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Medizin

Studie: Geimpfte und Rekonvaleszente vor Delta und Kappa geschützt

Freitag, 9. Juli 2021

/jarun011, stock.adobe.com

Atlanta – Die beiden indischen SARS-CoV-2-Varianten Delta (B.1.617.2) und Kappa (B.1.617.1) haben in einem Labortest zwar die neutralisierende Wirkung des Serums von rekonvaleszenten oder mit mRNA-Impfstoffen geimpften Personen abgeschwächt. Ein völliger Verlust der Abwehr war nach den jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMc2107799) vorgestellten Ergebnissen jedoch nicht erkennbar.

Die Variante Delta hat sich in den vergangenen Wochen in Europa stark ausgebreitet und die Furcht vor einer erneuten Krankheitswelle geschürt. Bisher ist unklar, ob es bei einem Anstieg der Infektionen bleibt oder ob mit vermehrten Erkrankungen und Todesfällen zu rechnen ist. Labortests können die weitere Entwicklung der Epidemie nicht vorhersagen, sie liefern jedoch Hinweise auf die allgemeine Abwehrlage in der Bevölkerung.

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Ein Team um Mehul Suthar von der Emory University School of Medicine gibt sich in seinem Beitrag optimistisch. Die Schutzwirkung einer früheren Infektion mit dem Wildtyp oder einer Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer sei zwar abgeschwächt. Nur wenige Rekonvales­zenten und kein einziger durchgeimpfter Proband war in der Studie jedoch völlig wehrlos gegen die beiden neuen Virusvarianten, die zuerst in Indien beobachtet wurden.

Die Forscher führten ihre Neutralisationstests nicht, wie vielerorts üblich, mit Laborviren durch (die mit dem Spikeprotein von SARS-CoV-2 bespickt sind), sondern mit echten Viren. Die Variante Kappa hatten sie im Abstrich eines Patienten aus Stanford gefunden, der im März positiv getestet wurde. Die Variante Delta war im Mai bei einem Patienten isoliert worden.

Die Viren wurden zunächst in Zellkulturen vermehrt und dann mit dem Serum von 24 rekonvaleszenten Patienten oder von 25 Personen gemischt, die beide Dosierungen von mRNA-1273 (Moderna) oder BNT162b2 (Biontech/Pfizer) erhalten hatten. Zum Zeitpunkt des Tests waren 31 bis 91 Tage seit der Erkrankung vergangen. Die 2. Dosis von mRNA-1273 lag 35 bis 51 Tage und die 2. Dosis von BNT162b2 7 bis 27 Tage zurück.

In dem Neutralisationstest FRNT („focus reduction neutralization test“) wurde untersucht, ob die mit dem Serum gemischten Viren der Varianten Delta und Kappa in der Lage waren, Zellen zu infizieren und zu zerstören. Die Ergebnisse wurden jeweils mit einem Experiment verglichen, in dem die Seren mit dem Wildtyp WA1/2020 von SARS-CoV-2 gemischt wurden.

Tatsächlich erzielten die Seren aller 3 Gruppen eine um den Faktor 3 geringere neutralisierende Wirkung gegen die Variante Delta als gegen den Wildtyp. Unter den rekonvaleszenten Patienten gab es jedoch nur 1 Serum, das keine neutralisierende Wirkung gegen Delta erzielte. Bei den beiden Impfstoffgruppen gab es laut Suthar keinen einzigen Ausfall.

Die neutralisierende Wirkung gegen die Kappa-Variante war um dem Faktor 7 und damit deutlich stärker abgeschwächt als gegen die Delta-Variante: 5 der 24 rekonvaleszenten Patienten wären nach den Labor­experimenten nicht vor einer Infektion mit Kappa geschützt. Kappa wird derzeit allerdings wegen einer geringen Verbreitung nicht zu den besorgniserregenden Virusvarianten gezählt.

Insgesamt betrachtet Suthar die Abwehrlage als ausreichend. Eine frühere Erkrankung oder eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff würden aller Wahrscheinlichkeit nach vor einer Infektion mit den beiden Varianten schützen, schreibt der Impfstoffexperte. © rme/aerzteblatt.de

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