NewsMedizinInternationaler Genomvergleich findet neue Risikofaktoren für COVID-19
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Internationaler Genomvergleich findet neue Risikofaktoren für COVID-19

Freitag, 9. Juli 2021

/Monika Wisniewska, stock.adobe.com

Helsinki – Eine internationale Genom-weite Assoziationsstudie (GWAS) hat 13 Genloci entdeckt, die das Risiko auf COVID-19 erhöhen. Sie erklären laut der Publikation in Nature (2021; DOI: 10.1038/s41586-021-03767-x) zwar nur einen verschwindend geringen Anteil des Erkrankungsrisikos, könnten jedoch neue Einblicke in die Pathogenese erlauben und möglicherweise Ansatzpunkte für neue Medikamente liefern.

Infektionen mit SARS-CoV-2 können unbemerkt verlaufen, sie können aber auch schwere Erkrankungen mit Organversagen und einem raschen Tod auslösen. Die bekannten Risikofaktoren wie Alter, männliches Geschlecht oder Body-Mass-Index können diesen unterschiedlichen Verlauf nur teilweise erklären.

Anzeige

Eine erste GWAS hat im letzten Jahr bereits zwei genetische Risikofaktoren ermittelt. Dazu gehört das Gen für die Blutgruppe A, deren Träger aus unbekannten Gründen schwerer an COVID-19 erkranken, während die Blutgruppe 0 mit einem verminderten Risiko verbunden ist.

Die damalige Untersuchung basierte auf 1.980 Patienten, die auf dem Höhepunkt der 1. Welle in Spanien und Italien erkrankt waren. Die „COVID-19 Host Genetics Initiative“ um Andrea Ganna von der Universität Helsinki hat jetzt die Gendaten von 49.562 Patienten mit etwa 2 Millionen Gesunden verglichen. Darun­ter waren Personen, die laut ihrer elektronischen Krankenakte positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, solche, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden und eine 3. Gruppe von Patienten, die wegen einer schweren Erkrankung auf Intensivstation behandelt wurden oder gestorben sind. Die Studie kann deshalb abschätzen, ob eine Genvariante nur das Infektionsrisiko erhöht oder ob sie einen schwe­ren Verlauf ankündigt.

Die Hoffnung, einen genetischen Risikofaktor zu finden, der wie Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index das Erkrankungsrisiko deutlich beeinflusst, hat sich nicht erfüllt. Die Heritabilität der 13 Faktoren liegt zusammen im Bereich von unter 1 %. Einen Gentest, mit dem sich der Verlauf vorhersagen lässt, wird es deshalb nicht geben.

Einige der Genloci könnten jedoch ein neues Licht auf die Erkrankung werfen. Dazu gehört das Gen FOXP4. Sein Genprodukt wird in den Epithelzellen der Atemwege gebildet, die von SARS-CoV-2 zuerst infiziert werden und die möglicherweise den weiteren Verlauf beeinflussen. Das FOXP4-Gen wurde in früheren Studien mit der Entwicklung von Lungenkrebs in Verbindung gebracht.

Bei COVID-19 kündigt seine vermehrte Expression einen ungünstigen Verlauf an. Dies eröffnet prinzipiell die Möglichkeit einer therapeutischen Strategie, da sich Gene heute gezielt ausschalten lassen. Ob es zur Entwicklung eines solchen Wirkstoffs kommt, bleibt abzuwarten. Interessanterweise ist die Variante im FOXP4-Gen vor allem in Ostasien und Lateinamerika verbreitet. In der europäischen Bevölkerung tritt sie kaum auf.

Zu den anderen Genvarianten, die einen schweren Verlauf begünstigen, gehören DPP9, das an der Ent­wick­lung von Lungenkrebs und Lungenfibrosen beteiligt ist, und TYK2, dessen Träger vor bestimmten Autoimmunerkrankungen geschützt sind.

Trotz der insgesamt bescheidenen Ausbeute wollen die Forscher an ihrem Projekt festhalten. Als nächs­tes wollen sie untersuchen, ob es Gene gibt, die die Erholung von der Erkrankung und das Risiko auf ein Long COVID beeinflussen. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER