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Politik

Intensivbetten: 41 Krankenhäuser erhielten Förderung von mehr als zwei Millionen Euro

Freitag, 9. Juli 2021

/picture alliance Roland Weihrauch, Grafik DÄ

Berlin – Für den Aufbau von mehr Intensivkapazitäten in der Coronapandemie haben 41 Krankenhäuser in Deutschland jeweils mehr als zwei Millionen Euro Förderung bekommen. Bei einzelnen Häusern liegt es noch deutlich darüber: Spitzenreiter sind das Uniklinikum Schleswig-Holstein sowie das Klinikum Stuttgart mit einer Förderung von jeweils 11,7 Millionen Euro.

Auf den weiteren Plätzen folgten das Uniklinikum Heidelberg mit 8,2 Millionen Euro, die Klinik Bavaria Kreischa in Sachsen mit 6,5 Millionen Euro, sowie das Helios Klinikum Leipzig, das 6,35 Millionen Euro erhielt. Auch die Medizinische Hochschule Hannover bekam 4,3 Millionen Euro Fördergelder, ebenso das Uniklinikum Regensburg (4,2 Millionen) (siehe Grafik).

Auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes über die Verwendung der Gelder sowie den Aufbau von Intensiv­kapazitäten in dem derzeit viel diskutierten Zeitraum zwischen März 2020 und September 2020 antwor­te­ten die Hälfte der Häuser unter den ersten zehn geförderten.

Dazu zählt auch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Bei der Förderung liegt es mit 11,7 Millio­nen Euro an der Spitze. Nach Angaben aus Kiel gab es vor der Pandemie am Standort Kiel 90 In­tensivbetten, am Standort Lübeck 82.

Mit dem Aufbau der Intensivbetten wurden von den Fördermitteln 234 Betten angeschafft, davon gingen 113 an den Standort Kiel, 121 an den Standort Lübeck. Somit verfügte das Klinikum über insgesamt 406 Betten.

Davon werden nach Angaben der Pressestelle an beiden Standorten jeweils 120 betrieben, also in Kiel 30 und in Lübeck 38 mehr als vor der Pandemie. Das Klinikum gibt an, alle Betten betreiben zu können, „mit unseren trainierten freiwilligen Helferinnen und Helfern und unter Umsetzung des Pandemieplans auf Kosten elektiver Eingriffe“, wie es hieß.

Auf dem ersten Platz der Förderung ist mit 11,7 Millionen auch das Klinikum Stuttgart: Hier gab es vor der Pandemie 90 Betten, die „auf 115 regulär betreibbare Intensivbetten zum Jahresende 2020 gestei­gert“, wurden, wie es hieß. Dazu kam eine Notfallreserve von 209 Intensivbetten, „die bei Bedarf sehr kurzfristig in Betrieb genommen werden“ kann.

Der Aufbau der Betten mit Beatmungsmöglichkeiten erfolgte in mehreren Schritten, wie das Klinikum mitteilte. Der Aufbau konnte aber nur deshalb erfolgen, weil bereits ein Neubau mit 40.000 Quadratme­tern fast fertig gestellt war, in dem dann viele Intensivbetten in Betrieb genommen werden konnten.

Außerdem eröffnete das Klinikum ein zweites Gaslager zur Befüllung medizinischer Gasflaschen. Für den Betrieb der Betten seien am Klinikum Stuttgart mehr als 150 Ärztinnen und Ärzte in der Anästhesie so­wie Intensivmedizin beschäftigt, insgesamt seien über 1.000 Ärzte und 3.000 Pflegekräfte am Klinikum tätig. Unter vielen Mitarbeitern wurde zum Betrieb auch Fortbildungen für den Betrieb der Betten und die Nutzung der Geräte durchgeführt.

Auf Platz 3 liegt das Uniklinikum Heidelberg mit 8,2 Millionen Euro Förderung für zusätzliche Intensiv­ka­pa­zi­täten. Davon wurden 164 zusätzliche Betten „in Absprache mit dem Land Baden-Württemberg“ geschaffen. Auf Nachfrage erklärt das Klinikum, dass zu Jahresanfang 2020 228 Intensivbetten zur Verfü­gung gestanden hätten.

Ebenso sollte durch einen Neubau der Chirurgischen Klinik 14 Intensivplanbetten dazu kommen. Auch wenn diese Räumlichkeiten erst im Oktober 2020 bezogen werden konnte, standen die Flächen schon für die Versorgung von COVID-19-Patienten zur Verfügung, „eine glückliche Lage“, wie die Pressestelle schreibt. Somit konnten in dem Neubau bis Ende September 2020 dort 164 zusätzliche Intensivbetten ge­schaffen werden, die als Bettenreserve nicht im Landeskrankenhausplan enthalten sind.

Nach der offiziellen Eröffnung der neuen Räumlichkeiten Mitte Oktober 2020 seien nun diese zusätzli­chen Betten im Altbau der Chirurgie untergebracht worden. Die Uniklinik weist aber darauf hin, dass die Mittel für den Aufbau der 164 zusätzliche Betten „erst im September 2020 nach dem alle Vorrausetzun­gen erfüllt waren“ beantragt worden sind. Im Oktober wurde der Bescheid von der Landesregierung be­willigt.

Auf Platz 6 ist das Uniklinikum Halle mit 6,0 Millionen Euro an Fördergeldern. „In enger Abstimmung mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt“ wurden damit 120 Intensivbetten „als Katastrophenvorsorge technisch und räumlich ertüchtigt“, heißt es auf Nachfrage.

Das Personal, das durch die freigewordenen elektiven OP-Kapazitäten zum Teil in einem „dreimonatigen Rotations- und Ausbildungsprogramm auf eine notfallmäßige Versorgung“ vorbereitet worden sei, hätte die dann 173 Patienten in einem Intensivbett im „Fall einer katastrophenmedizinischen Notsituation“ betreuen können, schreibt die Uniklinik.

Auf Platz 8 in der Liste findet sich das Uniklinikum Leipzig. Dort wurden für die 4,56 Millionen Euro 93 zusätzliche Intensivbetten geschaffen. Zuvor hatte die Uniklinik 106 Betten auf den Intensivstationen. Auch in Leipzig wurden für die zusätzlichen Betten im Bau befindliche Gebäude sowie andere Räume von Stationen genutzt.

Die nun 199 Betten können im Katastrophenfall betrieben werden, heißt es. Dafür sei ein Personalkon­zept entwickelt worden: Zu Beginn des März 2020 arbeiteten 331 Pflegekräfte und 110 Ärztinnen und Ärzte auf den Intensivstationen. Danach folgten weitere Qualifizierungen oder Auffrischungskurse. So konnten 70 Ärzte sowie etwa 60 weitere ärztliche Mitarbeiter aus der Anästhesie in den Personalplan aufgenommen werden, erklärt die Pressestelle.

Auf Platz 9 ist die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Hier gab es vor der Pandemie 136 Highcare-ICU-Betten. Mit den Fördermitteln von 4,3 Millionen Euro wurden 86 Betten für den Katastrophenfall angeschafft. Aktuell würden insgesamt in der MHH 116 Betten betrieben. „Limitierender Faktor sind die Intensivpflegekräfte", heißt es aus der Pressestelle. Aber: Unter Katastrophenszenarien sowie mit der Schulung von Mitarbeitenden aus anderen Bereichen „hätten wir alle Intensivbetten unter den Bedingungen betreiben können", so die MHH.

Der Helios Krankenhauskonzern, der mit der Helios Klinik Leipzig mit einer Förderung von 6,35 Millionen Euro auf Platz 5 sowie der Klinik Berlin-Buch mit 5,5 Millionen Euro auf Platz 7 auftaucht, gibt in einem umfangreichen Faktenblatt an, für die Klinik in Leipzig damit 127 zusätzliche Intensivbetten geschaffen zu haben und in Berlin-Buch 110.

Insgesamt wurde an den 60 Helios-Standorten deutschlandweit 1.334 Intensivbetten geschaffen – das entspricht einer Förderungssumme von 66,7 Millionen Euro, rund einem Zehntel der bundesweiten Ge­samtförderung. Diese beträgt laut Bundesamt für Soziale Sicherung derzeit 686,1 Millionen Euro.

Insgesamt erhielten einer vorläufigen Liste des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zufolge 732 Krankenhäuser in Deutschland Fördermittel für den Aufbau von zusätzlichen intensivmedizinischen Be­handlungskapazitäten mit maschineller Beatmungsmöglichkeit im Gesamtzeitraum (12. - 40. KW). © bee/may/aerzteblatt.de

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