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Singultus: Saughalm mit Druckventil stoppt Schluckauf

Freitag, 10. September 2021

/picture alliance, Frank May

San Antonio – Ein spezieller Strohhalm mit einem Ventil an seiner Spitze, der den Saugdruck erhöht, hat in einer klinischen Studie einen Singultus in mehr als 90 % der Fälle innerhalb kurzer Zeit beendet, wie die in JAMA Network Open (2021; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.13933) vorgestellten Ergebnisse zeigen.

Ein Singultus, sprich Schluckauf, ist in den meisten Fällen ein harmloses Phänomen. Auf eine spontane Kontraktion des Zwerchfells folgt ein kurzer reflexartiger Verschluss der Stimmlippen, wodurch das charak­teristische Geräusch entsteht. Bei den meisten Menschen verschwindet der Singultus nach kurzer Zeit von selbst. Wenn er länger anhält, kann er jedoch die Lebensqualität beeinträchtigen. Es gibt zwar zahlreiche Hausmittel. Deren Erfolg beruht jedoch häufig auf der selbstlimitierten Dauer des Singultus.

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Neurochirurgen aus Texas haben jetzt ein einfaches Hilfsmittel entwickelt, das auch bei einem gegen Hausmittel refraktären Schluckauf helfen soll. Das „forced inspiratory suction and swallow tool“ (FISST) besteht aus einem Saugrohr, mit dem der Patient Flüssigkeit aus einem Glas trinkt.

Die Anwender müssen jedoch deutlich stärker saugen als bei einem konventionellen Strohhalm, da sich an der Spitze des Saugrohrs ein Druckventil befindet. Es öffnet sich erst bei einem Druck von 100 cm H2O (für Kinder auf 50 cm H2O umstellbar). Die Patienten müssen deshalb zum Trinken ihr Zwerchfell stärker betätigen. Gleichzeitig verschließt sich die Glottis, um ein Eintreten der Flüssigkeit in die Lunge zu verhindern.

Die Wirkung gegen den Singultus soll auf der gleichzeitigen Aktivierung von Nervus vagus und Nervus phrenicus beruhen. Die Entwickler, die ein Patent für ihren „HiccAway“ besitzen, haben FISST in einer offenen Studie von 290 Personen testen lassen, die nach eigenen Angaben zu 69,5 % mindestens 1 Mal pro Monat unter einem Singultus litten, der bei den meisten weniger als 2 Stunden anhält. Insge­samt 5,4 % hatten jedoch schon 1 Mal eine Episode von mehr als 48 Stunden Dauer erlebt.

Laut Ali Seifi von der Joe R. and Teresa Lozano Long School of Medicine in San Antonio konnten fast 92 % ihren Schluckauf mit FISST beenden. Insgesamt 226 von 249 Teilnehmern (90,8 %) fanden, dass das Hilfs­mittel einfach zu bedienen sei. Insgesamt 183 von 203 Teilnehmern (90,1%) meinten, dass FISST besser wirke als die Hausmittel, die sie vorher probiert hatten. Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Da es sich um eine reine Anwenderbefragung ohne Vergleichsgruppe handelt, lässt sich ein Placebo­effekt nicht ausschließen. Die Forscher planen jedoch bereits eine doppelblinde klinische Studie in Europa und Amerika, bei der einer Gruppe von Studienteilnehmern FISST und der anderen Gruppe ein nicht funktionsfähiges Scheingerät zur Verfügung gestellt werden soll. © rme/aerzteblatt.de

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