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Impfkommission prüft Argumente für Verkürzung der Impfabstände

Freitag, 25. Juni 2021

/picture alliance, Sebastian Kahnert

Berlin – Eine Diskussion um die Verkürzung der Impfabstände läuft angesichts der angenommenen Wichtigkeit vollständiger Impfserien zum Schutz vor der Delta-Variante des Coronavirus. Die Frage sei nicht trivial, teilte Thomas Mertens, der Leiter der Ständigen Impfkommission (STIKO), mit.

Es gebe verschiedene Pro- und Contra-Argumente, erklärte der Ulmer Virologe. „Wir versuchen derzeit die notwendige Evidenz zu schaffen.“ Die STIKO empfiehlt bislang längere Zeitabstände zwischen den zwei Impfungen als es gemäß Zulassung der jeweiligen Impfstoffe möglich wäre.

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Das hat Gründe: Bei Astrazeneca etwa steigt die Wirksamkeit bei längerem Abstand. Zudem sprach die Impfstoffknappheit dafür, zunächst möglichst viele Menschen mit der Erstimpfung zu versorgen.

Bei Astrazeneca lautet der bisherige Rat des Expertengremiums, zwölf Wochen zwischen erster und zwei­ter Dosis verstreichen zu lassen. Für die mRNA-Impfstoffe (Biontech/Pfizer und Moderna) beträgt der empfohlene Abstand sechs Wochen. Laut Zulassung wären schnellere Impfserien möglich: zwei Biontech-Spritzen im Abstand von drei Wochen, bei Moderna und Astrazeneca im Abstand von vier Wochen.

Beim Vektorimpfstoff von Astrazeneca gilt mittlerweile nach Angaben des Bundesgesundheitsministeri­ums, dass es Impfwilligen freisteht, den Abstand individuell mit Impfärztinnen und -ärzten im Rahmen des zugelassenen Zeitraums (vier bis zwölf Wochen) zu vereinbaren.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) sagte gestern im ARD-Morgenmagazin auf die Frage, ob die Ab­stände verkürzt werden sollten, um schneller Menschen vor Delta zu schützen: Die Herausforderung sei zunächst einmal, dass jeder – mit Ausnahme von Kindern unter zwölf – eine Chance zur Erstimpfung be­kom­me.

Bei der Zweitimpfung gehe es weniger um die Frage der Bequemlichkeit des Abstands, sondern mehr um die Wirksamkeit. „Wir wissen eben, dass ein gewisser Abstand die Wirksamkeit der Impfung verbessert.“ Er verneinte die Frage, ob eine Verkürzung der Rat der Stunde sei.

Der Immunologe Carsten Watzl schrieb auf Twitter auf eine entsprechende Frage eines Nutzers, dass man bei den aktuell niedrigen Infektionszahlen das lange Astrazenca-Impfintervall nutzen könne.

Der Virologe Christian Drosten weist schon länger darauf hin, dass gerade die erste Impfung gegen Delta noch nicht so viel hilft. Auch Watzl hatte kürzlich gesagt: „Die Zweitimpfung ist dringend not­wen­dig, um auch die Mutanten gut abwehren zu können.“

„Die aktuellen Impfintervalle, insbesondere bei Biontech, zu verkürzen, macht natürlich Sinn, um mög­lichst schnell eine vollständige Impfwirkung zu erreichen“, erklärte der Vorstandschef der Kassenärzt­lichen Bundesvereinigung (KBV) , Andreas Gassen, vorgestern. „Die maximale Spreizung der Impfinter­valle bei Biontech hat ja lediglich im Mangel der Impfstoffe ihre Begründung.“

Auch in Deutschland werden mittlerweile wachsende Anteile der in Indien entdeckten Delta-Variante verzeichnet. Die Fallzahlen durch die Mutante wachsen bislang aber nur relativ leicht, während der Trend bei den Ansteckungen durch die noch dominierende Mutante Alpha stärker zurückgeht. Perspektivisch wird damit gerechnet, dass Delta auch hier das Infektionsgeschehen dominieren wird. © dpa/aerzteblatt.de

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