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Jährlich erkranken mehr als 300.000 gesetzlich Versicherte an Lyme-Borreliose

Donnerstag, 24. Juni 2021

/Ingo Bartussek, stock.adobe.com

Berlin – Im Jahr 2019 ist bei 306.000 gesetzlich Krankenversicherten eine Lyme-Borreliose diagnostiziert worden. Das entspricht der Einwohnerzahl einer Stadt wie Mannheim oder Karlsruhe, wie heute das Zent­ralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) mitteilte.

Die Erkrankungshäufigkeit sei aber sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen von 2010 bis 2019 leicht zurückgegangen. Die Diagnoseprävalenz der Lyme-Borreliose lag laut Zi-Analyse 2019 bei 429 je 100.000 Versicherte. Die höchsten Werte wurden in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jäh­rigen beobachtet (Frauen: 863, Männer: 771 je 100.000 Versicherte). Altersübergreifend war die Diagnose­prävalenz bei Frauen höher als bei Männern (455 versus 398).

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Die Lyme-Borreliose wurde in allen 402 Landkreisen und kreisfreien Städten diagnostiziert, jedoch mit erheblichen regionalen Unterschieden. Im Jahr 2019 variierte die Diagnoseprävalenz um den Faktor 17 zwischen 89 (Herne, Westfalen-Lippe) und 1.481 je 100.000 Versicherte (Saale-Orla-Kreis, Thüringen).

Die höchsten Diagnoseprävalenzen zeigten sich in einem Cluster von 45 Kreisen in Deutschland. Dieses erstreckt sich grenzübergreifend von Brandenburg über Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Bayern. Erhöhte Krankheitshäufigkeiten gab es auch in einem Cluster mit acht Kreisen im Osten Bayerns, das an die Tschechische Republik angrenzt.

Der Zi-Bericht basiert auf der Daten der bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2010 bis 2019. Die Studienpopulation umfasste alle gesetzlich Versicherten mit einem Vertragsarztkon­takt. Für die Auswertung sind Personen berücksichtigt worden, bei denen die ICD-10-Diagnose A69.2 (Lyme-Krankheit) mit der Zusatzbezeichnung „gesichert“ in mindestens einem Quartal eines Kalenderjahres kodiert wurde. Berechnet wurden die Diagnoseprävalenz und -inzidenz je 100.000 Versicherte.

„Unsere Studie liefert aktuelle regional differenzierte Daten zur Verbreitung der Lyme-Borreliose in Deutschland“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. Die Ergebnisse bildeten eine Grundlage für künftige Präventionsmaßnamen, mit denen das Infektionsrisiko reduziert werden könne. „Prävention wird wichtiger, weil sich die Zecken als Überträger der Krankheitserreger immer weiter ausbreiten“.

Die Lyme-Borreliose ist laut Zi die häufigste durch Zecken übertragbare Infektionskrankheit in Europa. Ver­ursacht wird die Krankheit durch Bakterien des Genus Borrelia. Mäuse und Vögel sind das Haupterreger­reservoir.

Übertragen wird der Erreger in Europa durch den Stich der Zecke Ixodes ricinus. Die klinischen Manifes­ta­tionsformen der Erkrankung variieren zwischen leichten Formen wie Erythema migrans (Wanderröte) bis hin zu schweren Verläufen wie Meningitis (Hirnhautentzündung). © EB/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #666661
Koschi
am Freitag, 25. Juni 2021, 12:42

Diagnosen verifizierten

Es wäre doch sehr interessant zu wissen, wer und anhand welcher Kriterien die Diagnose gestellt hat. Denn gerade bei der Diagnose einer chronischen Borreliose ist die Spezifität doch eher dürftig. Oft wird die Diagnose anhand von unspezifischen Beschwerden und eines Laborbefundes gestellt – im Widerspruch zur Leitlinie. So oft sehen wir in unserer Ambulanz einer Lyme-Arthritis ohne Arthritis. Kein Wunder, das auch die 3 antibiotische Behandlung nichts genützt hat. Umso wichtiger ist eine fachärztliche Diagnosesicherung.
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