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Kopfverletzungen beim Fußball: Ruf nach Regeländerungen

Donnerstag, 24. Juni 2021

Benjamin Pavard (r) im Zweikampf mit Robin Gosens (l) im Vorrundenspiel der EURO 2020. /picture alliance, Federico Gambarini

Bonn – Experten der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung haben auf die besondere Gefahr hingewiesen, beim Fußball eine Gehirnerschütterung zu erleiden. „Das lässt sich im Sport nie komplett ausschließen; da der Fußball immer athletischer wird, steigt das Risiko“, hieß es aus der Stiftung.

Dies werde auch in der laufenden Europameisterschaft deutlich: Zum Beispiel ging der Franzose Benja­min Pavard im ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft nach einem Zusammenprall mit Robin Gosens zu Boden. Er blieb zunächst liegen, spielte nach einer kurzen Behandlungspause jedoch weiter.

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„Ich habe einen höllischen Schock erlitten“, erzählte Pavard später gegenüber dem Sportkanal „beIN SPORTS“. „Ich war für zehn bis fünfzehn Sekunden ein wenig ausgeknockt, danach war es besser.“ Die Entscheidung sorgte nach dem Spiel für Kritik und Unverständnis.

„Pavard hätte bei einem umsich­tigen Vorgehen des französischen Mannschaftsarztes nicht auf das Feld zurückkehren dürfen“, urteilte derSpiegel und verwies auf die „UEFA Euro 2020 Concussion Charter“, mit welcher alle 24 Teams unter anderem un­terzeichneten, einen Spieler beim Verdacht auf eine Gehirner­schütterung sofort vom Platz zu nehmen.

„Ein Zusammenstoß beim Kopfballduell, ein Ellbogen beim Zweikampf im Gesicht, ein Aufprall gegen den Torpfosten: Die Gefahr, eine Gehirnerschütterung zu erleiden, spielt im Fußball immer mit. Wird die Verlet­zung nicht erkannt oder unterschätzt, kann es lebenslange gesundheitliche Folgen haben“, warnte die Stiftung ZNS.

„Medizinisch würde ich mich ganz klar dafür aussprechen, dass man einen zeitweiligen Wechsel durch­füh­ren kann, um einen Spieler genauer zu untersuchen“, urteilte Claus Reinsberger bereits vor einigen Wochen gegenüber der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung.

Der Neurologe ist Leiter des sportmedizinischen Instituts der Universität Paderborn und Mitglied der medi­zinischen Kommission des Deutschen Fußballbundes. Mit einem zeitweiligen Wechsel ließe sich fest­stellen, ob eine Gehirnerschütterung vorliegen könnte oder nicht. „Und wenn nicht, kann der Spieler nach zehn, fünfzehn Minuten wieder zurück auf das Spielfeld“, so sein Vorschlag.

Er betonte: „Wenn ich als Trainer, Physiotherapeut oder Mannschaftsarzt nicht sicher ausschließen kann, dass ein Spieler eine Gehirnerschütterung hat, sollte er oder sie ausgewechselt werden. Das Risiko ist ein­fach zu groß.“

Die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung setzt sich dafür ein, dass im Fußball im Breiten- wie im Profisport die Regeln geändert werden.

„Die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung plädiert dafür, dass eine zusätzliche Wechselmöglichkeit bei Kopf­verletzungen flächendeckend eingeführt wird – von der ersten Bundesliga bis zur Kreisklasse“, sagte deren Geschäftsführerin Helga Lüngen. © hil/aerzteblatt.de

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penangexpag
am Freitag, 25. Juni 2021, 12:01

Regeländerung vor Felddiagnostik

Das Ding heißt ja schließlich Fußball - warum also nicht einfach das Kopfballspiel verbieten. "Hand" ist ja auch verboten. Die im Spielverlauf auftretenden Kollisionen mit anderen Spielern könnte man theoretisch auch durch ein Regelwerk entschärfen - aber wahrscheinlich müssen diese Opfer auf dem Altar der Massenbefriedigung gebracht werden. Boxen hat seine Todesopfer, Tour de France ist Reklamefahrt für Dopingmittel, Rugby, american football werden erst durch den harten Körpereinsatz massentauglich. Gezwungen wird ja auch niemand, aber Sport im Sinne von durch die Öffentliche Hand zu fördernden Aktivitäten sind das alles nicht.
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