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Angestellte Ärzte: Deutliche Gehaltsunterschiede, Frauen verdienen im Schnitt schlechter

Montag, 28. Juni 2021

/picture alliance, Franziska Gabbert

Berlin – Die Gehälter driften in Deutschland bei angestellten Ärzten auseinander. Die in der ambulanten Versorgung angestellten Ärztinnen verdienen zudem im Durchschnitt weniger als ihre männlichen Kol­le­gen. Das zeigt eine Befragung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut DocCheck Research unter 700 angestellten Humanmedizi­nern.

Im vergangenen Jahr waren in Deutschland demnach rund 46.500 Ärzte in der ambulanten Versorgung angestellt. Da für die ambulante Versorgung keine Tarifverträge existierten, orientierten sich die Gehälter der angestellten Ärzte in Praxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zwar grob an den Vorga­ben für die Kliniken, doch letztendlich würden sie individuell ausgehandelt, schreibt die Apobank. Ent­sprechend zeige sich eine große Spannweite bei den Verdiensten.

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So erhalten angestellte Ärzte in der Befragung in hausärztlichen Praxen im Durchschnitt 75.900 Euro brutto im Jahr. Dabei bewegen sich die mittleren Jahresgehälter der Befragten zwischen 60.000 Euro und 88.000 Euro. Im Vergleich dazu erhalten Fachärzte mit 87.600 Euro brutto pro Jahr im Durchschnitt rund 15 Prozent mehr Gehalt. Die mittleren Einkommen varrieren zwischen 65.000 und 102.600 Euro. Verein­zelt seien auch Gehälter bis zu 158.900 Euro genannt worden, hieß es.

„Ein Grund für die großen Gehaltsunterschiede bei Fachärzten ist sicherlich die Tatsache, dass die ver­schie­denen Fachrichtungen unterschiedlich hohe Abrechnungsmöglichkeiten haben“, erklärte Ramona Krupp, Referentin im Bereich Gesundheitsmärkte und -politik bei der Apobank.

Insbesondere technikintensive Leistungen, die zum Beispiel Augenärzte, Urologen und Chirurgen erbrin­gen würden, profitierten davon, was sich dann am Ende auch im Gehalt der Angestellten widerspiege­le. Allerdings gebe es seit einiger Zeit das gesundheitspolitische Bestreben, die ‚sprechende‘ Medizin finanziell zu fördern, die vor allem Haus- und Kinderärzte aber auch Neurologen und Psychothe­rapeuten anbieten.

Ein Vergleich der Einrichtungen zeigt der Analyse zufolge, dass in MVZ höhere Gehälter gezahlt werden als in den Praxen – und das unabhängig vom Vergütungsmodell. So liegen die reinen Festgehälter in einer Praxis im Durchschnitt rund 16.500 Euro unter den Gehältern im MVZ; bei einer Umsatzbeteiligung – die allerdings laut Befragung selten ist – fällt der Unterschied mit 13.600 Euro brutto pro Jahr etwas geringer aus. Ein Gehaltsmodell mit Beteiligung am Umsatz kommt in MVZ häufiger vor als in Praxen.

Keine Unterschiede in den Verdiensten gibt es nach Regionen. Die Arbeit in der Kleinstadt oder auf dem Land steht der Arbeit in der Großstadt aus finanzieller Sicht in nichts nach. In ländlichen Regionen mit weniger als 20.000 Einwohnern ist das durchschnittliche Bruttojahresfestgehalt (umsatzunabhängiges Vergütungsmodell) bei Hausärzten mit 78.200 Euro sogar leicht höher als in den großen Städten (74.900 Euro). Die befragten Fachärzte verdienen in der Kleinstadt beziehungsweise auf dem Land mit 86.300 Euro nur marginal weniger als in der Großstadt (87.700 Euro).

Defizite gibt es bei der Vergütung zwischen Ärzten und Ärztinnen. Die in der ambulanten Versorgung an­ge­stellten Ärztinnen verdienen im Durchschnitt 18 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das trifft sowohl auf alle Fachbereiche zu.

Damit entspricht die geschlechterbedingte Gehaltslücke bei Humanmedizinern im umsatzunabhängigen Modell dem Schnitt in der Bevölkerung, wie die Apobank schreibt. Laut Statistischem Bundesamt betrug der Gender-Pay-Gap zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern zuletzt 18 Prozent (Stand 2021). Seit 2000 ist der Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern fast konstant.

„Dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen weniger Geld fordern als ihre männlichen Kollegen, ist immer wieder in Untersuchungen zu beobachten“, sagte Krupp, die auch die Befragung geleitet hat. „Doch unse­re Umfrage offenbart auch insgesamt hohe Differenzen zwischen den Gehältern, was letztendlich auch bedeutet, dass ein großer Verhandlungsspielraum vorhanden ist.“

Mit der Analyse will die Apobank erste Anhaltspunkte zu den Arbeitsbedingungen in der ambulanten Medizin liefern. Den Umfrageergebnissen zufolge ist das Gehalt für die Mehrheit der Befragten ein wich­tiger Faktor, wenn es um die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz geht. © may/EB/aerzteblatt.de

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