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Politik

E-Rezept: Pilotversuch gestartet, BSI und Gutachten geben grünes Licht

Donnerstag, 1. Juli 2021

/picture alliance, dpa

Berlin – Die Einführung des digitalen Rezeptes in Deutschland nimmt konkrete Formen an. Heute wurde die offizielle App für das elektronische Rezept (E-Rezept) in den App-Stores von Apple und Google zum kostenfreien Download bereit gestellt. Gleichzeitig startete ein Pilotversuch in Berlin und Brandenburg: Rund 50 Arztpraxen und 120 Apotheken werden das neue E-Rezept testen und bewerten.

Die App stammt von der Gematik, die mehrheitlich dem Bund gehört und für den Aufbau eines sicheren Gesundheitsdatennetzes, der sogenannten Telematikinfrastruktur (TI), verantwortlich ist.

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Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und die Gematik versprechen sich vom E-Rezept eine höhere Arzneimittelsicherheit für die Patienten, wenn alle eingenommenen Arzneimittel mit Blick auf Neben- und Wechselwirkungen kontinuierlich geprüft werden. Außerdem soll der gesamte Ablauf von der Verschreibung in den Arztpraxen über die Abholung durch den Patienten bis hin zur Abrechnung bei den Krankenkassen effizienter gestaltet werden.

Bis die ersten digitalen Rezepte ausgestellt werden, kann es allerdings noch einige Wochen dauern, denn in dem Pilotversuch in Berlin und Brandenburg simulieren zunächst ausgewählte Partner verschiedene Testszenarien. Damit soll das Zusammenspiel der verschiedenen Systeme unter realen Bedingungen un­tersucht und erprobt werden.

Das E-Rezept soll dann verpflichtend zum Januar 2022 verpflichtend für alle Praxen kommen. Bereits ein Quartal zuvor, zum Oktober 2021, ist die digitale Variante des „gelben Zettels“, also die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), vorgeschrieben.

„Im laufenden Quartal werden sukzessive immer mehr Praxen, Apotheken und Hersteller von Praxis- beziehungsweise Apothekenverwaltungssystemen in der Fokusregion in das System integriert werden und die Erkennt­nis­se ausgewertet werden“, sagte Florian Hartge von der Gematik. Die Testphase solle auch genutzt werden, um gemeinsam mit allen Beteiligten die Bekanntheit des E-Rezepts weiter zu steigern.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat dem System inzwischen eine Freigabe erteilt. Die Überprüfung habe „keine wesentlichen Mängel“ festgestellt, heißt es in dem Prüfbericht. Das BSI will den regulären Start ab 2022 allerdings nur erlauben, wenn die geforderten Auflagen umgesetzt werden.

So sollen die Nutzer in der App künftig gewarnt werden, wenn sie den Zugriff auf ihr Smart­phone nicht mit einem Code oder per Fingerabdruck schützen. Sie sollen außerdem eine Benachrich­tigung bei unge­wöhnlichen Anmeldeversuchen erhalten.

„Das E-Rezept ist ein echter Meilenstein in der Digitalisierung des Gesundheitswesens“, sagte BSI-Präsi­dent Arne Schönbohm. Es werde vielen Patienten das Leben erleichtern und ihnen viele beschwerliche Wege ersparen.

Die Frage der Sicherheit des E-Rezeptes und der App hat die Gematik auch von externen Gutachtern un­tersuchen lassen. Diese hätten bestätigt, „dass einer kontrollierten Inbetriebnahme in den Produktions­be­trieb nichts im Wege steht“ und die Anwendungen somit Teil der TI werden können, so die Gematik heute.

Holm Diening, Leiter Sicherheit bei der Gematik, wies darauf hin, dass man das Gutachten zur E-Rezept-App veröffentlichen werde, um Transparenz im Sinne der Vertrauensbildung herzustellen. Man habe auch bereits die Software der Gematik, die den Standard für den E-Rezept-Fachdienst vorgibt, als Open Source für jeden zugänglich veröffentlicht und laufend aktualisiert.

Die von der Gematik beauftragten Hersteller des Fachdienstes (IBM Deutschland) und des Identity Provi­ders (RISE) für das E-Rezept seien ebenfalls dazu verpflichtet worden, den gesamten Quellcode ihrer Pro­dukte zu veröffentlichen. „Die Entwicklung, die Einführung und auch die sicherheitstechnische Bewer­tung des E-Rezepts und der Gematik-App, die beide so viele Menschen im Alltag begleiten werden, sollen von A bis Z mit größtmöglicher Offenheit geteilt werden“, so Diening.

Mit dem E-Rezept-Pilotversuch startet auch die dritte Phase des großangelegten Digitalisierungsprojekts des deutschen Gesundheitswesens, die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA). Zum heuti­gen Stichtag (1. Juli) sollten alle Arztpraxen an die TI angeschlossen sein.

Nach Auskunft der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sind „nahezu alle Praxen der niederge­lassenen Ärzte und Psychotherapeuten“ an die TI angeschlossen, die einen sicheren und schnellen Da­tenaustausch im Gesundheitswesen ermöglichen soll.

Arztpraxen, die nicht an die TI angeschlossen sind, können künftig mit einem Honorarabzug bestraft werden. Die Sanktionen wurden aber vorerst ausgesetzt, da noch nicht alle gängigen IT-Systeme in den Praxen an die TI angedockt werden können. Die Zulassung für das entsprechende Upgrade beim letzten noch fehlenden maßgeblichen Anbieter erfolgt nach Angaben der Gematik „in wenigen Wochen“. © dpa/may/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #816333
Narkoleptiker1
am Freitag, 2. Juli 2021, 11:43

Apps ohne Ende

Was mich nervt ist, dass für alles separate Apps entwickelt werden, statt sich auf den Ausbau der ePA als zentrale Gesundheitsapp für die Patienten zu konzentrieren.
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