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Medizin

SARS-CoV-2: Fitnesstracker erkennen Long COVID

Donnerstag, 8. Juli 2021

/georgerudy, stock.adobe.com

La Jolla/Kalifornien – Die Fitnesstracker, die mittlerweile viele Erwachsene Tag und Nacht tragen, können genutzt werden, um die durchschnittliche Dauer von Erkrankungen zu ermitteln. In einer US-Studie in JAMA Network Open (2021; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.15959) kam heraus, dass die Herz­frequenz bei COVID-19-Patienten über 2 bis 3 Monate erhöht bleibt, während Schlaf und körperliche Aktivität sich schneller normalisieren. Neu ist der Nachweis einer relativen Bradykardie, zu der es in der Akutphase der Erkrankung kommen kann.

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In den USA trägt bereits jeder 4. Erwachsene einen Fitnesstracker wie Fitbit, Apple Watch, Garmin, Amazefit, OURA oder Beddit. Die Armbänder übertragen ihre Daten auf das Smartphone, von wo aus sie an das Scripps Research Translational Institute in La Jolla/Kalifornien weitergeleitet werden, wenn die Anwender die DETECT-App des Instituts aus dem App-Store geladen haben.

Vom 25. März 2020 bis 24. Januar 2021 haben 37.146 US-Amerikaner ihre Daten übermittelt. Darunter waren auch 827 Personen, die der App mitgeteilt hatten, dass sie sich wegen einer akuten Atemwegs­erkrankung auf SARS-CoV-2 testen ließen. Bei 234 Teilnehmern fiel der Test positiv aus.

Jennifer Radin und Mitarbeiter vom Scripps Institute haben die Daten ausgewertet. Zunächst einmal hatte COVID-19 deutlich stärkere Auswirkungen auf die von den Fitnesstrackern gemessenen Körper­funktionen als eine einfache Erkältung.

In der akuten Phase kam es zu einem Anstieg der Herzfrequenz und der Schlafdauer, während die täg­liche Schrittzahl abnahm. Eine Besonderheit von COVID-19 im Vergleich zu anderen Atemwegserkran­kungen war eine vorübergehende „Bradykardie“, ein leichter Rückgang der Schlagzahl, der bereits ande­ren Forschern aufgefallen war und dessen Bedeutung weiter unklar ist.

Die Verlangsamung der Herzfrequenz um wenige Schläge pro Minute trat bei den Patienten etwa zwischen dem 9. und 15. Tag der Erkrankung auf. Danach stieg die Herzfrequenz wieder an. Der Puls der COVID-19-Patienten blieb über durchschnittlich 79 Tage über den Werten vor der Erkrankung, was Radin als einen Hinweis auf ein Long COVID deutet.

Bei den meisten Patienten lag der Puls nur 1 bis 5 Schläge über der Frequenz vor der Erkrankung und damit weit von einer klinisch relevanten Tachykardie entfernt. Nur bei 32 Patienten nahm die Schlagzahl des Herzens um mehr als 5 pro Minute zu. Diese Patienten benötigten im Mittel 133 Tage, bis sich ihr Herz wieder vollständig beruhigt hatte. Diese Patienten hatten in der Akutphase der Erkrankung häufiger Husten, Körperschmerzen und Atemnot angegeben.

Schneller als die Herzfrequenz hatten sich das Schlafverhalten und die körperliche Aktivität normalisiert. Die Schlafdauer hatte nach 24 Tagen und die Schrittzahl nach 32 Tagen die Vor-COVID-19-Werte erreicht.

In einer früheren Studie in Nature Medicine (2021; DOI: 10.1038/s41591-020-1123-x) hatten die For­scher zeigen können, dass die Daten aus dem Fitnesstracker eine Verdachtsdiagnose von COVID-19 erleichtern können. Allein aufgrund der Symptome konnte die Diagnose mit einem AUC-Wert („area under the curve“) von 0,71 auf der ROC-Kurve („receiver operating characteristic“) vorhergesagt werden.

Mit den zusätzlichen Daten aus dem Fitnesstracker stieg die „Trefferrate“ auf 0,80. Die ROC-Kurve kombi­niert Sensitivität und Spezifität. Ein AUC-Wert von 0,5 ist ein reiner Zufall, bei einem Wert von 1,0 gelingt die Diagnose in jedem Fall. © rme/aerzteblatt.de

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