuen Regelung aber nicht alle Finanzierungsprobleme gelöst: „So werden die teuren Medikamente für die Eizellkonservierung für Mädchen vor dem 18. Lebensjahr in der Regel nicht übernommen, ab dem 18. Geburtstag aber schon. Das macht nicht wirklich Sinn und sollte zeitnah pragmatisch gelöst werden“, sagte Lüftner. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #108011
UAKnuth
am Dienstag, 22. Juni 2021, 12:13

vollständig ungelöstes Verfahren für die Altfälle

Herr Kollege Freund möchte sich hier offensichtlich das Verdienst zuschreiben, die Fertilitätsprotektion in den EBM eingebracht zu haben. Um die vielen Probleme, die sich daraus für die reproduktionsmedizinischen Zentren ergeben, hat sich seine Stiftung aber nicht gekümmert. Die Positionierung der GOPs unter 8.6 des EBM nach §27a SGB V stellt einen Systembruch dar und führt nun zu vielen Nachbesserungen bei reproktionsmedizinischen Leistungen, die noch gar nicht geklärt sind. Der Appell an die Krankenkassen zu Kostenübernahme der Altfälle geht dabei vollständig ins leere, da der GBA bisher keine praktikable Lösung zur Abrechnung der Lagerungskosten auch nur ansatzweise anbietet.
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