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Klimawandel: Weltklimarat warnt vor existenziellen Folgen für die Menschheit

Mittwoch, 23. Juni 2021

/Romolo Tavani, stock.adobe.com

Paris – Mehr Hitzewellen, mehr Hunger, überschwemmte Küstenorte, Artensterben – ein Verfehlen des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens hat nach Einschätzung des Weltklimarates IPCC „irreversible Auswirkungen auf Menschen und ökologische Systeme“.

Im Entwurf zu einem umfassenden IPCC-Bericht gehen die Experten davon aus, dass eine Erderwärmung um zwei Grad 420 Millionen Menschen zusätzlich dem Risiko von Hitzewellen aussetzt.

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Zudem sieht der Berichtsentwurf bis zum Jahr 2050 ein Hungerrisiko für acht bis 80 Millionen Menschen zusätzlich. Das Ausmaß dieses Risikos sei abhängig von der Entwicklung bei den Treibhausgasemis­sio­nen, heißt es in dem Entwurf weiter.

Der Zusammenbruch ganzer Ökosysteme, Wasser- und Lebensmittelknappheit und Krankheiten als Fol­gen der Erderwärmung werden dem Berichtsentwurf zufolge in den kommenden Jahrzehnten immer schneller zunehmen – auch wenn es den Menschen gelingt, ihren Treibhausgasausstoß zu reduzieren. Dabei sei der Mensch letztlich der größte Leidtragende der von ihm selbst verursachten Krise.

„Das Leben auf der Erde kann sich von einem drastischen Klimaumschwung erholen, indem es neue Ar­ten hervorbringt und neue Ökosysteme schafft“, heißt es in der 137-seitigen technischen Zusammen­fassung des Berichtsentwurfs „Menschen können das nicht.“

Die Erde hat sich seit dem vorindustriellen Zeitalter bereits um 1,1 Grad erwärmt. Das Pariser Abkommen soll die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber 1,5 Grad beschränken. Bereits für eine Erwärmung um zwei Grad zeichnet der IPCC-Berichtsentwurf schwerwiegende globale Folgen für Mensch und Natur. Derzeit steuert die Erde aber sogar auf eine Erwärmung um rund drei Grad zu.

Schon in den vergangenen 30 Jahren hat der Klimawandel den Angaben zufolge einen globalen Ernte­rückgang um vier bis zehn Prozent verursacht – in Afrika und Südamerika ist der Rückgang noch deut­licher. Auf die weiteren bevorstehenden Veränderungen ist die Welt den IPCC-Experten zufolge schlecht vorbereitet.

„Das Schlimmste kommt erst noch und wird das Leben unserer Kinder und Enkel viel mehr betreffen als unseres“, heißt es in dem IPCC-Papier. Bis 2050 werden demnach bei einer Erderwärmung von 1,5 Grad rund 350 Millionen Bewohner von Ballungsräumen wegen schwerer Dürren unter Wassermangel leiden. Bei einer Zwei-Grad-Erwärmung wären es sogar 410 Millionen Betroffene.

Küstenstädte rückten an die „Frontlinie“ der Klimakrise, weil sie immer häufiger von Stürmen getroffen würden, die wegen steigender Meeresspiegel noch gefährlicher seien. „Der derzeitige Stand der Anpas­sung wird unangemessen sein, um künftigen Klimarisiken zu begegnen“, heißt es in dem Berichts­entwurf.

Besonders stark betroffen von den Klimafolgen sind laut Weltklimarat arme Länder. Aber auch Europa werde die Folgen zu spüren bekommen: Die dortigen Schäden durch Überflutungen würden sich bis zum Ende des Jahrhunderts auch bei einem hohen Maß an Anpassungsmaßnahmen deutlich erhöhen, pro­gnos­tizieren die Berichtsautoren auf Grundlage internationaler Studien.

Die Zahl der Menschen in Europa mit einem hohen klimabedingten Sterberisiko wäre demnach bei einer Erderwärmung um drei Grad drei Mal so hoch wie bei 1,5 Grad, insbesondere in Zentral- und Südeuropa. Außerdem dürfte Europa dem IPCC zufolge mit mehr Hilfesuchenden aus Afrika und zunehmend mit von Mücken übertragenen Krankheiten wie Malaria, Dengue oder Zika konfrontiert sein.

Darüber hinaus weist der Berichtsentwurf auf die Gefahr hin, dass sogenannte Kipp-Punkte erreicht wer­den könnten, ab denen eine massive Beschleunigung des Klimawandels nicht mehr aufzuhalten ist –et­wa durch das Schmelzen des Eisschildes in Grönland und der Westantarktis.

Dennoch betonen die Berichtsautoren, dass jeder „Bruchteil eines Grads Erwärmung“ zähle. Klimaschutz­maßnahmen zahlten sich insbesondere in der zweiten Jahrhunderthälfte aus und könnten die Mensch­heit vor dem Aussterben bewahren.

Nötig sei, dass Individuen, Gemeinden, Unternehmen und Regierungen nun einem Konzept der „Klimage­rech­tigkeit“ folgten, mahnen die Berichtsautoren in ihrem Entwurf. „Wir müssen unsere Lebensweise und unseren Konsum neu definieren.“

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wertet für Entscheidungsträger in aller Welt wissenschaftliche Studien zum Klimawandel aus und formuliert Schlussfolgerungen als Handlungsorien­tierung für seine rund 195 Mitgliedstaaten.

Bei dem rund 4.000 Seiten starken Berichtsentwurf handelt es sich um die vorläufigen Ergebnisse der IPCC-Arbeitsgruppe II, welche die Folgen der Erderwärmung beleuchtet.

Die Endfassung des Berichts, an dem mehr als 700 Fachleute mitarbeiten, soll nicht vor Februar veröf­fentlicht werden. Zuvor findet bereits im Oktober der UN-Biodiversitätsgipfel und im November die UN-Klimakonferenz statt. © afp/aerzteblatt.de

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