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Max-Planck-Forscher empfehlen Fensterlüften und Ventilatoren für Schulen

Donnerstag, 8. Juli 2021

/picture alliance, Sebastian Gollnow

Mainz – Fensterlüften, ergänzt durch einfache technische Hilfsmittel wie Ventilatoren und Abzugshau­ben eignet sich sehr gut zum Schutz vor SARS-CoV-2-Infektionen durch Aerosolübertragung. Das gilt auch im Ver­gleich zu raumlufttechnischen Anlagen sowie zu filter- oder UV-strahlungsbasierten Luftreinigungs­geräten. Zudem sorgt das Fensterlüften auch für gute Raumluftqualität.

Das berichten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Chemie in Mainz. In einer Studie haben sie die Wirksamkeit verschiedener An­sätze zur infektionsschutzgerechten Lüftung beziehungsweise Luft­reinigung untersucht. Ihre Ergebnisse haben sie vorab auf dem Open Science Repositorium Zenodo ver­öffentlicht (DOI: 10.5281/zenodo.5070422). Die Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Zeit­schrift mit einem Review­verfahren steht noch aus.

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Die Forscher vergleichen in ihrer Arbeit ventilatorgestützte Fensterlüftungssysteme und normales Fens­terlüften (Stoß- und Dauerlüften) mit Lüftungs- und Luftreinigungsgeräten anhand von Kohlendioxid- und Aerosol­messungen und darauf aufbauenden Modellrechnungen für einen Unterrichtstag in einem typischen Klassenraum.

Besonders wirksam ist danach eine Kombination aus Quelllüftung, bei der Frischluft durch ein Fenster bodennah in den Raum einfließt, und verteilter Abluftabsaugung über potenziell infektiösen Personen. Dies sei zum Beispiel durch ein gekipptes Fenster hinter einem Vorhang oder Vorbau zu erreichen. Die warme Atemluft der Schüler steige nach oben, und ein Ventilator im oder vor dem Fenster befördere die Luft nach außen, so der Ansatz.

„Insgesamt zeigt der Vergleich, dass Fensterlüftungssysteme mit Abluftventilatoren nicht nur kosten­günstig und leicht realisierbar sind. Sie sorgen auch sehr effektiv für die Reinhaltung der Luft und wirken gegen die Aerosolübertragung von Infektionskrankheiten wie COVID-19 oder Influenza“, sagte Frank Helleis, Leiter der Instrumentenentwicklung am MPI für Chemie.

Die Rückgewinnung von Wärme oder Feuchte bringt nach seiner Auffassung weder energetisch noch für das Raumklima wesentliche Vorteile. „Es ist deutlich sinnvoller, Außenluft nach dem Quellluftprinzip durch die Fenster zuzuführen. Frischluft mit technischen Komponenten zu behandeln, erhöht den War­tungsaufwand und kann hygienische Probleme bereiten“, so der Wissenschaftler.

Die Mainzer Forscher empfehlen daher Abluftventilatoren in allen Klassenräumen, die noch nicht mit ähnlich wirksamen Hilfsmitteln ausgestattet seien – nicht nur zur Eindämmung der Pandemie, sondern auch allgemein zur Verbesserung der Luftqualität in Schulklassen.

Nach einer Studie der Universität Stuttgart ist die Wirkung mobiler Luftfilter in Klassenräumen zum Schutz gegen das Coronavirus begrenzt. Die Experten sprechen sich in ihrer Analyse im Auftrag der Stadt Stuttgart dagegen aus, solche Geräte für alle Schulen anzuschaffen.

In der Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es: „Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Pilotprojekt ist der flächendeckende Einsatz von Luftreinigungsgeräten nicht indiziert (angezeigt).“ In einzelnen Klassenräumen, die zu kleine oder zu wenige Fenster haben, sollte aber der Einsatz mobiler Geräte oder der Einbau stationärer Filter geplant werden.

Die Experten des Instituts für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung hatten für die Studie ein halbes Jahr lang an zehn Stuttgarter Schulen die Wirkung der Filter gemessen. Sie warnen nun, die Geräte seien kein Ersatz für das Stoßlüften in Pausen.

„Beim Einsatz von Luftreinigungsgeräten sollte generell beachtet werden, dass diese keine Alternative zu einem Außenluftwechsel darstellen, sondern lediglich als Unterstützung zur Partikel- und potenziellen Virenreduktion im Raum eingesetzt werden sollten.“

Zusammenfassend stellen die Fachleute fest, der Einsatz von Luftreinigungsgeräten könne nicht die anderen Schutzmaßnahmen wie das Maske tragen oder Testen zur Eindämmung der Infektionsausbrei­tung ersetzen. © hil/dpa/aerzteblatt.de

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