NewsMedizinEinige Antihypertonika könnten im Alter besser vor einer Demenz schützen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Einige Antihypertonika könnten im Alter besser vor einer Demenz schützen

Freitag, 6. August 2021

/wutzkoh, stock.adobe.com

Irvine/Kalifornien – Die Behandlung eines erhöhten Blutdrucks mit ACE-Hemmern oder Angiotensin­blockern, die die Blut-Hirn-Schranke passieren, könnte im Alter den Rückgang der Gedächtnisleistungen verlangsamen und die Patienten damit besser vor einer Demenz schützen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Metaanalyse in Hypertension (2021; DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.121.17049), die durch neue Erkenntnisse zur Rolle des „Angiotensin Converting Enzyme“ (ACE) in der Pathogenese des Morbus Alzheimer angeregt wurde.

Das „Angiotensin Converting Enzyme 1“ (ACE1) ist nicht nur an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt. ACE1 ist auch in den meisten Geweben auf der Oberfläche der Zellen vorhanden, darunter im Gehirn. Seine genaue Funktion dort ist nicht bekannt.

Im Hippocampus scheint es jedoch für die Bildung von Gedächtnisinhalten benötigt zu werden. Genom-weite Assoziationsstudien haben in den letzten Jahren herausgefunden, dass bestimmte Varianten in der Nähe des ACE-Gens das Risiko erhöhen, im Alter an einem Morbus Alzheimer zu erkranken.

Ein Team um Robert Vassar von der Feinberg School of Medicine in Chicago hat im Erbgut von Patienten mit einem familiären Morbus Alzheimer eine Variante (R1279Q) entdeckt, die bei Mäusen zu einer schwe­ren Schädigung des Hippocampus und zu schweren Gedächtnisstörungen führt.

Wie die Forscher kürzlich in Science Translational Medicine (2020; DOI: 10.1126/scitranslmed.aaz2541) berichteten, konnte die Demenz bei den Mäusen durch eine Behandlung mit ACE-Hemmern oder Angio­tensinblockern verhindert werden, vorausgesetzt die Wirkstoffe waren in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren.

Dies hat jetzt ein Team um Daniel Nation von der Universität von Kalifornien in Irvine veranlasst, in früheren klinischen Studien nach einer Anti-Demenz-Wirkung von ACE-Hemmern oder Angiotensin­blockern zu suchen, die die Blut-Hirn-Schranke passieren. Bei den ACE-Hemmern ist dies für Captopril, Fosinopril, Lisinopril, Perindopril, Ramipril und Trandolapril nachgewiesen. Von den Angiotensinblockern („Sartanen“) gehören Telmisartan und Candesartan dazu.

Die Forscher werteten die Daten von 14 Kohortenstudien aus 6 Ländern (darunter Deutschland) aus, in denen bis zu 7 kognitive Domänen (Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen, Sprache, verbale Gedächtnis­leistung, Erinnerung, mentaler Status und Verarbeitungsgeschwindigkeit) der 12.849 Teilnehmer unter­sucht worden waren.

Tatsächlich ließ sich ein günstiger Einfluss der zentralnervös verfügbaren Wirkstoffe nachweisen. Die Patienten, die mit den ausgewählten ACE-Hemmern oder Angiotensinblockern behandelt wurden, zeigten über bis zu 3 Jahre bessere Gedächtnisleistungen. In den Tests zur Aufmerksamkeit schnitten sie aller­dings etwas schlechter ab, so dass die klinische Bedeutung der Ergebnisse unklar bleibt.

Hinzu kommt, dass Kohortenstudien anfällig für Verzerrungen sind, was sich bei einer Metaanalyse noch verstärken kann. Die Metaanalyse liefert deshalb in erster Linie Anregungen für neue Studien.

Zu bedenken ist, dass die Senkung des Blutdrucks vermutlich bereits durch die Verlangsamung der Athe­ro­sklerose das Demenzrisiko vermindert. In der SPRINT-MIND-Studie senkte eine intensive Kontrolle des Blutdrucks bei älteren Menschen die Zahl der Neudiagnosen einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) um 19 %.

Die Zahl der Demenzerkrankungen ging ebenfalls tendenziell zurück. Eine statistische Signifikanz war hier jedoch nicht nachweisbar. In der SPRINT-MIND waren nicht gezielt Medikamente eingesetzt worden, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Ob dies eine stärkere protektive Wirkung gegen eine Demenz erzielt hätte, ist derzeit nicht belegt.

© rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS LNS

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER