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Medizin

Schlafapnoe kann bereits im Teenageralter den Blutdruck ansteigen lassen

Freitag, 6. August 2021

/JPC-PROD, stock.adobe.com

Hershey/Pennsylvania – Eine obstruktive Schlafapnoe, die nachts die Oxygenierung des Blutes regel­mäßig unterbricht, erhöht nicht nur im Erwachsenenalter das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkran­kungen.

Eine Kohortenstudie in JAMA Cardiology (2021; DOI: 10.1001/jamacardio.2021.2003) zeigt, dass es bei Kindern mit persistierender OSA häufiger zu einem Anstieg des Blutdrucks kommt, der langfristig das kardiovaskuläre Risiko erhöht.

Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist infolge von Bewegungsmangel und Adipositas auch bei Kindern häufiger geworden. In den USA ist nach Einschätzung des National Heart, Lung, and Blood Institute bereits jedes 10. Kind betroffen. Die gestörte Nachtruhe führt zu Verhaltensstörungen und verschlech­tert die schulischen Leistungen.

Bei Erwachsenen ist eine OSA auch mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden. Die Patienten haben einen erhöhten Blutdruck und sie erkranken häufiger an Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Julio Fernandez-Mendoza vom Sleep Research and Treatment Center der Penn State University in Hershey/Pennsylvania und Mitarbeiter haben untersucht, ob auch Kinder gefährdet sind. Eine Gruppe von 700 Kindern verbrachte im Alter von 5 bis 12 Jahren das 1. Mal eine Nacht im Schlaflabor. Bei 12 % wurde eine OSA diagnostiziert.

Nach 8 Jahren wurden 421 Kinder erneut im Schlaflabor untersucht. Zu diesem Zeitpunkt waren die Teil­nehmer im Durchschnitt 16 Jahre alt (12 bis 23 Jahre). Bei den meisten hatte sich die OSA gebessert. Teilweise waren die Gaumen und/oder die Rachenmandeln entfernt worden, was die Störung häufig behebt. Andere Kinder waren aus der Störung „herausgewachsen“.

Insgesamt 21 Kinder litten jedoch weiterhin an einer OSA. Diese Kinder mit persistierender OSA hatten fast 3 Mal häufiger als andere einen erhöhten Blutdruck. Fernandez-Mendoza ermittelt eine Odds Ratio von 2,9, die trotz der geringen Fallzahl mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,1 bis 7,5 signifikant war.

Jugendliche mit einem erhöhten Blutdruck haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Erwachsenenalter bereits frühzeitig einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Bei den Kindern, bei denen sich die OSA zurückgebildet hatte, wurde kein erhöhter Blutdruck (Odds Ratio 0,9; 0,3 bis 2,6) gefunden. Eine rechtzeitige Behandlung (oder das „Herauswachsen“ aus der Störung) kön­nte die Kinder demnach vor späteren Erkrankungen schützen. Dies scheint vor allem bei Mädchen der Fall zu sein. Bei den Jungen war der Blutdruck im Jugendalter häufig auch dann erhöht, wenn sich die OSA zurückgebildet hatte.

Bei 135 Studienteilnehmern wurde erstmals im Jugendalter eine OSA festgestellt. Diese Gruppe hatte ebenfalls häufiger einen erhöhten Blutdruck. Das Risiko stieg mit dem Schweregrad der OSA. Für einen Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von 2 bis 5 (Episoden pro Stunde) ermittelte Fernandez-Mendoza eine Odds Ratio von 1,5 (0,9 bis 2,6), bei einem AHI von über 5 stieg die Odds Ratio auf 2,3 (1,1 bis 4,9). Dieses Risiko bestand unabhängig von der viszeralen Adipositas, die für sich ebenfalls das Risiko auf eine Hypertonie erhöht.

Bei den Jugendlichen mit einer schweren OSA (AHI über 5) wurde darüber hinaus häufiger eine ortho­statische Hypertonie gefunden. Fernandez-Mendoza ermittelt eine Odds Ratio von 3,1 (1,2 bis 8,5).

Die orthostatische Hypertonie ist im Gegensatz zu der (bei Erwachsenen häufigeren) orthostatische Hypotonie durch einen Anstieg des Blutdrucks beim Wechsel vom Liegen zum Stehen gekennzeichnet. Ursache ist vermutlich eine Überempfindlichkeit der Barorezeptoren. Die orthostatische Hypertonie ist bei Erwachsenen mit einem deutlich erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden.

Eine OSA im Jugendalter kann behandelt werden. In bestimmten Fällen könne eine Tonsillektomie mit oder ohne Adenoidektomie das Problem häufig beheben, schreibt Fernandez-Mendoza. In anderen Fällen könnte auch im Jugendalter bereits eine Maske zur CPAP-Beatmung sinnvoll sein. © rme/aerzteblatt.de

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