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Medizin

Behandlung von COVID-19 mit Rekonvales­zentenplasma: Uneinheitliche Studienlage erschwert die Bewertung

Freitag, 9. Juli 2021

/pirke, stock.adobe.com

Langen – Es ist offenbar weiterhin unklar, ob die Behandlung von COVID-19-Patienten mit sogenanntem Rekonvaleszentenplasma (RKP) klinisch sinnvoll ist – beziehungsweise, wie dies geschehen sollte.

„Der Nachweis klinischer Wirksamkeit auf Basis eines zielführenden klinischen Prüfungsdesigns könnte durch eine Analyse und den Vergleich der Ergebnisse bisheriger Studien gelingen, wird aber durch eine Viel­zahl von Studienansätzen mit unterschiedlicher Methodologie erschwert“, schreiben Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Clinical Pharmacology & Therapeutics (DOI: 10.1002/cpt.2281).

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Bei RKP handelt es sich um Blutplasma von Personen, die eine Infektionskrankheit erfolgreich überstan­den und eine Immunität gegen den entsprechenden Erreger entwickelt haben. Im Blutplasma von gene­se­nen Personen befinden sich unter anderem Antikörper, die den Erreger gezielt bekämpfen können.

Der Einsatz von RKP zur Prophylaxe oder Behandlung schwerer Krankheitsverläufe ist in der Vergangen­heit bereits bei verschiedenen durch Viren ausgelöste Infektionskrankheiten untersucht worden. „Belege für die Wirksamkeit von RKP aus kontrollierten klinischen Prüfungen sind allerdings sehr begrenzt“, schrei­­ben die Wissenschaftler.

Seit Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie untersuchen Arbeitsgruppen weltweit mit Hochdruck Therapie­optionen und Impfstoffkandidaten gegen COVID-19 in klinischen Prüfungen. Die PEI-Forscher der Abtei­lung Hämatologie und Transfusionsmedizin unter Leitung von Anneliese Hilger haben mithilfe einer COVID-19-spezifischen Datenbank die Studiendesigns von über 140 klinischen Studien zur RKP-Therapie verglichen. Sie kommen zu dem Schluss, dass die bisher angewandten heterogenen Studiendesigns es erschweren, einen Nachweis der Wirksamkeit der COVID-19-Behandlung mit RKP zu führen.

Als besonders kritisch stellten sich Unterschiede in der RKP-Herstellung, unzureichende Vergleichs­mög­lichkeiten von Behandlungsschemata und die verschiedenen statistischen Modelle zur Berechnung der Studiengröße und Wirksamkeitsanalyse heraus.

Grundsätzlich ist es laut den Forscherinnen und Forschern aber möglich, über klinische Studien valide Aussage über die Wirk­samkeit einer RKP-Behandlung zu gewinnen.

„Rekonvaleszentenplasma ist ein rasch zur Verfügung stehendes Therapeutikum für schwer Erkrankte, deshalb ist eine Abklärung der Wirksamkeit des COVID-19-Therapiekonzepts auch für zukünftige Aus­brüche dringend notwendig,“ sagte der Erstautor der Studie, Mirco Müller-Olling. © hil/aerzteblatt.de

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