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Medizin

Studie: Kaffee könnte vor Leberkrankheiten und Lebertod schützen

Donnerstag, 9. September 2021

/BillionPhotos.com, stock.adobe.com

Southampton – Menschen, die täglich Kaffee trinken, erkranken und sterben seltener an chronischen Lebererkrankungen. Dies kam in einer prospektiven Beobachtungsstudie in BMC Public Health (2021; DOI: 10.1186/s12889-021-10991-7) heraus. Die mögliche Schutzwirkung war unabhängig vom Koffein­gehalt. Die Art der Zubereitung könnte jedoch eine Rolle spielen.

Kaffee ist eine Mischung von mehr als 1.000 bekannten (und vermutlich ebenso vielen unbekannten) Inhaltsstoffen, von denen einige möglicherweise eine leberprotektive Wirkung haben. Frühere Unter­suchungen hatten bereits gezeigt, dass Kaffeetrinker seltener an einer Leberzirrhose und Leberkrebs erkranken.

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Oliver Kennedy, Universität Southampton, und Mitarbeiter ermitteln jetzt in einer Studie eine allgemeine vorbeugende Wirkung gegen alle chronischen Lebererkrankungen, deren Häufigkeit vor allem aufgrund der ernährungsbedingten Fettleber in den meisten Ländern zunimmt.

Grundlage der Untersuchung sind die Daten der UK Biobank-Studie, an der seit 2006 mehr als eine halbe Million Briten im Alter von 40 bis 69 Jahren teilgenommen hatten. Von den 495.585 Personen, die sich in einem Fragebogen zu ihrem Kaffeekonsum geäußert hatten, wurde nach median 10,7 Jahren bei 5.439 eine Fettleber (Steatose) diagnostiziert, von denen 3.600 eine Leberfibrose entwickelten. Insgesamt 184 Teilnehmer sind an einem hepatozellulären Karzinom (HCC) erkrankt und 301 daran gestorben.

Kaffeetrinker blieben häufiger von den Lebererkrankungen verschont. Kennedy ermittelt eine Hazard Ratio von 0,80 (95-%-Konfidenzintervall 0,75 bis 0,86) für eine Steatose, also ein um 20 % vermindertes Risiko, das statistisch signifikant war. An einer Fibrose erkrankten die Kaffeetrinker zu 21 % seltener (Hazard Ratio 0,79; 0,72 bis 0,86) und das Sterberisiko an einer Leberkrankheit war um 49 % vermindert (Hazard Ratio 0,51; 0,39 bis 0,67). Für Erkrankungen am HCC wurde das Signifikanzniveau dagegen verfehlt (Hazard Ratio 0,80; 0,54 bis 1,19).

Die protektive Wirkung war in gleicher Stärke für entkoffeinierten Kaffee nachweisbar. Damit scheidet Koffein als leberprotektive Substanz aus, obwohl es als Antagonist am Adenosinrezeptor A2aA im Prinzip die Kollagensynthese in den Itozellen der Leber hemmt, die für Fibrose und Zirrhose verantwortlich ist.

Die hepatoprotektiven Substanzen dürften eher in den wasserlöslichen Bestandteilen wie Kahweol und Cafestol zu suchen sein, die beim Filterkaffee in der größten Menge in den Kaffee gelangen. Für ihn wurde in der Studie die größte protektive Wirkung gefunden. Für den Kaffee aus einer Siebträger­maschine, die eher die fettlöslichen Anteile extrahiert, war dagegen keine schützende Wirkung erkenn­bar.

Wie immer bei prospektiven Beobachtungsstudien lässt sich ein kausaler Zusammenhang nicht belegen. Kennedy regt deshalb eine randomisierte klinische Studie an, in der Patienten auf Kaffee und andere Genussmittel randomisiert werden müssten. Ob sich dazu genügend Teilnehmer finden werden, bleibt angesichts der Beliebtheit von Kaffee (übrigens auch in Großbritannien) abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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