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Psychiatrie­forschung: Inhaltlich gut aufgestellt, langfristige Förderung nötig

Dienstag, 22. Juni 2021

/vectorfusionart, stock.adobe.com

Berlin – In der Psychiatrie muss es eine langfristige und strukturelle Forschungsförderung geben. Das hat Andreas Meyer-Lindenberg von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psy­choso­matik und Nerven­heilkunde (DGPPN) gestern im Rahmen des Digitalen Haupt­stadtsymposi­ums der Fach­gesellschaft angemahnt.

Unter dem Titel „Bereit für die Zukunft: Psychiatrieforschung in Deutschland“ warf die Veranstaltung einen Blick auf den aktuellen Stand der Psychiatrieforschung in der Bundesrepublik und stellte Beispiele öffent­lich geförderter Forschungsprojekte vor.

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Im internationalen Vergleich steht die Psychiatrieforschung in Deutschland auf Platz drei. Gut aufgestellt ist die Bundesrepublik laut Meyer-Lindenberg insbesondere in Bereichen der Grundlagenforschung – so der Bildgebung, der Genetik und in einzelnen klinischen Bereichen wie der Suchterkrankungen oder Psy­chosen.

Wichtig sei es aber, sowohl die Forschung im klinischen Bereich insgesamt als auch die Versorgungs­for­schung zu stärken. Eine der zentralen Forderungen der DGPPN lautet daher, dass der Psychiatrie­for­schungsetat auf fünf Prozent der gesamten öffentlichen Gesundheitsforschung angehoben wird.

„Im Moment haben wir eine Förderung, die nicht einmal einem Zehntelprozent der Gesamtausgabe der Forschungsförderung entspricht“, so Meyer-Lindeberg, der ab 2023 für das Amt des DGPPN-Präsidenten gewählt ist. Im Bereich Forschungsförderung falle Deutschland damit im internationalen Vergleich zurück.

Eine weitere Forderung lautet, dass der Innovationsfonds über 2024 hinaus fortgeführt wird. Aus dem Fonds kamen insbesondere in den vergangenen Jahren wesentliche Anteile an Fördergeldern – rund 54 Millionen Euro für die Versorgungsforschung und neue Versorgungsformen zusätzlich zu 17 Millionen Euro Förde­rung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und etwa 13 Millionen Euro durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Insgesamt beträgt die staatliche Fördersumme damit rund 80 Millionen Euro jährlich. Demgegenüber stehen laut DGPPN 147 Milliarden Euro direkte und indirekte volkswirtschaft­liche Kosten aufgrund psy­chischer Erkrankungen.

Hier zeige sich, wie wichtig Forschungsförderung für die Psychiatrie in Deutschland sei. Das Symposium bot daher auch den Rahmen für die Vorstellung von Forschungsprojekten, die sich mit neuen Versor­gungs­modellen beschäftigen und Perspektiven für die öffentliche Gesundheitsforschung schaffen.

So beschäftigt sich beispielsweise das Projekt CARE mit der Frage, wie künstliche Intelligenz und Algo­rithmen dabei helfen können, individuelle Therapienagebote für Hochrisikopatienten zu evaluieren. Mit Hilfe eines gestuften Behandlungspfads sollen der diagnostische Prozess und die daran angepasste in­dividuelle Therapie effizienter gestaltet werden. Ziel ist es, manifeste Psychosen bei Patienten zu verhin­dern und die Verlaufsprognose zu verbessern.

Ein weiteres Forschungsprojekt soll eine Nachsorge für schwer psychisch erkrankte Mensch etablieren, um ihnen die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu erleichtern. Den Fokus auf die Belegschaft von Kliniken hingegen legt das Projekt Eppic, das das sogenannte Plattformmodell für die Personalbemessung in der Erwachsenen- und Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie in der Psychosomatischen Medizin und Psycho­therapie überprüft.

Ein Team aus Forscherinnen und Forschern in Leipzig beschäftigt sich im Rahmen des Guide2Guide-Projektes mit der Frage, wie Leitlinien im Bereich der psychischen Gesundheit dynamisch aktualisiert werden können. Diese Living Guidelines sollen perspektivisch auch Leitlinien untereinander harmoni­sieren und vernetzen.

Meyer-Lindenberg ergänzte aber auch: „Wir müssen Forschungsförderung langfristig denken und struk­turell aufsetzen – also nicht nur als Projektförderung.“ Ein Mechanismus dafür seien die soge­nannten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung, von denen es mittlerweile auch zwei für Gesundheits­forschung im psychiatrischen Bereich gibt.

Sie umfassen sechs bis sieben Standorte innerhalb Deutschlands, die ihre Forschungskompetenzen bündeln sollen, um die Translationsforschung in Deutschland voranzubringen und Grundlagenforschung mit patientenorientierter Forschung zu verbinden.

Das BMBF fördert diese Zentren aktuell mit 500.000 Euro pro Zentrum – eine langfristige und ausrei­chen­de Förderung bedeutet laut DGPPN auch, den Standort Deutschland international anschlussfähig zu machen. © kk/aerzteblatt.de

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