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Medizin

Studie: Herzversagen könnte Krebsrisiko erhöhen

Donnerstag, 5. August 2021

/ipopba, stock.adobe.com

Kiel – Menschen mit einer chronischen Herzinsuffizienz erkranken häufiger an Krebs. Dies kam in einer Fall-Kontrollstudie in ESC Heart Failure (2021; DOI: 10.1002/ehf2.13421) heraus. Ob die Herzschwäche die Ursache der Krebserkrankungen ist und welche Pathomechanismen sie auslösen, ist unklar.

Weltweit sind etwa 65 Millionen Menschen von einer Herzinsuffizienz betroffen. Die Behandlungs­ergebnisse haben sich verbessert und viele Patienten leben längere Zeit mit der Erkrankung. In jüngerer Zeit wurde beobachtet, dass auffallend viele Patienten im Verlauf ihrer Herzerkrankung auch an Krebs erkranken.

Ein Team um Christoph Roderburg vom Universitätsklinikum Düsseldorf hat hierzu die „Disease Analyser“-Datenbank der Firma IQVIA ausgewertet, die Angaben zu Diagnosen und Medikamentenverord­nungen von Patienten aus 1.274 Hausarztpraxen sammelt. Die Forscher stellten 100.124 Patienten mit einer Herzinsuffizienz der gleichen Anzahl von anderen Patienten gleichen Alters und Geschlechts ge­gen­über. In beiden Gruppen litten gleich viele Patienten unter Diabetes und Adipositas.

Tatsächlich zeigte sich, dass die Patienten mit einer Herzinsuffizienz in einem 10-Jahres-Zeitraum häufi­ger an Krebs erkrankt waren. Die Inzidenz betrug 25,7 % gegenüber 16,2 % in der Kontrollgruppe. Die Mediziner ermitteln eine Hazard Ratio von 1,76, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,71 bis 1,81 signifikant war. Frauen mit Herzinsuffizienz erkrankten häufiger an Krebs (28,6 %) als Männer (23,2 %). Die Hazard Ratios betrugen 1,85 (1,77 bis 1,92) für Frauen und 1,69 (1,63 bis 1,76) für Männer.

Der größte Risikoanstieg wurde für Lippen-, Mundhöhlen- und Rachenkrebs mit einer Hazard Ratio von 2,10 beobachtet, gefolgt von Krebs der Atemwege mit einer Hazard Ratio von 1,91. Die Hazard Ratios für andere Krebserkrankungen betrugen 1,86 für Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, 1,83 für Hautkrebs, 1,77 für Lymphome und Leukämien, 1,75 für Krebserkrankungen des Verdauungs­traktes, 1,67 für Brustkrebs, 1,64 für Krebserkrankungen des Urogenitaltraktes und 1,52 für Krebserkran­kun­gen der männlichen Geschlechtsorgane.

Die Gründe für die Häufung von Krebserkrankungen sind unklar. Bei Lippen-, Mundhöhlen- und Rachen­krebs könnte Rauchen ein gemeinsamer Risikofaktor sein, vermutet Prof. Roderburg. Auch Bewegungs­mangel, Diabetes und Übergewicht fördern sowohl die Entwicklung von Krebs- als auch von Herzerkran­kungen (wobei die Studie einen Einfluss von Diabetes und Übergewicht ausschließen kann).

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, dass die Herzinsuffizienz das Krebswachstum fördern könnte. Dies könnte durch Proteine wie Serpin A3 und A1, Fibronectin, Ceruloplasmin oder Paraoxonase geschehen, die bei der Herzinsuffizienz vermehrt freigesetzt werden und die laut Prof. Roderburg in Tierversuchen das Krebswachstum gefördert haben.

Auch die bei Herzerkrankungen erhöhten Konzentrationen des „Brain natriuretic Peptide“ (BNP) oder von Troponin T stehen in Verdacht, an der Entstehung von Krebserkrankungen beteiligt zu sein. Die Beweisl­age ist allerdings insgesamt schwach und die Studie ist methodisch nicht in der Lage, diese Vermutung zu prüfen, so dass es am Ende unklar bleibt, warum Patienten mit Herzinsuffizienz häufiger an Krebs erkranken. © rme/aerzteblatt.de

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