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Politik

Pflicht für Unternehmen endet: Kampf ums Homeoffice

Mittwoch, 30. Juni 2021

/fizkes, stock.adobe.com

München – Die Pflicht, Homeoffice anzubieten, endet – kommt jetzt das Recht darauf? Bayerns SPD-Chefin Ronja Endres will das Arbeiten von zu Hause dauerhaft sichern. „Wir brauchen eine Regelung, die Arbeitnehmern ein verbindliches Recht auf mobiles Arbeiten zusichert“, sagte sie in München.

Bei vielen Arbeitnehmern dürfte das gut ankommen: 90 Prozent wollen einer aktuellen Umfrage zufolge zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiten. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft wehrt sich indes gegen eine Verpflichtung der Arbeitgeber.

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Ein Recht auf mindestens 24 Tage Homeoffice pro Jahr fordert Endres, „im Idealfall sogar mehr“. Mit Freiwilligkeit werde man nicht weit kommen, ist sie überzeugt. „Gerade die Hochphase der Coronakrise mit ihren weiterhin gut gefüllten Büros hat gezeigt, dass beim Thema Homeoffice und mobiles Arbeiten viele Arbeitgeber noch große Vorbehalte haben.“

Dabei gehe es nicht nur um den berechtigten Anspruch, sich angesichts der neuen Delta-Variante schüt­zen zu wollen. „Homeoffice ist eine neue Lebensrealität geworden, dem sollten wir als Politik Rechnung tragen“, sagte die SPD-Vorsitzende. Sie könne nicht verstehen, warum die Union im Bund die Bemühun­gen der SPD für ein Recht auf Homeoffice nach wie vor torpediere.

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, ist ebenfalls für eine schnelle gesetzliche Nachfolgeregelung. „Wir müssen über die Pandemie hinaus die Chancen, die im mobilen Ar­beiten liegen, nutzen“, sagte Hoffmann heute im ZDF-Morgenmagazin. Es gebe „viel zu viele Unterneh­men“, die keine vernünftige Betriebsvereinbarung für ihre Beschäftigten umsetzen wollen.

Hoffmann widersprach Vorwürfen, eine Homeofficeregelung sei ein Bürokratiemonster für Arbeitgeber. Es müssten allerdings natürlich auch für im Homeoffice arbeitenden Menschen Regeln gelten, sagte er – et­wa, dass Arbeitszeiten erfasst werden und Beschäftigte nicht ständig erreichbar sein müssen.

Eine aktuelle Umfrage der Krankenkasse DAK Bayern zeigt bei einer großen Mehrheit der Arbeitnehmer den Wunsch, auch weiter zumindest teilweise von zu Hause aus zu arbeiten. 90 Prozent gaben demnach an, auch künftig mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit daheim ableisten zu wollen; 46 Prozent wollen höchstens zur Hälfte, zehn Prozent fast gar nicht mehr ins Büro zurück.

Auch 85 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass sich geeignete Aufgaben im Homeoffice genauso gut erledigen lassen wie im Büro. Sieben von zehn sehen sich sogar produktiver, und knapp zwei Drittel nehmen die Arbeit angenehmer wahr.

Ein Grund dafür: 85 Prozent können dank Heimarbeit Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren; 78 Prozent gewinnen durch den Wegfall des Arbeitsweges Zeit; und 72 Prozent genießen es, Aufgaben gezielter über den Tag verteilen und mit Freizeit kombinieren zu können.

Allerdings gibt es auch Nachteile: „Häufig verstärkt sich ein ungesunder Lebensstil“, sagte DAK-Landes­chefin Sophie Schwab. So bewegten sich zwei Drittel im Homeoffice weniger als sonst, nur jeder Zweite unterbreche langes Sitzen bewusst. Rückenleiden und Gewichtszunahmen seien die Folge. Schwab for­derte deshalb: „Da viele Beschäftigte auch nach Corona weniger im Büro arbeiten werden, müssen wir einen stärkeren Fokus auf die Gesundheit im Homeoffice legen.“

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) steht einem Recht auf Homeoffice kritisch gegenüber. „Die Entscheidung „Homeoffice oder nicht“ muss immer eine Entscheidung des Unternehmens sein, be­tonte der Verband jüngst. „Sie darf nicht staatlich angeordnet werden. Denn die Betriebe können selbst am besten beurteilen, welche Arbeiten im Homeoffice gemacht werden können und welche nicht.“ Die vbw befürchtet durch Homeoffice zudem Verluste bei Produktivität, Kreativität und Wettbewerbs­fähig­keit.

Allerdings gibt es in der bayerischen Wirtschaft auch Fans des Arbeitens von zu Hause aus: Der Siemens-Konzern beispielsweise hat bereits vor knapp einem Jahr beschlossen, für große Teile seiner weltweiten Belegschaft mobiles Arbeiten an zwei bis drei Tagen pro Woche zu ermöglichen. Unter anderem wollte das Unternehmen dadurch seine Mitarbeiter motivieren und im Kampf um Talente attraktiver werden.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach empfahl heute eine Fortsetzung des Homeoffice. „Jetzt ist ein erheblicher Teil der Menschen noch nicht oder nur einmal geimpft“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Situation sei „noch nicht ungefährlich“. „Dringend rate ich dazu, die Beschäftigten am Arbeitsplatz zwei Mal pro Woche zu testen, um Ausbrüche zu verhindern“.

Wo Homeoffice nicht möglich ist, rät Lauterbach zum regelmäßigen Lüften und Tragen von Masken. Auch Klimaanlagen seien gegen Ansteckungen hilfreich. „Wenn man die Wahl zwischen Klimaanlage und offe­nen Fenstern hat, dann sollte man die Fenster zum Lüften einsetzen – das hilft besser gegen Ansteckun­gen“, sagte Lauterbach. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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