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Ärzteschaft

Lieferengpass bei Multivitamin­präparaten zur parenteralen Ernährung

Montag, 21. Juni 2021

/felipecaparros, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) macht auf Engpässe bei der Versor­gung von Patienten mit Multivitaminpräparaten aufmerksam. So sei das Präparat Cernevit voraussichtlich bis Ende 2021 nicht lieferbar. Auch seien weder ver­gleichbare Präparate noch die fettlöslichen Einzel­komponenten (FrekaVit fettlöslich und Vitalipid adult) verfügbar, hieß es.

(Am 30. Juni hat die DGEM ihre Aussage korrigiert: Cernevit stehe bis voraussichtlich Januar 2022 in reduzierter Menge zur Verfügung. Das Produkt Vitalipid sei im bisherigen Umfang lieferbar, könne jedoch die enorm gestiegene Nachfrage auf dem Markt aktuell nicht abdecken.)

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Krankenhäuser und Kliniken erhielten die Vitaminpräparate, die primär für die parenterale Ernährung eingesetzt werden, daher nur noch kontingentiert, also in begrenzten Mengen. Gründe für die Engpässe sind laut DGEM ein enorm gestiegener Bedarf und anderweitig gebundenen Produktionskapazitäten für COVID-19-Impfstoffe.

„Bei bestimmten Krankheitsbildern entwickeln sich sehr schnell Defizite. So sinkt beispielsweise der Vitamin-C-Spiegel bei chirurgischen Intensivpatienten vergleichsweise schnell“, erläuterte Diana Rubin, DGEM-Vorstandsmitglied sowie Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin an den Vivantes Kliniken in Berlin.

Bei den wenigsten Patienten sei zudem bekannt, welche Defizite sie bereits in die Klinik mitbrächten. „Vor allem chronisch kranke oder geriatrische Patienten weisen bei der Klinikeinweisung gravierende Mikronährstoffdefizite auf, häufig bedingt durch Mangelernährung oder die Einnahme bestimmter Medi­kamente“, so Rubin. Werde ein Patient länger als eine Woche parenteral ernährt, so sei die Zugabe von Vitaminen und Spurenelementen unerlässlich, betonte sie.

Die DGEM empfiehlt, dass Ärzte intravenöse Multivitamine für Patienten reservieren sollten, die aus­schließlich parenteral ernährt werden könnten oder für Patienten mit einem therapeutischen, medizini­schen Bedarf an intravenösen Multivitaminen.

„Sofern möglich, sollte eine Ernährung immer auf oralem oder enteralem Weg erfolgen. Wenn notwen­dig, muss die Zufuhr intravenöser Multivitamine rationiert werden, indem zum Beispiel die Tagesdosis um 50 Prozent verringert wird“, ergänzte Johann Ockenga, Leiter der Medizinischen Klinik II mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie, Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin am Klinikum Bremen-Mitte.

Die Fachgesellschaft empfiehlt in diesem Zusammenhang die Empfehlungen der American Society for Parenteral and Enteral Nutrition (ASPEN) zum Vorgehen bei Multivitaminverknappungen. © hil/aerzteblatt.de

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