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Medizin

SARS-CoV-2: Verlängerung der Intervalle und 3. Dosis verstärken Immunität (und Schutz vor Varianten)

Dienstag, 29. Juni 2021

/rarrarorro, stock.adobe.com

Oxford – Ein längeres Intervall zwischen den beiden Dosierungen des Astrazeneca-Impfstoffs Vaxzevria scheint die Immunität nach der 2. Dosis nicht zu beeinträchtigen, sondern eher zu verstärken. Nach den in den Preprints with The Lancet (Abstract 3873839) vorgestellten Ergebnissen könnte eine 3. Dosis den Impfschutz auch gegen die neuen Varianten weiter verbessern.

Der Impfstoffmangel hat viele Länder bewogen, die 2. Dosis der Impfung gegen COVID-19 hinauszu­schieben, um möglichst schnell möglichst vielen Menschen eine Grundimmunisierung zu ermöglichen, die bereits vor schweren Verläufen von COVID-19 schützt.

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Die zulassungsrelevanten Studien zu Vaxzevria ermöglichen es, die Auswirkungen der Intervalle zu unter­suchen. Dies hängt damit zusammen, dass in den Studien zunächst keine 2. Dosis geplant war. Erst als sich in anderen Studien herausstellte, dass eine 2. Dosis die Immunität steigert, wurde das Protokoll geändert. Zu diesem Zeitpunkt lag die 1. Impfdosis bei einigen Patienten jedoch bereits länger zurück. Bis zur 2. Dosis vergingen bis zu 45 Wochen.

In dieser Zeit ist es zwar zu einem allmählichen Rückgang der Antikörpertiter gekommen. Sie waren, wie die jetzt von Teresa Lambe und Amy Flaxman von der Universität Oxford vorgestellten Daten zu 321 Teilnehmern zeigen, jedoch auch noch 320 Tage nach der 1. Impfdosis in einer Konzentration nachweis­bar, die einen gewissen Impfschutz erwarten lässt. Auch eine zelluläre Immunität, die zuletzt am Tag 182 nach der 1. Dosis untersucht wurde, war noch nachweisbar.

Nach der 2. Dosis kam es dann bei allen Geimpften zu einem Anstieg der Antikörpertiter. Dieser Booster fiel interessanterweise bei den Personen, die die 2. Dosis am spätesten erhalten hatten, am stärksten aus, was Impfexperten nicht überrascht. Auch bei anderen Impfstoffen, etwa gegen humane Papillonaviren, sei ein stärkerer Booster nach der 2. Dosis beobachtet worden, meinte Peter English von der Plattform „Vaccines Today“ gegenüber dem Science Media Centre in London.

Auch der Impfschutz gegen die Varianten wird nach den Daten von Lambe und Flaxman nicht gefährdet. Die IgG-Titer aller 4 getesteten Varianten (Wildtyp D614G, Alpha, Beta und Delta) lagen nach der verzö­gerten 2. Dosis höher. Das einzige Risiko einer verzögerten 2. Dosis bleibt, dass Personen, die sich vor der 2. Dosis mit SARS-CoV-2 infizieren, ein erhöhtes Risiko haben, an COVID-19 zu erkranken, auch wenn der Verlauf deutlich milder sein dürfte als bei einem völligen Verzicht auf die Impfung.

Die Virusvarianten, die sich mittlerweile ausgebreitet haben, werfen die Frage auf, ob eine 3. Impfdosis den Schutz weiter verstärken könnte. Insgesamt 90 Studienteilnehmer haben zwischen dem 11. und 21. März eine 3. Dosis Vaxzevria erhalten. Die 1. Untersuchungen zeigen jetzt, dass die Antikörpertiter deut­lich ansteigen. Die T-Zell-Antwort und die Immunantwort gegen die Varianten Alpha, Beta und Delta wurden ebenfalls verstärkt.

Die Nachbeobachtungszeit ist jedoch bisher auf 28 Tage begrenzt und die Zahl der Teilnehmer ist gering. Es fehlt zudem eine randomisierte Vergleichsgruppe. Ob eine 3. Dosis notwendig wird, ist nach Ansicht von Lambe noch offen. Falls sie erfolgt, könne jedoch mit einer guten Immunität gerechnet werden. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #708119
ulipfaff
am Mittwoch, 30. Juni 2021, 10:37

Antikörpertiter = Schutz?

Ich finde die Aussage: mehr Antikörper = mehr „Schutz“ doch ungenau oder unsauber. Welcher Schutz ist gemeint? Gibt es besseren oder längeren mit höheren titern? Der „klinische“ Schutz ist doch das entscheidende. Zur Verhinderung von Infektion und Transfusion gibt es auch keine - mir bekannten - korrelationen zwischen Ak titer Höhe und Reduktion. Auch keine eindeutigen cut offs. Ich merke, auch Ärzte können so verwirrt werden
Mit Gruß
Dr.U.Pfaff
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