NewsMedizinCD8-Zellreaktion sagt individuelles Ansprechen der Radioimmuntherapie bei Kopf-Hals-Tumoren voraus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

CD8-Zellreaktion sagt individuelles Ansprechen der Radioimmuntherapie bei Kopf-Hals-Tumoren voraus

Freitag, 25. Juni 2021

/medistock - stock.adobe.com

Berlin – Ob eine Kombination aus Bestrahlung und Immuntherapie beim individuellen Patienten tat­sächlich wirkt, lässt sich anhand der Reaktion von Abwehrzellen im Tumor sicher feststellen. Dies zu wissen ist wichtig, um auf die Chemotherapie und deren Nebenwirkungen verzichten zu können. Wie eine solche Prognose bei Kopf-Hals-Tumoren gelingen kann, erläuterte Rainer Fietkau, Direktor der Strahlenklinik am Universitätsklinikum in Erlangen anlässlich der Pressekonferenz zur 27. Jahrestagung der der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

Zu den vergleichsweise häufig auftretenden und häufig bestrahlten Kopf-Hals-Tumoren zählen beispiels­weise Mundhöhlenkarzinome, Karzinome von Larynx und Pharynx, aber auch solche der Nasen und Na­sennebenhöhlen. 50 von 100.000 Personen sind jährlich bundesweit betroffen, am häufigsten ist der Kehlkopfkrebs. Wie auch bei anderen soliden Tumoren lassen sich hierbei mit der Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren immer mehr Karzinome nebenwirkungsarm behandeln.

Als limitierend erweist sich jedoch die Tatsache, dass je nach Tumor allenfalls knapp die Hälfte der Be­troffenen, aber mitunter auch nur jeder zehnte davon profitiert. Hinzu kommt, dass jene Patienten, die nicht auf die Checkpoint-Inhibition reagieren, zusätzlich ein hohes Risiko haben, dass der Tumor sich dann sogar rascher ausbreitet als bei einer herkömmlichen Chemotherapie. Ohne Kenntnis des Anspre­chens könnte man so dem Patienten durch eine Checkpoint-Immuntherapie mithin sogar Schaden zu­fügen.

Ob ein Tumor aber anspricht oder nicht, liegt in der Zahl bestimmter Rezeptoren begründet – dem PDL-, PDL-1-Status und CPS-Status des Tumors. Je mehr Rezeptoren ein Tumor aufweist, desto eher lässt sich sein Wachstum durch die Immuntherapie beeinflussen.

„Wenn wir auf die Chemotherapie verzichten können, erspart das dem Patienten Nebenwirkungen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können, beispielsweise Schleimhautentzündungen, Schluckbe­schwer­den, Nierenschädigungen, Thrombozytopenie und Leukozytopenie“, erklärte Fietkau, der als Präsi­dent der DEGRO den diesjährigen Kongress veranstaltet, dem Deutschen Ärzteblatt.

Um exakte Vorhersagen treffen zu können, hat man in Erlangen eine Phase-2-Studie bei Kopf-Hals-Tumoren initiiert, die noch über andere Kriterien als die Rezeptordichte das Ansprechen der Malignome auf eine Immuntherapie in Kombination mit einer radioonkologischen Strahlentherapie möglichst ein­deutig erfassen wollte (Journal of Clinical Oncology (2021 May 20; 39 (15) suppl 6007-6007)).

Vor und nach einem Zyklus Chemotherapie wurde bei Krebspatienten mit fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren histologisch untersucht, ob in dem Tumor vermehrt CD8-Zellen messbar sind. Das zeigt an, ob eine Immuntherapie effektiv ist. Wurde ein solcher Anstieg dieser Immunzellen registriert, erhielten diese Patienten anschließend eine Radioimmuntherapie.

Fielen die CD8-Zellen indes ab oder zeigten keinen Anstieg, ging man davon aus, dass kein Ansprechen zu erwarten ist. Infolgedessen wurde die Therapie modifiziert, die wurden chirurgisch behandelt und erhielten eine konventionelle Radiochemotherapie mit Zytostatika.

An der Studie nahmen 80 Tumorkranke teil, von 79 konnten die Daten ausgewertet werden. Unter diesen war bei 41 nach dem ersten Zyklus in der Histologie kein Tumor mehr nachweisbar. Bei 72 der 79 Studi­en­teilnehmer zeigte sich ein Anstieg der CD8-Zellen, diese erhielten wie vorgegeben eine Radioimmun­therapie.

Die übrigen wurden aufgrund eines Abfalls der CD8-Zellen oder aufgrund von Nebenwirkungen der Im­muntherapie mit einer Operation oder einer konventionellen Radiochemotherapie behandelt. Die lang­fristigen Therapieergebnisse zeigten Überlebensraten von etwa 70 bis 80 Prozent in beiden Gruppen.

Dies sind im Vergleich zu anderen Studien eher günstige Ergebnisse. „Bei einem CD8-Anstieg muss nur die Radio­immuntherapie fortgeführt werden, auf die Chemotherapie kann dann ohne Einbußen der Wirksamkeit verzichtet werden“, fasste der DEGRO-Präsident zusammen.

Man habe nachweisen können, dass sich aufgrund einer Auswahl von Betroffenen mit Hilfe eines Test­zyklus die Wirksamkeit einer Immuntherapie oder Radioimmuntherapie verlässlich prognostizieren lasse. Dies könne daher auch als Modell dafür dienen, wie bei anderen Tumorkollektiven künftig die Effektivität einer Immuntherapie beurteilt werden könnte. © mls/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER