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Medizin

COVID-19: Pandemie hat Lebenserwartung in den USA stärker gesenkt als in anderen Ländern

Donnerstag, 24. Juni 2021

/arman zhenikeyev/EyeEm, stock.adobe.com

Richmond/Virginia – In den USA sind mittlerweile mehr als 600.000 Menschen mit oder an COVID-19 gestorben. Die Lebenserwartung der Bevölkerung ist laut einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ, 2021; DOI: 10.1136/bmj.n1343) um 1,87 Jahre gesunken.

Bei den Afroamerikanern betrug der Rückgang sogar 3,25 Jahre und bei den Hispanics 3,88 Jahre. Die Krise hat die USA damit wesentlich stärker getroffen als andere vergleichbare Länder. Die Kluft zwischen den Bevölkerungsgruppen hat sich geweitet.

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Um 1950 hatten US-Amerikaner weltweit mit die höchste Lebenserwartung. Die erfolgreiche Bekämp­fung von Infektionskrankheiten, die Einführung neuer Behandlungen und Massenimpfprogramme hatten zu einem deutlichen Rückgang der Sterblichkeit geführt.

Der Trend schwächte sich von Mitte der 1950er Jahre bis etwa 1970 ab. Während der „kardiovaskulären Revolution“ kam es danach infolge der Vermei­dung von Risikofaktoren wie Rauchen und der häufigeren Behandlung von hohen Blutdruck- und Cholesterinwerten wieder zu einem Anstieg der Lebenserwartung, von dem die USA jedoch weniger profitierten als andere westliche Länder.

Einen ersten Einschnitt gab es seit 2010, als die Lebenserwartung wieder stagnierte und in einigen Gruppen sogar zurückging, was unter anderem auf die Opiatkrise infolge der leichtfertigen Verordnung von Schmerzmitteln durch Ärzte und Zahnärzte zurückgeführt wird.

In den aktuellen Statistiken der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) belegen die USA in der Lebens­erwartung bei den Männern nur Platz 41 vergleichbar mit Peru, Kolumbien, Chile, Kroatien und Thailand und bei den Frauen Platz 42 knapp vor China, Kuba und der Türkei.

In den nächsten Jahren könnten die USA weiter zurückfallen, da die COVID-Krise zu einem spürbaren Rück­gang der Lebenserwartung geführt hat. Nach den Berechnungen von Steven Woolf von der Virginia Commonwealth University School of Medicine in Richmond/Virginia und Mitarbeiter ist die Lebenser­wartung zwischen 2018 und 2020 bei Männern um 2,16 Jahre und bei Frauen um 1,50 Jahre gefallen.

In der Gruppe der schwarzen Bevölkerung sank die Lebenserwartung bei den Männern um 3,56 Jahre und bei den Frauen um 2,65 Jahre. Afroamerikanische Männer sterben jetzt im Durchschnitt mit 67,73 Jahren gegenüber einer Lebenserwartung von 74,50 Jahren bei den weißen Männern europäischer Herkunft. Bei den Frauen ist der Unterschied mit 75,34 gegenüber 79,99 Jahren nicht ganz so groß.

Zum größten Einbruch der Lebenserwartung kam es bei den Männern lateinamerikanischer Herkunft. Ihre Lebenserwartung sank in der Krise um 4,58 Jahre auf 74,50 Jahre und ist damit erstmals in der Geschichte niedriger als bei den weißen Männern europäischer Herkunft (74,70 Jahre). Hispanische Frauen leben mit 81,38 Jahren noch immer länger als Frauen europäischer Herkunft (79,99 Jahre), obwohl die Krise ihre Lebenserwartung um 2,94 Jahre verkürzt hat.

Eine Gegenüberstellung zu 16 anderen Staaten vergleichbarer wirtschaftlicher Entwicklung ergab, dass der Unterschied zu den USA sich vergrößert hat. Im Jahr 2010 starben die US-Amerikaner 1,88 Jahre früher als in den Peer-Ländern.

Dieser Abstand nahm im Lauf des Jahrzehnts weiter zu und erreichte im Jahr 2018 3,05 Jahre. Zwischen 2018 und 2020 stieg der Abstand auf 4,69 Jahre: Der Rückgang der Lebenserwartung um 1,87 Jahre in den USA war 8,5-mal so hoch wie der durchschnittliche Rückgang in den Vergleichsländern, in denen die Lebenserwartung infolge der Krise um 0,22 Jahre abgenommen hat. © rme/aerzteblatt.de

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Michael Schrader
am Freitag, 25. Juni 2021, 16:35

Folgen der sozialen Ungleichheit?

Man vergleiche dazu die Untersuchungen von Kate Pickett und Richard Wilkinson in ihrem Buch "Gleichheit ist Glück". Sie zeigen den engen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Ungleichheit in einer Gesellschaft und Daten wie der Krankheitslast und der Lebenserwartung.
Geht die Schere weiter auf, stirbt der Mensch früher.
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