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Medizin

SARS-CoV-2: 1. VITT-Fall nach Moderna-Impfstoff

Mittwoch, 30. Juni 2021

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Pittsburgh – In den USA ist es erstmals nach einer Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Moderna zu einer impfstoffinduzierten immunen thrombotischen Thrombozytopenie (VITT) gekommen, die bisher nur nach vektorbasierten Impfstoffen beobachtet wurde.

Der Fall wurde in den Annals of Internal Medicine (2021; DOI: 10.7326/L21-0244) vorgestellt. Dem Ver­nehmen nach sind in Großbritannien auch Ver­dachts­fälle nach der Gabe des mRNA-Impfstoffs Comirnaty von Biontech/Pfizer aufgetreten. Eine offizi­elle Bestätigung steht aus.

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Der 65-jährige Mann aus Pennsylvania war 10 Tage nach der 2. Impfdosis des Moderna-Impfstoffs wegen starker Beschwerden in den Beinen, intermittierenden Kopfschmerzen und Luftnot in eine Klinik des Allegheny Health Network in Pittsburgh aufgenommen worden. Nach Angaben von Swathi Sangli und Mitarbeitern wurde in einer CT-Angiographie des Thorax eine ausgedehnte bilaterale akute Lungenem­bo­lie entdeckt. In der Dopplersonographie werden tiefe Venenthrombosen in beiden unteren Extremitä­ten gefunden.

Der Patient hatte zudem eine schwere Thrombozytopenie (14 × 10 hoch 9 Zellen/l) und erfüllte damit die Falldefinition der Brighton Collaboration eines „Thrombosis with Thrombocytopenia Syndrome“ (TTS). Laboruntersuchungen zeigten einen Anstieg des D-Dimers und den Nachweis von Antikörpern gegen Thrombozytenfaktor 4/Polanion-Komplexe, womit auch die VITT-Kriterien der International Society on Thrombosis and Haemostasis erfüllt waren.

Die Ärzte implantierten einen Vena Cava-Filter und behandelten den Patienten hochdosiert mit intra­venösen Immunglobulinen sowie mit 40 mg Dexamethason. Auf eine therapeutische Antikoagulation wurde zunächst verzichtet. Später wurde er mit Bivalirudin behandelt, das nicht zu den Heparinen gehört. Der Patient hatte jedoch inzwischen eine Enzephalopathie entwickelt und verstarb wenig später an den Folgen eines septischen Schocks.

Der zeitliche Zusammenhang deutet auf die Impfung als Auslöser des TTS hin. Eine alternative Erklä­rung wäre eine spontane „autoimmune“ Variante einer heparininduzierten Thrombozytopenie (HIT), zu der es auch ohne vorherige Heparingabe kommen kann. Sie ist allerdings extrem selten und in der Literatur erst bei 33 Patienten beschrieben worden. Als Auslöser werden orthopädische Operationen diskutiert, die allerdings bei dem Patienten ebenso ausgeschlossen werden konnten wie eine frühere Heparingabe.

Bislang war die VITT nur nach der Gabe der vektorbasierten Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson beobachtet worden. Ob auch die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer betroffen sind, wird sich bei der Analyse der Meldungen an die UAW-Datenbanken zeigen.

Beverley Hunt vom King’s College London und Leiterin der Stiftung Thrombosis UK berichtete gegenüber dem Science Media Centre, dass dem „Yellow Card Scheme“ der Zulassungsbehörde MHRA 12 Verdachts­fälle zum Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer gemeldet wurden, die allerdings noch nicht bestätigt sind. Comirnaty war der erste Impfstoff in Großbritannien mit bisher mehr als 25 Millionen verimpften Dosen. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #736175
pasi
am Dienstag, 6. Juli 2021, 10:25

Lt PEI bereits 7 Sinusvenenthrombosen nach Comirnaty vor April




https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/sicherheitsberichte/sicherheitsbericht-27-12-bis-02-04-21.pdf?__blob=publicationFile&v=4
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