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Politik

GKV-Versicherte: Zufrieden, aber wenig Informationen über digitale Angebote

Dienstag, 22. Juni 2021

/dpa

Berlin – Versicherte der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) zeigen sich sehr zufrieden mit ihren Kranken­kassen, wissen aber oft nicht über das jeweilige Angebot Bescheid. Aus einer repräsentativen Umfrage des BKK Dachverbandes unter 5.000 Versicherten aus allen Kassenarten sind besonders Men­schen ab 45 Jahren sehr zufrieden mit ihrer Krankenkasse, Menschen zwischen 18 und 44 Jahren äußern sich etwas skeptischer.

Besonders von Angeboten wie medizinische Informationen, Erinnerungsservice für Vorsorgeuntersuchun­gen, Impfungen sowie auch die Unterstützung bei Behandlungsfehlern wissen viele Versicherte nicht. Wenn Versicherte diese Angebote kennen, dann zeigten sich darüber nur zwischen 31 und 37 Prozent der Befragten zufrieden.

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Auch bei der Auswahl und dem Umgang mit digitalen Apps fühlen sich Versicherte wenig von der Kran­kenkasse unterstützt: So geben 35 Prozent an, Online-Coachingangebote nicht zu kennen, 36 Prozent er­klärten, ihre Krankenkasse informiere sie stark über digitale Unterstützungsangebote. Bei der Auswahl sowie dem Umgang von digitalen Gesundheitsapps sind Versicherte auch zum größten Teil unsicher: So wissen 20 Prozent nichts von solchen Angeboten, nur 14 Prozent fühlen sich unterstützt.

Gleichzeitig, so berichtet es der BKK Dachverband in diesem Kundenreport, zeigen sich mehr als die Hälfte der Befragten offen für Angebote dieser Art seitens der Krankenkassen: So geben 55 Prozent an, dass sie sich abgestimmt auf ihre eigene Gesundheitssituation „künftig Informationen zu Leistungen und Ange­boten“ von ihren Kassen wünschen.

Laut der Umfrage vertrauen 76 Prozent darauf, dass Krankenkassen mit den Vorschriften des Daten­schutzes korrekt umgehen und daher könnten sich 54 Prozent auch vorstellen, dass die Krankenversich­erung ihre gespeicherten Daten intensiver nutzen, sofern sie „im Anschluss auch individueller und be­darfs­gerechter versorgt werden“.

Auch bei der Kommunikation mit der Krankenkasse setzen viele Versicherte gerade bei einfachen Fällen wie der Aktualisierung der persönlichen Daten eher auf eine digitale Kommunikation: So wollen 73 Pro­zent der Befragten über verschiedene digitale Kommunikationswege (App, Messengerdienste, E-Mail oder Kontaktformulare) kommunizieren. Auch die Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung wollen 61 Prozent lieber digital der Kasse zukommen lassen.

Den Postweg sehen 34 Prozent für sich als wichtig, 18 Prozent kommen für die Abgabe der AU-Beschei­nigung offenbar persönlich in die Filialen der Kassen. Beim Thema „umfassende Beratung“ setzen 50 Pro­zent der Befragten auf den telefonischen Kontakt, 39 Prozent gehen in die Filiale dafür, 37 geben an, da­zu lieber digital kommunizieren zu wollen.

„Ziel der Umfrage war es, ein repräsentatives Meinungsbild zur Qualität von Krankenkassen aus Sicht der Versicherten zu erhalten“, erklärte Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbandes, bei der virtuellen Vor­stellung der Umfrage im BKK Kundenreport. Der Verband wolle damit „einen Beitrag zu mehr Versicher­ten­­orientierung und einer echten Qualitäts- und Transparenzdebatte“ in der GKV leisten.

Auch auf die Bewertungen von jüngeren Menschen, die nicht in der Größenordnung zufrieden sind, wie ältere, müssten die Kassen Rücksicht nehmen. Auch forderte Knieps von den Krankenkassen mehr „Krea­tivität“ bei der Versorgungsgestaltung, gerade bei den Hinweisen auf weitere Angebote und Unterstüt­zungen. Der derzeit wahrgenommenen Rolle als Finanzierer des Systems tritt Knieps entschieden entge­gen: Wir sollen vom Payer zum Player, zum Gestalter, zum Unterstützer der Versicherten werden.“

Der Qualitätswettbewerb sollte unter Krankenkassen dabei nicht über die Beitragssatzpunkte gehen. „Für die Versicherten zählt die Sicherheit, im Krankheitsfall von einer starken Gemeinschaft aufgefangen zu werden. Kassenvergleiche, die den Beitragssatz in den Mittelpunkt stellen, gehen an den eigentlichen Be­­­dürf­nissen der Versicherten vorbei und bieten keinen Mehrwert für die Wahl einer Krankenkasse“, er­klärte Gertrud Demmler, Vorstandsmitglied der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK), die als Mitheraus­geberin am BKK Kundenreport beteiligt war.

Wichtiger aus ihrer Sicht sind Servicequalität, verständliche Kommunikation und Beratung auf Augen­höhe. Für den Wettbewerb unter den Krankenkassen müssten die Erfahrungen und Erwartungen von Versicherten noch besser betrachtet werden, forderte sie.

Auch Mathias Schrappe, ehemaliges Mitglied im Sachverständigenrat Gesundheit, forderte, dass die Erfahrung von Versicherten, aber auch Patientinnen und Patienten in die medizinische Versorgung und die Bewertung von Qualität einfließen müsse. © bee/aerzteblatt.de

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