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Medizin

Chlamydienprok­titis: Doxycyclin besser wirksam als Azithromycin

Montag, 9. August 2021

Chlamydien Chlamydia trachomatis in Epithelzellen von Gebärmutterschleimhaut. /picture-alliance, OKAPIA KG_ Germany, Gladden W. Willis

Melbourne – Die einmalige Einnahme von Azithromycin erleichtert zwar die Behandlung einer asymptoma­tischen rektalen Infektion mit Chlamydia trachomatis. Die Heilungschancen waren in einer randomisier­ten Vergleichsstudie im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2031631) jedoch geringer als nach einer 7-tägigen Behandlung mit Doxycyclin.

Chlamydia trachomatis gehört weltweit zu den häufigsten Erregern von sexuell übertragbaren Infek­tionen (STI). Bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), aber zunehmend auch bei Frauen kann es zu rektalen Infektionen kommen, die häufig asymptomatisch verlaufen (oder für andere Darmerkran­kungen gehalten werden).

Wegen des hohen Risikos einer Übertragung wird zu einer konsequenten Behandlung geraten. Die einmalige Einnahme von Azithromycin (Dosis 1 Gramm) ist auch für Patienten, die wegen fehlender Symp­tome einer Behandlung zurückhaltend gegenüber stehen, eine attraktive Option. Es wird wird jedoch zunehmend bezweifelt, dass die Behandlung gleich gute Heilerfolge erzielt wie die Standardtherapie, die aus der Einnahme von 2 Tabletten Doxycyclin (à 100 mg) über 7 Tage besteht.

Ein Team um Jane Hocking von der Melbourne School of Population and Global Health hat beide Optio­nen erstmals in einer randomisierten klinischen Studie miteinander verglichen. An 5 STI-Behandlungs­zentren in Australien wurden 625 MSM, bei denen bei einer Routineuntersuchung eine asymptomatische rektale Infektion mit Chlamydia trachomatis entdeckt wurde, auf die beiden Therapien randomisiert. Der primäre Endpunkt war ein negativer PCR-Test auf rektale Chlamydien bei einer Kontrolle nach 4 Wochen.

In der Doxycyclingruppe nahmen 290 von 314 Patienten (92,4 %) an der Kontrolluntersuchung teil sowie 297 von 311 (95,5 %) in der Azithromycingruppe. Eine mikrobiologische Heilung wurde in der Doxycy­clin­gruppe bei 281 von 290 Männern (96,9 %) festgestellt gegenüber nur 227 von 297 Männern (76,4 %) in der Azithromycingruppe. Die adjustierte Risikodifferenz von 19,9 %-Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 14,6 bis 25,3 %-Punkten signifikant.

Die 1-wöchige Einnahme von Doxycyclin war nicht nur effektiver als die 1-malige Einnahme von Azithro­mycin. Sie erwies sich auch als besser verträglich. In der Azithromycingruppe gaben 45,1 % der Patienten Nebenwirkungen an, in der Doxycyclingruppe waren es nur 33,8 %.

Der Unterschied beruht vor allem auf häufigeren Durchfällen, die nach der Einnahme von Azithromycin von 39,7 % der Teilnehmer berichtet wurden gegenüber 25,5 % in der Doxycyclingruppe. Schwere Neben­wirkungen traten in beiden Gruppen nur bei 1 % der Teilnehmer auf.

Der Einwand, dass die 1-wöchige Therapie die Adhärenz vermindert, wurde in der Studie nicht bestätigt. Weniger als 3 % der Teilnehmer nahmen weniger als 10 Tabletten ein. Die Studienergebnisse sprechen deshalb nach Ansicht von Hocking klar für eine 1-wöchige Behandlung mit Doxycyclin.

© rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 9. August 2021, 17:28

Schöner "Dreckkfehler"

Chlamydienrok­titis statt -proktitis: Doxycyclin besser wirksam als Azithromycin - da "rockt" der Enddarm.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler
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