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Politik

COVID-19: IQWiG bestätigt Remdesivir beträchtlichen Zusatznutzen bei moderater Erkrankung

Donnerstag, 1. Juli 2021

/picture alliance, Gregor Macak Martin

Berlin – Patienten mit COVID-19, die noch keine High-Flow-Sauerstofftherapie benötigen, profitieren von einer Behandlung mit Remdesivir. Eine frühe Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaft­lichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zeigt, dass sie sich schneller erholen und das Sterberisiko sinkt. Hinweise, dass dies auch für schwerer Erkrankte gilt, gibt es dagegen nicht.

Seit Juli 2020 ist Remdesivir in Europa bedingt zugelassen zur Behandlung von COVID-19 bei Erwach­se­nen und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit einer Lungenentzündung, die zusätzlich Sauerstoff, aber keine invasive Beatmung benötigen.

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Der Wirkstoff wurde ursprünglich zur Behandlung von Infektionen mit dem Ebolavirus entwickelt. Zu Be­ginn der Coronapandemie war der Wirkstoff ein großer Hoffnungsträger gewesen: „Selten stand ein neu­er Wirkstoff so sehr im Fokus der weltweiten Öffentlichkeit wie Remdesivir zu Beginn der COVID-19-Pandemie“, sagte Thomas Kaiser, Leiter des IQWiG-Ressorts Arzneimittelbewertung.

Doch der Wirkstoff konnte die in ihn gesetzten Erwartungen in Studien nicht erfüllen. Später ergaben sich aber Hinweise darauf, dass Remdesivir abhängig vom Patientengut und dem Zeitpunkt des Einsatzes doch eine Wirkung entfalten könnte. „Entscheidend ist, die richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt mit dem Wirkstoff zu therapieren“, ergänzt Kaiser.

Das IQWiG hat nun untersucht, ob Remdesivir bei Patienten mit COVID-19 einen Zusatznutzen bietet – verglichen mit einer zweckmäßigen Vergleichstherapie, in diesem Fall eine Therapie nach ärztlicher Maßgabe.

Wirksam nur bei moderater Erkrankung

Das Institut kommt zu dem Fazit, dass es „bei moderat an COVID-19 erkrankten Erwachsenen mit einer Pneumonie, die bei Therapiebeginn ‚nur‘ eine Low-Flow-Sauerstofftherapie erhielten, einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Remdesivir gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie gibt“.

Für schwerer an COVID-19 erkrankte Erwachsene mit einer Pneumonie, die zu Therapiebeginn bereits mit einer High-Flow-Sauerstofftherapie oder einer anderen nicht invasiven Beatmung versorgt werden mussten, sei ein Zusatznutzen hingegen nicht belegt, heißt es in einer heute veröffentlichten Mitteilung.

Für an COVID-19 erkrankte Jugendliche lagen dem IQWiG zufolge keine Studiendaten vor. Da die Mortali­tätsrisiken bei dieser Erkrankung stark vom Alter abhingen, lasse sich die für Erwachsene beobachteten Ergebnisse der Nutzenbewertung nicht auf die Jugendlichen übertragen, sodass ein Zusatznutzen für diese Gruppe nicht belegt sei.

Bewertungsgrundlage waren drei randomisiert-kontrollierte Studien

Die Nutzenbewertung von Remdesivir beruht auf den Daten aus drei randomisiert-kontrollierten Studien mit 1.895 COVID-19-Erkrankten. Bewertet wurden Subgruppen mit 958 Patienten. Im Vergleichsarm wur­den die Patienten dabei jeweils mit den bis dato für eine Erkrankung wie COVID-19 verfügbaren Optio­nen behandelt.

Generell sei davon auszugehen, so das Institut, dass sich die Behandlung von hospitalisierten Patientin­nen und Patienten mit COVID-19 seit Beginn der Pandemie verbessert habe, etwa durch die Gabe von De­xamethason. Daher lasse sich die Behandlung von COVID-19 in den drei eingeschlossenen Studien nur eingeschränkt auf die heutige Versorgungssituation übertragen. Diese Unsicherheit sei bei der Aus­sagesicherheit der Ergebnisse berücksichtigt worden.

Für die Teilpopulation der an COVID-19 erkrankten Erwachsenen mit Pneumonie und Low-Flow-Sauer­stofftherapie bei Therapiebeginn zeigten sich in der Gesamtschau ganz überwiegend positive Effekte von Remdesivir im Vergleich zur Standardtherapie: Die Betroffenen hatten eine höhere Überlebenschance und sie erholten sich schneller.

Um mögliche Nebenwirkungen beurteilen zu können, lagen nicht ausreichend Daten vor. Die Experten des IQWiG gehen auf Basis der verfügbaren Informationen aber davon aus, dass „keine negativen Effekte in einem Ausmaß, welches einen Zusatznutzen infrage stellen könnte“ zu vermuten seien.

Für die Teilpopulation der an COVID-19 erkrankten Erwachsenen mit Pneumonie und High-Flow-Sauer­stofftherapie bei Therapiebeginn zeigten sich in der Gesamtschau dagegen weder positive noch negative Effekte für Remdesivir. Für diese Gruppe der schwerer erkrankten COVID-19-Patienten sei daher kein Zusatznutzen von Remdesivir gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableitbar, so das Institut. © nec/aerzteblatt.de

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