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Medizin

Migräne: Diät mit Omega-3-Fettsäuren senkt Kopfschmerz­häufigkeit in Studie

Mittwoch, 11. August 2021

/freshidea, stock.adobe.com

Baltimore/Maryland – 2 Diäten mit einem deutlich gesteigerten Anteil von Omega-3-Fettsäuren haben in einer randomisierten Studie bei Migränepatienten die Zahl der monatlichen Kopfschmerztage gesenkt und die Dauer der Episoden verkürzt. Ein Einfluss auf die Lebensqualität war laut der Publikation im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2021; DOI: 10.1136/bmj.n1448) jedoch nicht sicher nachweisbar.

Die Grundidee der Studie war, dass Omega-Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen und deshalb mit der Nahrung aufnehmen muss, für die Produktion von Oxylipinen verwendet werden. Als Oxylipine wird eine Reihe von oxygenierten mehrfach ungesättigten Fettsäuren bezeichnet, die an der Entstehung von Schmerzen beteiligt sind. Dazu gehören Prostaglandine oder Leukotriene, Resolvine und Maresine.

Einige Oxylipine, die aus Omega-6-Fettsäuren entstehen, sollen im Trigeminusnerven, dem eine zen­trale Rolle in der Pathogenese der Migräne zugeschrieben wird, Schmerzreize auslösen. Andere Oxylipine, die aus Omega-3-Fettsäuren gebildet werden, sollen eine antinozizeptive, sprich schmerz­hem­­mende Wir­kung haben.

Da alle Omega-Fettsäuren aus der Nahrung stammen, könnte eine Diät das Gleichgewicht der Oxylipine günstig beeinflussen und im besten Fall eine präventive Wirkung bei der Migräne haben. Nachdem ein Team um Douglas Mann von der University of North Carolina in Chapel Hill in einer Pilotstudie eine günstige Wirkung beobachtet hatte, wurde in Zusammenarbeit mit dem US-National Center for Complementary and Integrative Health in Bethesda eine randomisierte klinische Studie begonnen.

182 Migränepatienten (88 % weiblich; Durchschnittsalter 38 Jahre), die an 5-20 Tagen pro Monat unter Kopfschmerzattacken litten, erklärten sich bereit, über 16 Wochen eine von 3 Diäten einzuhalten. Die 1. Gruppe (H3-Diät) erhöhte den Anteil der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA auf 1,5 g/Tag bei einer normalen Aufnahme von Linolsäure, die zu den Omega-6-Fettsäuren gehört, von 7 % der täglichen Kalorien.

In der 2. Gruppe (H3-L6-Diät) betrug die Zufuhr von EPA und DHA ebenfalls 1,5 g/Tag, gleichzeitig wurde die Aufnahme von Linolsäure auf weniger als 1,8 % der Kalorien verringert. In der 3. Kontroll­gruppe war die Diät nicht mit EPA und DHA angereichert, und die Linolsäure lag bei etwa 7 % der Kalorienaufnahme. Alle Teilnehmer erhielten für die Dauer der Studie von 16 Wochen Essenspakete für etwa 2/3 der täg­lichen Kalorienzufuhr kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die primären Endpunkte der Studie waren einmal ein Anstieg der 17-Hydroxydocosahexaensäure (17-HDHA), einem Marker für die Bildung der antinozizeptiven Oxylipine. Der 2. primäre Endpunkt war der „Headache Impact Test“ (HIT-6), der 6 Fragen zu den Auswirkungen der Kopfschmerzen auf Arbeit, Privat­leben und soziale Kontakte stellt. Zu den sekundären Endpunkten gehörten die Häufigkeit und die Dauer der Kopfschmerzepisoden, die die Teilnehmer täglich in einem elektronischen Tagebuch notierten.

Wie Christopher Ramsden von der Lipid Peroxidation Unit der National Institutes of Health in Baltimore und Mitarbeiter berichten, erhöhten beide Interventionsdiäten die 17-HDHA-Konzentration im Blut. Daher ist davon auszugehen, dass die Teilnehmer die gestellten Nahrungsmittel auch verzehrt haben.

Die Antworten im HIT-6-Fragebogen zeigten eine leichte Verbesserung der Lebensqualität an. Der HIT-6-Score verbesserte sich unter der H3-Diät um 1,5 Punkte und in der H3-L6-Diät um 1,6 Punkte. Der Effekt lag im Bereich der minimalen relevanten klinischen Verbesserung, die im HIT-6 mit 1,5 Punkten ange­geben wird. Die Unterschiede zur Kontrollgruppe waren jedoch statistisch nicht signifikant, so dass die beiden Diäten ihr Ziel streng genommen nicht erreicht hatten.

Die Forscher ziehen dennoch eine positive Bilanz, da die Zahl und die Dauer der Kopfschmerzattacken abgenommen hat. In der Kontrollgruppe litten die Patienten weiterhin an im Durchschnitt 13,2 Tagen im Monat an Kopfschmerzen, in der H3-Gruppe waren es 2 Tage und und der H3-L6-Gruppe waren es sogar 4 Tage weniger. Die Unterschiede waren statistisch signifikant. Die Dauer der Kopfschmerzen war von 4,9 Stunden in der Kontrollgruppe auf 3,6 Stunden in der H3-Gruppe und 3,2 Stunden in der H3-L6-Gruppe zurückgegangen. Auch hier waren die Unterschiede signifikant.

Die Laboruntersuchungen zeigten, dass die beiden Diäten die gewünschten Auswirkungen auf die Kon­zen­tration der n-3- und n-6-Fettsäuren und einige ihrer nozizeptiven Oxylipinderivate in Plasma, Serum, Erythrozyten oder Immunzellen hatten. Die klassischen Kopfschmerzmediatoren Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) und Prostaglandin E2 veränderten sich jedoch nicht.

Die Studie belegt laut Ramsden biologisch plausibel, dass Migränekopfschmerzen durch eine gezielte Ernährungsumstellung beim Menschen behandelt werden können. Da es sich um eine randomisierte Doppelblindstudie handelt, könnten die Ergebnisse trotz des fehlenden Vorteils in einem primären End­punkt die Empfehlungen der Leitlinien beeinflussen.

Nach Ansicht von Rebecca Burch vom Brigham and Women's Hospital in Boston unterstützen die Ergeb­nisse die Empfehlung einer Omega-3-reichen Ernährung für Migränepatienten. Die Editorialistin räumt zwar ein, dass die Interpretation der Ergebnisse der Studie komplex sei, weist jedoch darauf hin, dass Studien mit kürzlich zugelassenen Medikamenten zur Migräneprävention ebenfalls nur eine Verrin­gerung der Kopfschmerztage um 2 bis 2,5 pro Monat erreicht hätten. Eine diätetische Intervention könnte demnach gleich gute, wenn nicht sogar bessere Ergebnisse erzielen. © rme/aerzteblatt.de

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