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Vermischtes

Pflegezusatz­versicherung für Chemie- und Pharmabranche

Montag, 28. Juni 2021

/Joachim Lechner, stock.adobe.com

Hannover/Wiesbaden – Mehr als eine halbe Million Beschäftigte der Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland haben ab der neuen Woche Anspruch auf eine brancheneigene Pflegezusatzversicherung. Die Arbeitgeber zahlen dabei Extraprämien für die Arbeitnehmer, um die Kosten im Fall späterer Pflege­bedürftigkeit über die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung hinaus besser abzudecken.

Das Modell war in der letzten Tarifrunde zwischen der Gewerkschaft IG BCE und dem Bundesarbeitgeber­verband Chemie (BAVC) Ende 2019 vereinbart worden. Es greift von Donnerstag (1. Juli) an nun in einer ersten Stufe. Laut den Verhandlungspartnern ist „Careflex“ die bundesweite erste Form ergänzender Pfle­geabsicherung für einen ganzen Wirtschaftszweig.

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So wolle man drohenden Lücken in der Finanzierung der Pflege in der alternden Gesellschaft vorbeugen. Die Basisleistung ist ein „fest vereinbartes Pflegemonatsgeld“ von 300 Euro, sollte ambulante Versorgung nötig werden. Für stationäre Pflege sind es 1.000 Euro pro Monat. Eine gesonderte Gesundheitsprüfung müssen die Mitarbeiter zum Eintritt in die Zusatzversicherung nicht vornehmen lassen.

Grundsätzlich dürfen alle rund 450.000 Tarifbeschäftigten „Careflex“ nutzen. Voraussetzung ist eine Min­destzeit von einem halben Jahr im Betrieb. Hinzu kommen können schrittweise etwa 130.000 außer Tarif Bezahlte und leitende Angestellte – zum Start sind es aus dieser Gruppe zunächst 90.000. Am Ende soll die überwiegende Zahl aller Belegschaftsmitglieder in den gut 1.900 deutschen Chemie- und Pharma­unternehmen über das neue Konzept pflegeversichert sein.

Der vom Arbeitgeber übernommene Pro-Kopf-Monatsbeitrag beläuft sich in der Grundvariante auf 33,65 Euro. Falls ab Anfang 2024 Erhöhungen oder veränderte Leistungen beschlossen werden sollen, bedarf dies der Zustimmung eines Treuhänders, der IG BCE und des Arbeitgeberverbands. Die Zusatzversich­erung selbst wird von einem Konsortium gemanagt.

Beschäftigte können die Leistungen freiwillig weiter aufstocken und Familienmitglieder mitversichern. Dann sind allerdings zusätzliche Gesundheitsprüfungen erforderlich. IG-BCE-Vizechef Ralf Sikorski sagte, es zeige sich schon „eine rasante Ausdehnung“ des Modells auch auf höhere Gehaltsgruppen. BAVC-Chef Klaus-Peter Stiller erklärte: „Die eigene Pflege oder die der Angehörigen wird uns in den nächsten Jahren immer stärker fordern.“ Das Thema sei oft „unter dem Radar“.

Die Reform der gesetzlichen Pflege wurde vom Bundestag in der vorletzten Woche verabschiedet und am vergangenen Freitag auch von den Ländern im Bundesrat abschließend gebilligt. Ein Kernziel des Pakets ist es, Pflege­bedürftige von hohen Zuzahlungen im Heim zu entlasten.

Dafür soll es ab Januar 2022 Zuschläge geben, die den Eigenanteil für die unmittelbare Pflege senken. Der Bund gibt vom kommenden Jahr an außerdem eine Milliarde Euro als Zuschuss in die Pflegeversich­erung.

Parallel dazu wird der Pflegebeitrag für Kinderlose von 3,3 auf 3,4 Prozent des Bruttolohns angehoben. Zu der Reform zählt überdies eine bessere Entlohnung von Pflegekräften in einem Tarifsystem. © dpa/aerzteblatt.de

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