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Politik

Lange Wartezeiten bei Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig-Holstein

Donnerstag, 8. Juli 2021

/Roman, stock.adobe.com

Kiel – Kinder und Jugendliche müssen auf eine psychiatrische Behandlung in einer Klinik in Schleswig-Holstein oft lange warten. Wie aus der Antwort des Gesundheitsministeriums (BMG) auf eine Kleine An­frage der SPD-Landtagsabgeordneten Heiner Dunckel und Bernd Heinemann hervorgeht, beträgt die Wartezeit für eine tagesklinische Versorgung häufig sechs Monate.

Im Westküstenklinikum Heide sind es zwei bis drei Monate, in der Vorwerker Fachklinik Lübeck bis zu zwölf Monate. Die Angaben beziehen sich auf Juni 2020. Nur für das Klinikum Itzehoe wurde keine War­te­zeit angegeben. Für den stationären Bereich lassen sich dem Ministerium zufolge keine Wartezeit nennen, da diese sehr stark schwankten. Notfälle würden sofort aufgenommen.

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„Die Antwort zu unserer Kleinen Anfrage macht deutlich, dass der Bedarf psychischer und psychiatrischer Behandlungen schon ohne eine umfassende psychische und psychiatrische Coronaanalyse bei Kindern und Jugendlichen erheblich ist“, kommentierte der SPD-Politiker Heinemann. „Wartezeiten von sechs Monaten und mehr sind schon bisher an der Tagesordnung.“ Aktuelle Belastungen infolge der Pandemie nähmen zu und wirkten sich erst nach und nach aus.

In Schleswig-Holstein bieten dem Ministerium zufolge fünf Kliniken beziehungsweise Fachabteilungen eine stationäre Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie an. Darüber hinaus gebe es vier Tages­kliniken für diesen Bereich an allgemeinversorgenden Krankenhäusern ohne stationäres Angebot. Die Zahl der stationären Behandlungsplätze sei seit 2016 um sieben Prozent von 244 auf 261 Betten gestie­gen. Die Zahl der teilstationären Plätze habe sich um 17 Prozent auf 196 erhöht.

Offen ist für das Ministerium noch, inwieweit die Pandemie den Bedarf verändert. „Seriöse Abschätz­un­gen, die Grundlage für krankenhausplanerische Aktivitäten sein könnten, liegen derzeit noch nicht vor“, heißt es dazu.

„Es ist jedoch davon auszugehen, dass nicht jede Störung, die sich in oder durch die Coronapandemie entwickelt hat, psychiatrisch behandlungsbedürftig ist.“ Dennoch sollen Kapazitäten ausgebaut werden. Neue Stationen beziehungsweise Plätze sind unter anderem in Kiel, Lübeck, Itzehoe und Neumünster geplant.

Aus Ministeriumssicht ist der Umgang mit potenziell traumatisierten Kindern und Jugendlichen an der Schnittstelle von stationärer Jugendhilfe und stationärer Psychiatrie nicht befriedigend geregelt. Im­­mer wieder würden „schwierige“ Kinder und Jugendliche von ihren Betreuungseinrichtungen in Psychiatrien „abgegeben“, weil die Betreuer mit ihnen nicht mehr zurechtkämen.

Die Psychiatrien diagnostizierten dann häufig keine stationär zu behandelnde Erkrankung, so dass die Kinder und Jugendlichen nach kurzem Aufenthalt wieder zurück in die Einrichtungen kämen. Ein Projekt mit vier Krankenhäusern solle diesem „Drehtüreffekt“ begegnen und unnötige Einweisungen in die stationäre Psychiatrie vermeiden. © dpa/aerzteblatt.de

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