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Politik

Delta-Variante auf Verdopplungskurs

Donnerstag, 24. Juni 2021

/picture cells, stock.adobe.com

Berlin – Trotz weiter rückläufiger Sieben-Tage-Inzidenz wächst in Deutschland der Anteil der als besorg­niserregend eingestuften Delta-Variante deutlich. Er verdoppelte sich in einer Stichprobe im Vergleich zur Vorwoche fast – auf nun 15,1 Prozent, wie aus einem Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) von ges­tern Abend hervorgeht. Die Angabe bezieht sich auf die Woche vom 7. bis 13. Juni.

Die Werte für die Woche zuvor wurden wegen Nachmeldungen rückwirkend von etwa sechs auf acht Pro­zent korrigiert. In den Daten ist damit nun in der dritten Woche in Folge eine ungefähre Verdopplung des Delta-Anteils abzulesen: von vier auf acht auf 15 Prozent. Dieses Tempo, das auch schon in anderen Län­dern beobachtet wurde, hatten Fachleute befürchtet. Noch vor einigen Wochen hatten sich die An­teile von Delta in Deutschland laut RKI auf eher konstant niedrigem Niveau bewegt.

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Das RKI schreibt im Bericht, dass die aktuelle Verbreitung der Varianten in Deutschland zeige, dass damit zu rechnen sei, dass Delta sich gegenüber den anderen Varianten durchsetzen werde. Noch dominiert die in Großbritannien entdeckte Variante Alpha (B.1.1.7) das Infektionsgeschehen, der Anteil an den positi­ven Fällen in der Stichprobe ist nun jedoch nach Wochen mit Werten von um 90 Prozent auf 74 Prozent ge­schrumpft. Wie bisher sind die Anteile der ebenfalls besorgniserregenden Varianten Beta (entdeckt in Südafrika) und Gamma (entdeckt in Brasilien) sehr niedrig und unauffällig.

Delta ist nach RKI-Angaben in den vergangenen vier Wochen in allen Bundesländern nachgewiesen wor­den. Zu rund 1.440 Fällen lägen in diesem Zeitraum Informationen aus dem Meldesystem vor. Die abso­lute Zahl an wöchentlichen Delta-Fällen habe seit der 21. Meldewoche zugenommen, von circa 270 auf rund 470 in der 23. Meldewoche.

Zu Ansteckungen kommt es laut RKI überwiegend in Deutschland. Die meisten Übertragungen hätten in privaten Haushalten stattgefunden, zudem habe es größere Ausbrüche mit mehr als fünf Personen am Ar­beitsplatz und in Schulen mit bis zu 24 Menschen gegeben. Die meistgenannten Länder im Zusam­men­hang mit Einschleppungen seien Afghanistan (19 Fälle), Russland (16) und Italien (14). Etwa neun von zehn Delta-Infizierten sind demnach unter 60 Jahre alt.

In Großbritannien macht Delta fast 90 Prozent aller Neuinfektionen aus, die Kurve der Fallzahlen steigt wieder an. Dabei sind dort bereits gut 60 Prozent der Menschen vollständig geimpft. 82,5 Prozent haben mindestens eine Erstimpfung.

Angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante mahnt Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) zur Vorsicht. „Ich appelliere an alle Reisenden, sich sorgsam über das Infektionsgeschehen zu informieren, Testangebote anzunehmen und die Quarantänepflichten ernst zu nehmen“, sagte er dem Handelsblatt.

Auf die Frage, ob die Menschen trotz Delta-Variante sorglos ihren Urlaub buchen könnten, sagte er: „Grundsätzlich ja. Bei Reiseländern, die von der Delta-Variante bereits stark betroffen sind, sieht das aber anders aus.“ Dort sei das Risiko, sich anzustecken und die Virusvariante nach Hause zu bringen, viel höher. Auf einen Urlaubssommer dürfe kein „Sorgenherbst“ folgen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vorgestern im Bundestag mit Blick auf die Delta-Variante vor Rückschlägen gewarnt. „Wir dürfen jetzt das, was wir gemeinsam erreicht haben, nicht leichtfertig riskie­ren“, sagte sie. Zwar sei die dritte Welle gebrochen – die Pandemie aber nicht vorbei. Die etwa in Portugal und Russland stark steigenden Neuinfektionen mit der Delta-Variante sowie der auch in Deutschland steigende Anteil an den Infektionen müsse „Warnung und Auftrag zugleich sein“.

Angesichts der wachsenden Ausbreitung der hoch ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus haben Ärzteverbände – wie bereits gestern die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine Beschleunigung der Impfkampagne in Deutschland und mehr Impfstoff für niedergelassene Ärzte gefordert. Weiter Ärzte legten heute nach.

„Gebt uns genügend Impfstoffe. Wir dürfen beim Durchimpfen nicht nachlassen“, forderte der Bundes­vor­sitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. „Je mehr Menschen geschützt sind, desto geringer sind auch die Chancen für die Delta-Variante“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, ). Die Delta-Variante werde „nicht die letzte Mutation sein, die das Virus im Kampf ums Überleben finden“ werde, sagte Weigelt. Angesichts der aktuellen Inzidenzen sehe er derzeit jedoch keinen Grund, alarmiert zu sein.

Auch der Verband der Kinder- und Jugendmediziner (DGKJ) forderte, das Impftempo deutlich zu erhöhen. Bundessprecher und Kinderarzt Jakob Maske sagte dem RND, besonders gefährdet sei die Altersgruppe zwischen 30 und 60 Jahren. „Diese Menschen haben oft keine oder nur die erste Impfung erhalten und sind so einem erhöhten Risiko ausgesetzt.“

Deutschland habe den großen Vorteil, dass sich die Delta-Variante hier erst vergleichsweise spät aus­breite. Das Virus treffe auf eine in weiten Teilen geimpfte Bevölkerung, sagte der Kinder- und Jugend­mediziner. Viele Angehörige von Risikogruppen seien bereits vollständig geschützt. Zudem reduziere eine hohe Impf­quote auch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung, sagte Maske.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, zeigte sich mit Blick auf die Auslastung der Kliniken optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der Hospitalisierungen im Ver­hältnis zur Zahl der Infizierten wegen der höheren Impfquote niedriger sein wird als bei den bisherigen Wellen der Pandemie“, sagte Gaß dem RND.

Auch der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, sagte dem RND, er sei zuversichtlich, dass sich schwere Krankheitsverläufe und damit ver­bundene Intensivbehandlungen durch die Impfungen verhindern lassen. „Bei kompletter Immunisierung ist es auch bei steigenden Inzidenzen wahrscheinlich, dass viele Men­schen ohne Symptome erkranken oder nur mit geringen.“ © dpa/afp/aerzteblatt.de

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