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Politik

Deutlich weniger Prüfungen von Krankenhaus­abrechnungen

Donnerstag, 8. Juli 2021

/mrmohock, stock.adobe.com

Berlin – Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) hat im vergangenen Jahr mehr als eine Million Abrechnungen der Krankenhäuser weniger geprüft als im Jahr davor. Es seien 1,9 Millionen Kran­ken­hausabrechnungen geprüft worden, ein Drittel weniger als die 3,04 Millionen Prüfungen im Jahr 2019, teilte der MDK heute in Berlin mit.

Grund war demnach das wegen der Coronapandemie verabschiedete Krankenhausentlastungsgesetz, durch das Krankenhäuser von Bürokratie entlastet werden sollten. Krankenkassen hatten zuletzt beklagt, dass nun weniger Abrechnungen geprüft werden können. Von den geprüften Rechnungen sei jede zweite Abrechnung beanstandet worden, hieß es auf einer Pressekonferenz. Allerdings betonten Vertreter der Dienste, dass der Großteil der Rechnungen richtig gewesen sei.

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Zu den Aufgaben des Medizinischen Dienstes gehört auch die Begutachtung von Pflegebedürftigen und die Feststellung eines Pflegerades. Trotz der Pandemie seien knapp 2,8 Millionen Empfehlungen abge­geben worden, nach 2,6 Millionen im Jahr davor. Davon seien 2,3 Millionen Gutachten zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit gewesen, 200.000 mehr als im Jahr 2019.

Ab dem Lockdown im März vergangenen Jahres seien die Gutachten über strukturierte Telefoninterviews und auf Grundlage vorliegender schriftlicher Unterlagen erfolgt. 63,5 Prozent der Pflegebegutachtungen wurden telefonisch, 21,6 Prozent weiterhin persönlich sowie 14,9 nach Aktenlage vorgenommen. Ob künftig auch Begutachtun­gen per Video stattfinden können, sei noch ein datenschutzrechtliches Problem, erklärten die Vertreter des Medizinischen Dienstes. Aber es sei definitiv ein Zukunftsthema, sofern Videoübertragungen daten­schutzkonform und entsprechende Endgeräte vorhanden seien.

Erheblich eingeschränkt seien die Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen gewesen, weil die Regelprüfun­gen für acht Monate ausgesetzt wurden. Daher seien nur 6.600 Pflegeeinrichtungen geprüft worden, nach 24.500 Prüfungen 2019. Mittlerweile gebe es wieder flächendeckende Prüfungen. Die Prüfungen seien aber auch von den Heimen vermisst worden, da bei den Prüfungen seit Jahren der konstruktive Dialog gelebt und entsprechende Hinweise für Verbesserungen diskutiert werden, beschrieben es die Vertreter des Dienstes.

In der Coronapandemie seien bis zu 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes an vielen Unterstützungseinsätzen beteiligt gewesen. Dazu gehören Abstrich­zentren für Coronatests, Beratungen bei Pflegeeinrichtungen und der Katastrophenhilfe, bei der Kontakt­nachver­fol­­gung in den jeweiligen Gesundheitsämtern sowie in der Koordination von Rettungsdiensten.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hat in den vergangenen Monaten auch einen internen Umstrukturierungsprozess hinter sich: Mit dem MDK-Reformgesetz von 2019 soll der Dienst in seiner Unabhängigkeit von den Krankenkassen gestärkt werden. So wurde zum einen der Name in „Medizi­ni­scher Dienst (MD)“ umbenannt und ist seit Juli 2021 als eigenständige Körperschaft des öffentliches Recht organisiert.

Damit wird auch organisatorisch die Nähe zu den Krankenkassen abgeschafft, da der neue MD nicht mehr als Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen organisiert ist. Dafür wurde beispielsweise der ehren­amtliche Verwaltungsrat erweitert: Von den 23 Mitgliedern werden 16 von den Krankenkassen bestimmt, die aber nicht hauptamtlich bei Krankenkassen oder deren Verbänden arbeiten dürfen. Ebenso bekom­men fünf Vertreterinnen und Vertreter von Patienten- und Verbraucherschutzverbänden einen Platz im Verwaltungsrat und sind mit Stimmrecht ausgestattet. Auch zwei Vertreter aus der Pflege und den Landesärztekammern sind dabei, allerdings ohne Stimmrecht.

Auch der Bundesverband wird ab Ende 2021 als „Medizinischer Dienst Bund“ geführt – und ist nicht mehr Teil des GKV-Spitzenverbandes. Ab 2022 sind die 15 Dienste auf Landesebene die Trägerorgani­sation des Bundesverbandes. Zu den Aufgaben des „MD Bund“ gehört auch weiterhin die Beratung des GKV-Spitzenverbandes in medizinischen und pflegerischen Fragen sowie die Koordinierung der regiona­len Dienste.

„Es kommt jetzt darauf an, dass der Medizinische Dienst seine Rolle als kompetenter und verlässlicher Berater der Kranken- und Pflegeversicherung weiterhin unabhängig wahrnimmt und durch transparentes Handeln auch bei den Betroffenen gute Akzeptanz findet“, sagte Stefan Gronemeyer, Geschäftsführer des MD.

Einen Umzug der Hauptgeschäftsstelle des Bundesverbandes von derzeit Essen nach Berlin sei aber nicht geplant, betonten die Vertreter der Medizinischen Dienste. Dies sei zwar einmal angedacht, aber als „wirtschaftlich unverhältnismäßig“ wieder verworfen worden. © bee/afp/aerzteblatt.de

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