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Medizin

Deutschland hat die meisten depressiven Männer in Europa

Mittwoch, 23. Juni 2021

/marjan4782, stock.adobe.com

London – Die Häufigkeit von Depressionen unterscheidet sich innerhalb der einzelnen europäischen Länder deutlich. In Island leiden laut den Ergebnissen einer bevölkerungsbasierten Studie in Lancet Public Health (2021; DOI: 10.1016/S2468-2667(21)00047-5) mehr als 10 % der erwachsenen Bevöl­kerung unter Symptomen einer Majordepression, in Tschechien sind es 4 Mal weniger. In Deutschland sind Depressionen bei Männern besonders häufig.

Depressionen sind anders als Psychosen stark von äußeren Einflüssen abhängig. Alter, Zugang zur Ge­sund­heitsversorgung, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Arbeitsplatzunsicherheit, Lebens­haltungskosten, soziale Ungleichheit und ökonomische Krisen können sich auf das Gemüt und damit auf das Risiko einer schweren Depression auswirken.

Dass Europa hier weit von einer Angleichung der Lebensverhältnisse entfernt ist, zeigt sich in der 2. europäischen Gesundheitsumfrage („European Health Interview Survey“ EHIS), die zwischen 2013 und 2015 in allen EU-Mitgliedsländern sowie in Island und Norwegen durchgeführt wurde.

Bei der Umfrage wurden auch 8 Fragen zu depressiven Verstimmungen gestellt. Sie stammen aus dem „Patient Health Questionnaire“ (PHQ-8), der die Symptome einer Majordepression abfragt. Der PHQ-8 kann einen Wert von 0 bis 24 Punkten annehmen, ein Wert von mehr als 10 Punkten deutet auf eine aktuelle depressive Episode hin.

Ein Team um Jorge Arias-de la Torre vom Institute of Psychiatry am King’s College London hat die Ant­worten von 258.888 Erwachsenen aus 27 Ländern analysiert (Spanien, Belgien und die Niederlande waren aus methodischen Gründen ausgenommen).

Insgesamt litten 6,38 % der Erwachsenen unter einer depressiven Störung. Bei Männern betrug die Häu­figkeit 4,89 % und bei Frauen 7,74 %.

Überraschend deutlich waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. In Island litten 10,3 % der Erwachsenen unter einer Depression. Es folgen Luxemburg (9,7 %), Deutschland (9,2 %) und Portugal (9,2 %). Die niedrigste Rate hatte die Tschechische Republik (2,6 %) gefolgt von der Slowakei (2,6 %), Litauen (3 %) und Kroatien (3,2 %).

Den höchsten Anteil an depressiven Männer gab es in Deutschland (7,69 %) und Irland (6,5 %). Am nie­drigsten war die Rate in Tschechien (1,71 %) und der Slowakei (1,84 %). Bei den Frauen „führt“ Island (14,02 %) die Liste an vor Portugal (13,24 %), Luxemburg (11,34 %), Schweden (11,08 %) und Deutsch­land (10,73 %).

Mögliche Erklärungen, die in der Studie jedoch nicht weiter analysiert wurden, könnten sich aus den Risikofaktoren für eine Depression ergeben. Überdurchschnittlich häufig betroffen waren Personen im Alter über 75 Jahre (11,59 % versus 5,26 % der unter 30-Jährigen), solche, die in einem Nicht-EU-Land geboren wurden (8,53 % versus 6,26 % der nativen Europäer), Bewohner von dicht besiedelten Gebieten (6,93 % versus 5,94 % in ländlichen Regionen), Menschen mit langjährigen Krankheiten (11,80 % versus 2,35 % der Gesunden), Behinderte (34,58 % versus 2,70 % der nicht Behinderten), adipöse und unterge­wichtige Menschen (10,10 % und 9,09 %), tägliche Raucher (8,31 %) und bewegungsarme Menschen (7,86 %).

Auch das Einkommen (3,31 % und 10,62 % im oberen und unteren Fünftel), das Bildungsniveau (4,13 % bei tertiärem Abschluss, 11,48 % bei primärem Abschluss) und die Ernährung (5,60 % versus 15,34 % bei täglichem Verzehr versus seltenem Verzehr von Obst- und Gemüse) hatten einen Einfluss auf die Häufig­keit von Depressionen. © rme/aerzteblatt.de

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