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Ärzteschaft

Keine Herdenimmunität ohne Impfung von Kindern

Dienstag, 6. Juli 2021

/picture alliance, Frank Hoermann, SVEN SIMON

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie geht davon aus, dass eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 ohne die Impfung von Kindern und Jugendlichen nicht erreichbar ist.

„Klassischerweise geht man von einer Herdenimmunität aus, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung gegen den Erreger geschützt sind. Das setzt aber voraus, dass sich der Erreger in diesen Personen nicht vermehren kann“, sagte Vizepräsident Reinhold Förster den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Bei SARS-CoV-2 sei dies aber anders: Menschen könnten das Virus übertragen, obwohl sie selbst nicht erkrankt seien, obwohl sie geimpft und vollkommen symptomfrei seien. Mit der Delta-Variante habe sich die Situation verschärft.

„Sie ist deutlich ansteckender. Sie betrifft sehr stark Jugendliche und Kinder“, sagte Förster. „Solange diese Gruppe gar nicht oder wenig geimpft ist, werden wir keine Herdenimmuni­tät bekommen.“

Aus Sicht des Robert-Koch-Instituts sollten im Kampf gegen die Delta-Variante mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Menschen ab 60 Jahren vollständig geimpft sein. „Bei recht­zeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte 4. Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrschein­lich“, heißt es in einem Papier des RKI, das gestern veröffentlicht wurde.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat vorerst keine generelle Impfempfehlung für Kinder ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkran­kungen wie Adipositas.

Unabhängig davon sind Impfungen aber als individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärztinnen und Ärzten möglich. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impf­stoff. © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #883642
Laie@home
am Dienstag, 13. Juli 2021, 14:16

zu BB-DD

Ich werde es nun kurz und knackig (vielleicht sogar überzogen) formulieren : ich möchte nicht, dass unsere Kinder für einen gross angelegten Feldversuch im Rahmen der Delta-Variante "missbraucht" werden !
Die Infektiösität (eine geringere Menge an Viren reicht für eine Ansteckung mit Krankheitssymptome) ist bereits gestiegen - wollen wir wirklich, dass durch vermehrte Zirkulation (und somit Nährboden für gesteigerte Mutation) auch noch die Pathogenität steigt ? Selbst Virologen vermögen auch den weiteren "Selektionsdruck" und dessen Auswirkungen nicht wirklich vorherzusagen. Welchem Umstand ist es zu schulden, dass wir derzeit eine Virusvariante mit "nur" erhöhter Infektiösität vorwiegend nachweisen ? Verschiedene Coronaviren begleiten uns schon sehr lange als Auslöser eher harmloser Erkältungskrankheiten - dieses Virus besitzt aber bislang grösseres Potenzial (ausgehend als Zoonose betrachtet).
Mit weiteren geplanten Lockerungen (die wir schlussendlich alle, über sämtliche Generationen hinweg und auch ich) herbei sehnen, steigt das Risiko wieder, dass Mutationen, in welche Richtung auch immer, vermehrt stattfinden könnten.
Ich möchte nochmals betonen, dass eine Impfung stets freiwillig bleiben sollte, unter eigener Abwägung, gestützt auf fundiertes Wissen zu den jeweiligen Vor-und Nachteilen. Von einer (fast schon entmündigenden) Impf-Pflicht halte ich auch in anderen Bereichen nichts. Deshalb sollte die Entscheidung darüber weder staatlich "forciert", noch " verbaut" werden.
Dies soll nun auch mein letzter Kommentar zu diesem Thema sein, wohlwissentlich dass Ihnen, BB-DD, noch unzählige Gegenargumente einfallen werden. Schlussendlich darf das Ärzteblatt nicht zu einer Plattform für einen endlosenen, grundsätzlichen Schlagabtausch "mutieren" - hiefür bieten sich bestimmt bessere "Orte" an ... Beste Grüsse - und wer weiss ? Auf "Wiedersehen" ;-)
Avatar #883642
Laie@home
am Montag, 12. Juli 2021, 20:18

zu BB-DD

Ich finde ja, man darf auch mit Corona-Skeptiker und Impfgegner "geschmeidig" im Gespräch bleiben.....
Sie haben nun aus Ihrer Sicht das mögliche Szenario bei einer Corona-Impfung dargelegt. Nun klären Sie mich doch bitteschön mal auf, was bei einer möglichen Corona-Infektion zu erwarten wäre - worst case versteht sich ? Gibt es gar einzelne Parallelen bei den immunologischen Abläufen, die sich auch bei Infektion mit einem replizierenden Virus wiederfinden lassen ? Und hat die STIKO eine Einschränkung der Impfung für Frauen im gebärfähigen Alter ausgesprochen ?
Das "Syncytin-1-Märchen" wurde zu Jahresbeginn auch im Ärzteblatt widerlegt.
Bei Impfung meines Kindes geht es mir in erster Linie um einen möglichen Eigenschutz - dass Geimpfte ggf. weniger Viren im Falle einer Ansteckung "verteilen" ist ein positiver Nebeneffekt. Und wir werden wohl vorerst auch nicht um repetetives Pooltesting herum kommen, was im Rahmen von Spucktests auch nicht unzumutbar ist.
Bleiben wir gespannt, wie die STIKO die "sehnlichst erwarteten" Daten aus den USA bewerten wird.
Avatar #883642
Laie@home
am Montag, 12. Juli 2021, 14:27

Recht auf Impfung - auch für Kinder

Von welcher Art Impfstoff sprechen wir hier ? Zählt ein mRNA-Impfstoff nicht zu den Totimpfstoffen und werden nicht sogar Lebendimpfstoffe, wie z.B. die MMR-Impfung schon einige Jahre erfolgreich verabreicht ?
Ich verstehe einerseits die Zurückhaltung der StIKO bei der Impfempfehlung für Kinder, andereseits denkt man über eine grossangelegte Beschaffung von passgenaueren Kinder-Schutzmasken nach und sieht volle Fussballstadien ohne jegliches Schutzkonzept.
Mit Hinblick auf den wiederkehrenden Präsenzunterricht wünsche ich mir als Elternteil nicht nur ein Impfangebot für sogar <12 Jährige, sondern gleichzeitig auch eine Verbesserung des Lüftungskonzepts und Weiterführung von angepassten Hygienemassnahmen.
Die zusätzliche Impfung unserer Kinder ist nicht das Allheilmittel zur Bekämpfung der Pandemie - aber ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu ein bisschen mehr Normalität für Kinder und Jugendliche.
Sind Sie schonmal stundenlang mit Maske bei stetiger kalter Zugluft in einem Klassenzimmer gesessen ? Haben Sie selbst schon Sport im Freien mit Maske getrieben? Wie selbstständig konnten Sie den Schulstoff im Fernunterricht erarbeiten ?
Wie steht es um die Datenlage zu Long-Covid bei Kindern ?
Überall dort, wo Erwachsene oder Kinder unausweichlich und wiederkehrend in geschlossenen, ja beengten Räumen aufeinander treffen bin ich FÜR eine Impfung - und sei es bloss, um die Menge an Viren bei einer etwaigen Übertragung zu reduzieren.
Die Zeit der "Rubella-/Masern-Parties" ist ja wohl vorbei und grenzt meines Erachtens nach auch an Körperverletzung.
Kinder sollten aufgrund ihrer Entwicklungs- und Lebenssituation ebenfalls einen freien Zugang zur Corona-Impfung haben - sie tragen die einschneidenden Massnahmen sonst deutlich länger und füllen zunehmends die psychologischen Anlaufstellen.
Avatar #745246
Andre B.
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 10:06

@klresch - Unzureichende Datenauswertung für eine valide Beurteilung

Die angestellten Berechnungen und daraus abgeleiteten grafischen Darstellungen von "Destatis" sind ungeeignet, um überhaupt valide Aussagen bezüglich einer tatsächlichen Übersterblichkeit treffen zu können. Ich empfehle dazu die tiefergehenden und ständig aktualisierten Analysen des Institut für Statistik an der LMU München.

>>> https://www.covid19.statistik.uni-muenchen.de/newsletter/index.html & https://www.aerzteblatt.de/studieren/forum/139345/Studie-der-Muenchener-Universitaet-Keine-ausgepraegte-Uebersterblichkeit
Avatar #659853
klresch
am Mittwoch, 7. Juli 2021, 09:28

Si tacuisses, UdoSchlenz!

Mit Verlaub, UdoSchlenz,

Ihr Beitrag ist erstmal eine glatte Themaverfehlung an dieser Stelle. Hier geht es um das Impfen von Kindern, nicht um Übersterblichkeit in Pflegeheimen.

Trotzdem kann und möchte ich Ihre Einlassungen nicht einfach so stehen lassen:
Dass die Zeiten hoher Inzidenzen und hoher Todeszahlen in den ersten Monaten dieses Jahres (rki-Zahlen: gemeldete Todesfälle an/mit Corona März 2020 bis 8.12.2020: 19314, zwischen 8.12.20 und 30.3.21: 56567, ca. 98% davon im Alter über 60 Jahren) mit einer statistisch deutlichen Übersterblichkeit einhergingen, dazu sollten Sie nicht den AOK-Report zurechtbiegen, sondern einfach die entsprechenden Originaldaten anschauen: https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.html: ja, es gab im vergangenen Winter eine markante Übersterblichkeit, die sich erst jetzt langsam wieder normalisiert!

Ärgerlich, dass sich Falschinformationen etwa hundertmal besser verbreiten als die nüchterne Realität: Serra-Garcia M, Gneezy U. Nonreplicable publications are cited more than replicable ones. Sci Adv. 2021 May 21;7(21):eabd1705. PMID: 34020944

Das sollten Sie bedenken, wenn Sie selbst mal wieder Gefahr laufen, einer Falschmeldung aufzusitzen und das sollten Sie erst recht bedenken, wenn Sie in einer so ernsten Angelegenheit wie der aktuellen Pandemie das Bedürfnis empfinden, mal schnell aus der Hüfte schießen zu müssen!

Si tacuisses!
Avatar #865259
UdoSchlenz
am Dienstag, 6. Juli 2021, 20:09

..das Virus übertragen, obwohl sie geimpft und symptomfrei

Dieser eine folgende Satz von hoher Stelle ist den Beitrag wert, Zitat:

"Bei SARS-CoV-2 sei dies aber anders: Menschen könnten das Virus übertragen, obwohl sie selbst nicht erkrankt seien, obwohl sie geimpft und vollkommen symptomfrei seien."

Die mRNA und DNA-vektor-Impfungen bringen nichts oder weit weit weniger als man sich erhofft hat (sofern man an die Zulassungsstudien von Pfizer resp Moderna hatte glauben wollen).

Der AOK- Pflege-Report zeigt was in D gründlichst misslang bei der Unternehmung "Flatten the Curve".
Man hatte verkündet die gut 1 Mio Pflegeheimsenioren (sage gerundet 1,5% der Bevölkerung) schützen zu wollen, sogar "zu müssen" (also alternativlos), indem man Infektionen bei 98,5% der Bevölkerung strikt vermeidet, wofür probate Mittel wie Masken aller Art bereit stünden.
Ökonomen waren da sichtlich nicht gefragt, ansonst wäre womöglich wer auf die Idee gekommen es eher umgekehrt zu versuchen...
nunja, man hätte halt ab September 20 nur jede testen brauchen, die ins Heim hinein wollte, Personal wie Besucher.
Dazu 2x pro Woche Screenings der Bewohner mittels PCR-Pool-test,
oder TMA-Pool Test (ab November20 verfügbar soweit mir bekannt).
Wo nichts ist, kann nichts werden, gilt sogar fürs Virus.

Nun hab ich lange ausgeholt.
Dem AOK Bericht lässt sich entmehmen. daß ohne das Sterben in Pflegeheimen in D nichts an Exzess-Sterblichkeit zu bebachten gewesen wäre, das ganze Jahr 2020 nicht, zu keiner Zeit, und so wohl auch im Jan 21, wo weiterhin vornehmlich nur in und aus Seniorenheimen heraus gestorben wurde , nun auch gerne mit (Teil) Geimpften-Status.

Es gab und gibt kein anderes ernstliches statistisch signifikantes Problem als das Sterben in Pflegeheimen.

Alle anderen können leben grade so wie sie es mit Influenza und HCov und PIV und Rhino und noch so einigem, das noch gar keinen Entdecker gefunden hat, immer schon getan haben.

Also ohne Maske, ohne Impfung, oder auf Wunsch auch mit.

Sogar Hände schütteln mag wer wi
Avatar #833365
HartmutSteeb
am Dienstag, 6. Juli 2021, 19:53

Herdenimpfung - Impfung von Kindern

Eine Impfung zugunsten von Dritten darf nie erzwungen oder verordnet, aber auch nicht politisch emotionalem Druck "erbeten" werden. Ärztliche Handlung sind nur zum Wohl des Patienten erlaubt nicht für irgendwelche politischen Ziele, um so weniger, je mehr man das auch wissenschaftlich belegen kann. Die Frage einer Herdenimmunität ist spekulativ. Darum kann man den Politikern nur dringend raten, endlich den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Ärzte und Patienten/Klienten sollen über medizinische Maßnahmen entscheiden.
Avatar #659853
klresch
am Dienstag, 6. Juli 2021, 19:33

Wohl und Leben von Kindern und Jugendlichen als Pfand für die Herdenimmunität der Erwachsenen?

Die Stiko kann und darf nur dann eine positive Impfempfehlung aussprechen, wenn für die Betroffenen selbst der Nutzen der Impfung mutmaßlich höher ist als das Risiko. Das zeichnet sich derzeit (nur) bei Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen einigermaßen ab, weshalb die Stiko zurecht derzeit genau diese Einschränkung macht.

Für die 15,3 Millionen Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren in Deutschland ist bisher lediglich eine Kenngröße gesichert: seit Beginn der Pandemie sind maximal 5 Infizierte unter 20 Jahren an/mit Corona verstorben. Kein Mensch kann derzeit ruhigen Gewissens seine Hand dafür ins Feuer legen, dass die "Durchimpfung" von annähernd 15 Millionen Minderjähriger nicht von mehr tödlichen Impfkomplikationen begleitet wäre. Für eine ethisch verantwortbare Abwägung der jeweiligen nichttödlichen Risiken der Impfung bzw. der Infektion fehlen definitiv belastbare Zahlen.

Und deshalb: Solange die Risiken der Impfung nicht quantifiziert werden können, kann der Nutzen für die Minderjährigen nicht beurteilt werden. Vor allem nicht, da man ja weiß, dass die allermeisten Infektionen bei diesem Teil der Bevölkerung blande oder sogar asymptomatisch verlaufen.

Vor diesem Hintergrund jetzt Druck zu machen und eine Impfempfehlung für Kinder damit zu begründen, dass für die Erwachsenen nur so die Herdenimmunität möglich ist, ist zynisch und absolut inakzeptabel. Sie verstößt elementar gegen das ärztliche Berufsethos. Die Protagonisten einer solchen Denke in der Deutschen Gesellschaft für Immunologie sollten sich schämen!
Avatar #710751
DocAge
am Dienstag, 6. Juli 2021, 18:15

falscher Titel

ich mutmaße mal: eigtl. meint der Kollege doch, dass aufgrund der fehlenden sterilen Immunität eine Herdenimmunität nicht möglich wäre und daher eine Durchimpfung von 100% nötig wäre, damit mutmaßlich keiner mehr schwer erkrankt...auch wenn er es ohne Impfung nie wäre und das Risiko eines Impfschadens dtl. höher ist als das Risiko eines schweren Verlaufs. Warum verwendet man die Resourcen nicht dafür die Risikopatienten herauszufiltern und diese dann zu impfen?
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