NewsPolitikCOVID-19: 35,68 Millionen Euro für digitale Impfzertifikate ausgezahlt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

COVID-19: 35,68 Millionen Euro für digitale Impfzertifikate ausgezahlt

Donnerstag, 15. Juli 2021

/picture alliance, Matthias Balk

Berlin – Die digitalen Zertifikate, die zusätzlich zum Gelben Impfausweis eine Impfung gegen SARS-CoV-2 bescheinigen, sind für viele Men­schen offenbar zu einem wichtigen Alltagsins­trument geworden. Das zeigen Daten aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Was die tatsächlichen Kosten für das Ausstellen an­geht, sind exakte Aussagen bislang schwierig.

Bis zum 13. Juli sind nach Angaben des Ministeriums rund 66,1 Millionen COVID-19-Impfzertifikate in Deutschland ausgegeben worden. Bis zum 8. Juli waren es demnach rund 62,1 Millio­nen.

Anzeige

Zur Einordnung: Bisher sind rund 36,35 Millionen Menschen (43,7 Prozent der Gesamt­bevölkerung) voll­ständig, also zwei Mal, geimpft. Insgesamt haben etwa 49 Millionen Bürger (58,9 Pro­zent) mindestens eine Impf­dosis erhal­ten. Ein Zertifikat wird für beide Impfungen ausgestellt. Zwei Wochen nach der zwei­ten Impfung gegen SARS-CoV-2 gilt man als vollständig durchgeimpft.

Der 8. Juli markiert bei den Kosten für die Impfzertifikate einen Zwischenstand. Bis dahin erhielten Apo­theker und Ärzte, die nachträglich Coronaimpfzertifikate ausstellten, für die Bescheinigung einer Erstim­pfung 18 Euro, für die Bescheinigung einer Zweitimpfung dann noch sechs Euro. Das galt aber nur, wenn sie die Coronaimpfung zuvor selbst nicht vorgenommen hatten.

In der Regel sollte die impfende Praxis den Impfausweis direkt ausstellen. Dafür erhielten Ärzte laut Ver­ordnung sechs Euro jeweils für die Erst- und Zweitimpfung. Diese Vergütung sollte aber auf zwei Euro ab­gesenkt werden, wenn die Erstellung über die Praxisverwaltungssysteme (PVS), also weitgehend auto­ma­ti­siert, erfolgte.

Zum 8. Juli ist dann die Vergütung für Apotheker und Ärzte per Verordnung herabgesetzt worden. Seitdem erhalten diese für die Ausstellung von digita­len Impfzertifikaten statt 18 Euro grundsätzlich sechs Euro. Für Ärzte gilt weiter, dass es zwei Euro bei Ausstellung über die PVS-Systeme gibt. Die zu­nächst höhere Ver­gütung sollte einen Anreiz schaffen, dass sich viele Ärzte und Apotheker an der Aus­stell­ung der digitalen Impfzertifikate beteiligen.

Der Stichtag 8. Juli müsste daher eine bisherige Kostenabschätzung für die Ausstellung der Impfzertifi­kate zulassen. Allein: die exakten Daten fehlen bisher. Das Ministerium konnte noch keine Angaben dazu machen, wie viele Zertifikate bis zum 8. Juli in Arztpraxen, von Betriebsärz­ten und Apotheken sowie in Impfzentren ausge­teilt wurden. Das BMG begründet die fehlenden Zahlen mit unterschiedlichen Abrech­nungsmodalitäten. Diese er­­folg­ten monatlich oder quartalsweise – je nach Berufsgruppe.

„Im Hinblick auf die erstmalige Ausstellung des COVID-19-Impfzertifikates im Monat Juni liegen dem Bundesministerium für Gesundheit derzeit noch keine belastbaren Abrechnungsdaten vor“, heißt es auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes.

Das Bundesamt für soziale Sicherung (BAS), das für die Auszahlung der Vergütungen zuständig ist, teilte dem Deutschen Ärzteblatt auf Nachfrage mit, dass bis zum 15. Juli rund 35,62 Millionen Euro an die Apo­theken ausgezahlt worden seien. 58.242 Euro seien bisher für die Arztpraxen abgerechnet worden. Macht zusammen rund 35,68 Millionen Euro.

Das BAS merkte aber an, dass nicht alle Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen, für die Arztpraxen) und Rechen­zent­ren (für die Apotheken) bisher Mittel beim BAS angefordert haben. Die KVen rechnen quar­talsweise ab, die Rechenzentren monatlich. Wie viele Abrechnungen noch folgen, konnte das BAS nicht beziffern.

Zahlen der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apo­the­kerverbände zufolge haben die Apotheker bis zum 8. Juli rund 20 Millionen Impfzertifikate ausgege­ben. Eine Berechnung der Kosten ist schwierig. Wäre jeder Impfling nach der zweiten Dosis in eine Apotheke gegangen, um sich nachträglich beide Corona­impfun­gen bescheinigen zu lassen, hätte der Apotheker dafür einmal 18 Euro und einmal sechs Euro er­halten. Das wäre eine Gesamtsumme von rund 240 Millionen Euro für die Apotheken.

Da un­klar ist, wie viele Zertifi­kate über die Impfzentren sowie Niedergelassene und Betriebsärzte ausge­stellt worden sind, auch der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) liegen dazu keine Daten vor, ist eine weitere Auf­schlüsselung der Kosten derzeit nicht möglich. Die Ausstellung von Impfzertifikaten in Impfzentren ist zudem in den Gesamtkos­ten der Impfzentren ent­halten, wie das BAS erklärte. Dazu lie­gen der Behörde keine Daten vor.

Keine Angaben werden in Zukunft darüber zu erwarten sein, wie viele gefälschte Zertifikate bei einer Prüfung auffallen. Wie das BMG schreibt, weist die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) Impf­ausweise als Gegenstände einer Fälschung von Gesundheitszeugnissen nicht gesondert aus. Die Cov­Pass­Check-App, mit der die Impfzertifikate eingelesen werden können, wurde nach Angaben des BMG rund 180.000 mal heruntergeladen. © may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #88255
doc.nemo
am Freitag, 16. Juli 2021, 09:47

Teure Bequemlichkeit

Da der gelbe Impfausweis ein weltweit gültiges Dokument ist, stellt das zusätzliche digitale Impfzertifikat eine Sonderleistung dar, die ausschließlich der Bequemlichkeit des Einzelnen dient. Es wäre überhaupt kein Problem, wenn jeder selbst dafür zu zahlen hätte. Da eine Erstimpfung sowieso nicht ausreichend ist, hätte ein einziges Zertifikat nach der zweiten Impfung ausgereicht, 10 Euro wären dafür angemessen gewesen. Aber sie haben es wieder mal nicht hingekriegt, unsere teuren Politiker.
Avatar #621880
Puls123
am Donnerstag, 15. Juli 2021, 23:37

Nicht nur Minister Spahn,

sondern auch die Mafia ist offenbar auf den Sonderzug nach Porona aufgesprungen und hat die Zukunft abgesichert. Super. Danke nochmal.
LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER