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Medizin

Onlinekalkulator sagt Überlebenszeit von Altersheimbewohnern (nicht sehr genau) voraus

Dienstag, 6. Juli 2021

/picture alliance, Sina Schuldt

Ottawa – Kanadische Forscher haben einen Onlinekalkulator veröffentlicht, mit dem sich die Lebenser­war­tung von älteren gebrechlichen Pflegeheimbewohnern besser abschätzen lassen soll. Die Grundlagen wurden in einer Studie im Canadian Medical Association Journal (2021; DOI: 10.1503/cmaj.200022) vorgestellt. Das Tool soll dem Personal und Angehörigen helfen, den richtigen Zeitpunkt für palliative Maßnahmen und die Sterbebegleitung zu finden.

Die wenigsten Menschen sterben unerwartet und unvorhersehbar. Häufig gehen dem Tod jahrelange chronische Erkrankungen voraus. In Kanada sind derzeit Krebs, Herzerkrankung und ein Schlaganfall für 55 % der Todesfälle verantwortlich. Für die 3 Erkrankungen gibt es bekannte Risikofaktoren. Auch De­menzen und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen führen erst viele Jahre nach der Diagnose zum Tod.

Dennoch kommt der Todeszeitpunkt in den meisten Fällen überraschend. In Kanada erhalten nur 40 % der verstorbenen Senioren im letzten Jahr vor ihrem Tod pflegerische Unterstützung, und nur 20 % würden im Jahr vor ihrem Tod von einem Hausarzt besucht, schreibt ein Team um Amy Hsu von Bruyère Research Institute in Ottawa. Offenbar würden viele Angehörige nicht mit dem nahenden Tod rechnen, obwohl dieser aus medizinischen Gründen absehbar sei.

Das Forscherteam hat deshalb einen Onlinekalkulator entwickelt, der die Prognose erleichtern soll. Die Grundlage bildeten die Daten von 435.009 Senioren im mittleren Alter von 79,6 Jahren, die zwischen 2007 und 2013 häusliche Pflege in Anspruch nahmen.

Dabei füllte das Pflegepersonal das „Resident Assessment Instrument for Home Care“ (RAI-HC) aus, das fast 400 Angaben zum betreuten Patienten enthält. Erfasst werden neben soziodemografischen Angaben die kognitiven und funktionellen Fähigkeiten des Pflegeheimbewohners, seine chronische Erkrankungen und Komorbiditäten, Anzeichen gesundheitlicher Gebrechlichkeit und Instabilität sowie die aktuelle Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung.

Diese Daten wurden dann mit dem bekannten Todeszeitpunkt in Beziehung gesetzt. Das größte Sterbe­risiko hatten mit einer Hazard Ratio (HR) von 3,22 (95-%-Konfidenzintervall 3,11 bis 3,33) Pflegeheim­bewohner, bei denen eine Erkrankung im Endstadium diagnostiziert worden war. Es folgten starke Einschränkungen im Alltagsleben: Ein Score von 6 auf der „ADL Hierarchy Scale“ war mit eine Hazard Ratio von 3,58 (3,42 bis 3,76) verbunden, bei einem IADL-Score von 6 betrug die Hazard Ratio 2,02 (1,92 bis 2,13).

Auch Krebserkrankungen, insbesondere wenn sie eine Chemotherapie erforderlich machten, erhöhten das baldige Sterberisiko (HR 3,34; 3,21-3,48), ebenso eine chronische Herzinsuffizienz (HR 1,35; 1,32-1,37), ein Nierenversagen oder eine Hämodialysebehandlung (HR 1,66; 1,58-1,74) oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) mit Sauerstofftherapie (HR 1,54; 1,50-1,58).

Der Risikokalkulator wurde in einer 2. Kohorte von 139.388 Senioren erfolgreich validiert. Ob RESPECT für die Pflegenden und die Angehörigen eine Hilfe sein kann, bleibt dennoch abzuwarten. Nur 1,3 % der Pflegebedürftigen starben innerhalb der ersten 6 Monate nach der RAI-HC-Einstufung. Für diese Zeit kann der Score kaum eine verlässliche Vorhersage machen.

Insgesamt erzielte RESPECT in der ROC-Kurve („receiver operating characteristic“), die Sensitivität und Spezifität kombiniert, einen AUC-Wert („under the curve“) von 0,753 (0,750-0,756). Die Bandbreite des AUC-Werts reicht von 0,5 für einen bloßen Zufall bis 1,0 für eine sichere Vorhersage. Ein Wert von 0,753 ist hier ein mittelmäßiges Ergebnis, so dass die Vorhersagen des Onlinekalkulators mit Zurückhaltung interpretiert werden müssen. © rme/aerzteblatt.de

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