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Medizin

Studie: Viele HIV-Patienten haben auch ohne Risikofaktoren koronare Läsionen

Dienstag, 17. August 2021

CT-Angiografie /samunella, stock.adobe.com

Boston – Die Hälfte aller HIV-Infizierten hatte bereits zu Beginn einer Studie, die den Nutzen einer Statinbehandlung zur Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht, ausgedehnte Läsionen in den Koronararterien, die die Forscher in JAMA Network Open (2021: DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.14923) mit erhöhten Entzündungsparametern in Verbindung bringen.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass viele HIV-Infizierte früher als andere Menschen eine Athero­sklerose entwickeln. Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) untersucht deshalb seit 2015 in einer randomisierten Studie die primärpräventive Wirkung von Pitavastatin. An der REPRIEVE-Studie nehmen an mehr als 100 Zentren in 12 Ländern (ohne deutsche Beteiligung) 7.770 Patienten teil, deren Virusreplikation unter einer antiretroviralen Therapie unter Kontrolle war.

Da es sich um eine Studie zur Primärprävention handelt, sahen die Einschlusskriterien vor, dass die HIV-Infizierten noch keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben durften. Es gab zudem klare Obergrenzen für LDL-Cholesterin und Triglyzeride.

An einigen US-Zentren wurden die Teilnehmer vor Beginn der Studie eingeladen, den Zustand ihrer Koronararterien mit einer Computertomografie (CT) überprüfen zu lassen: Moderne CT-Geräte sind heute in der Lage, koronare Plaques sichtbar zu machen. Die Aufnahmen sind zwar längst nicht so detailliert wie bei einer invasiven Koronarangiografie, sie ermöglichen es aber, die Ausdehnung der atheroskle­rotischen Läsionen abzuschätzen.

Die Aufnahmen, die bei 755 Teilnehmern durchgeführt wurden, haben das Team um Steven Grinspoon vom Massachusetts General Hospital in Boston unangenehm überrascht. Obwohl die HIV-Infizierten mit 51 Jahren einen relativ niedrigen ASCVD-Score („atherosclerotic cardiovascular disease“) von im Mittel 4,5 % hatten (er gibt das geschätzte Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung in den nächsten 10 Jahren an), hatten viele bereits atherosklerotische Plaques in den Koronararterien.

Bei 368 HIV-Infizierten (49 %) wurde in der CT-Angiografie mindestens 1 Läsion gesichtet. Auch 52 von 175 Teilnehmern (30 %) mit einem ASCVD-Risiko von weniger als 2,5 % waren bereits betroffen. Klinisch relevante Stenosen von mehr als 50 % wurden zwar nur bei 25 Teilnehmern (3 %) gefunden. Insgesamt 172 von 755 HIV-Infizierten (23 %) hatten jedoch einen Leaman-Score von über 5, der einen „vulne­rablen“ Zustand der Koronararterien anzeigt.

Angesichts der weitgehend fehlenden klassischen Risikofaktoren, die sich in dem niedrigen ASCVD-Score zeigten, ist die Ausdehnung der Koronarsklerose erstaunlich. Die Ursachen der frühzeitigen Plaque­bildung sind unklar.

Grinspoon vermutet jedoch, dass eine erhöhte Entzündungsreaktion durch die HIV-Infektion (trotz guter antiretroviraler Behandlung) der Auslöser ist. Dies lässt sich zwar in einer Querschnittstudie nicht bele­gen. Auffällig war laut Grinspoon jedoch, dass viele Teilnehmer mit ausgedehnter Plaquebildung in den Koronarien erhöhte Werte von Interleukin 6 oder der Lipoprotein-assoziierten Phospholipase A2 (Lp-PLA2) hatten. Interleukin 6 zeigt eine vermehrte Aktivität des Immunsystems an, Lp-PLA2 ist ein spezifi­scher Marker für die Gefäßentzündung.

Beides könnte plausibel erklären, warum HIV-Infizierte ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko haben, auch wenn die klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes fehlen. Die Ergebnisse der REPRIEVE-Studie, die für 2023 erwartet werden, sollen jetzt zeigen, ob eine Statinbehandlung die HIV-Infizierten vor den drohenden koronaren Ereignissen schützen kann. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #967107
Köfer
am Mittwoch, 18. August 2021, 13:52

Es gibt keine HIV-Infizierten ohne zumindest

einen Arteriosklerose-Risikofaktor. Der Name dieses Risikofaktors: Medikation. Bei Medikamenten handelt es sich in den meisten Fällen um körperfremde Stoffe. Zur Beseitigung körperfremder Stoffe wird für gewöhnlich Vitamin C eingesetzt. Das bedeutet, dass für andere Aufgaben weniger Vitamin C zur Verfügung steht. Bei einer diesen Aufgaben handelt es sich um die Aufrechterhaltung der Festigkeit der Gefäßgewebe. Geht deren Festigkeit verloren, kommt es zu Läsionen an den Gefäßgeweben. Es ist nicht so wie vielfach angenommen wird, nämlich dass die Zerstörung am Gefäßendothel seinen Ausgang nehme. Die Läsionen am Gefäßendothel sind die Folge von Gewebsbrüchen in jener Zone der Gefäßwand, in welche die Kollagenfasern „eingewoben“ sind und die für deren Festigkeit verantwortlich ist. Zur Herstellung von Kollagen ist bekanntlich Vitamin C unverzichtbar.
Die Liste der Arteriosklerose-Risikofaktoren ist also durch das Item „Medikamente“ zu erweitern >>> https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2014/daz-15-2014/die-mikronaehrstoff-raeuber
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