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Politik

Freigabe von Cannabis unter Experten umstritten

Montag, 21. Juni 2021

/contentdealer, stock.adobe.com

Berlin – Die FDP im Bundestag setzt sich für einen neuen Kurs der Politik im Umgang mit Cannabis ein. So sollten Erwachsene Cannabis zu Genusszwecken in Apotheken und speziell lizensierten Geschäften er­werben können. In einer Anhörung zu dem Antrag der FDP-Fraktion sind sich die Experten nicht einig.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) erinnerte in der Anhörung an die besonders schädlichen Wirkungen von Cannabis auf Jugendliche. Die Risiken für Langzeitschäden seien insbesondere bei Jugendlichen hoch, hieß es von Seiten der Ärzte. Es stelle sich die Frage, wie bei einer legalisierten Abgabe junge Leute effektiv geschützt werden könnten.

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Auch Uwe Wicha vom Institut für Gesundheit und Bildung (IGB) zeigte sich in der Anhörung skeptisch zur Freigabe der Droge Cannabis. Er forderte mehr Gesundheitsschutz und Prävention, um die Verbreitung von Drogen zu unterbinden. Nach Ansicht Wichas zeigt das Beispiel Alkohol, wie schädigend eine Frei­gabe von Cannabis sein könnte.

Kirsten Müller-Vahl von der Medizinischen Hochschule Hannover sprach sich hingegen dafür aus, neue Wege zu gehen und neue, kontrollierte Abgabemöglichkeiten zu erproben, die dann vielleicht beispiel­haft sein könnten für die künftige Abgabe legaler Drogen wie Alkohol. Es dürften bei Cannabis nicht dieselben Fehler gemacht werden wie bei Alkohol, mahnte sie in der Anhörung.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) stellte fest, dass die Repressionspolitik gegen Cannabis gescheitert sei. Die Repression erschwere zudem Hilfsangebote für Menschen mit problematischem Kon­sum. Begrenzte, kontrollierte und wissenschaftlich begleitete Modellprojekte könnten genutzt werden, um Erkenntnisse über Handlungsalternativen zu gewinnen, hieß es. Prävention, Früherkennung und Frühinterventionsangebote müsste aber erhalten bleiben.

Der Deutsche Städtetag erklärte, die lizensierte Abgabe von Cannabis brächte eine Entkriminalisierung der Konsumenten, mehr Verbraucherschutz und Steuereinnahmen. Gegen die Freigabe spreche die damit einhergehende Verharmlosung der Droge mit gesundheitlichen Folgen, ähnlich wie bei Alkohol.

Der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap von der Universität Düsseldorf erklärte, den Dealern sollte die faktische Kontrolle über den Markt entzogen werden. Allerdings müsse damit gerechnet werden, dass ein Teil der Drogenhändler versuchen werde, den Kunden härtere Drogen zu verkaufen.

Der Sozialwissenschaftler Heino Stöver von der Frankfurt University of Applied Sciences plädierte eben­falls für eine kontrollierte Freigabe der Droge und verwies auf die schädlichen Auswirkungen der zuneh­menden Kriminalisierung von Konsumenten. Die Kriminalisierung treffe vor allem junge Leute mit de­struktiver Härte, mit teils dramatischen Folgen in ihrem sozialen Umfeld. Eine Neuregelung sei über­fällig, begleitet von Aufklärung, Prävention und Evaluation.

Die FDP sieht sich nach der Anhörung in ihrer Meinung bestätigt. „Eine kontrollierte Abgabe von Canna­bis an Erwachsene ist überfällig“, sagte Wieland Schinnenburg, Sprecher für Drogen und Sucht der FDP-Bundestagsfraktion.

Er rief die Unionsfraktion und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn dazu auf, von ihrer Cannabisver­hinderungspolitik abzurücken. „Ein Schwarzmarktdealer kennt keinen Jugend- und Gesundheitsschutz, mit einer kontrollierten Abgabe an Erwachsene könnte etwas gegen den Schwarzmarkt und für den Gesundheits- und Jugendschutz getan werden.“ © EB/may/hib/aerzteblatt.de

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