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Medizin

CoronaVac: Impfstoff aus China erzielt hohe Schutzwirkung in der Türkei und Chile

Freitag, 9. Juli 2021

/snobbird, stock.adobe.com

Ankara und Santiago de Chile – Der inaktivierte Impfstoff CoronaVac des chinesischen Herstellers Sino­vac, der seit Juni von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfohlen wird, hat nach den jetzt im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)01429-X) publizierten Ergebnissen einer Phase-3-Studie aus der Türkei eine gute Schutzwirkung erzielt.

Die Beurteilung wurde durch die zwischenzeitige Zulassung des Impfstoffs erschwert, weshalb chileni­sche Forscher sich für eine Evaluierung in einer Beobachtungsstudie entschieden haben. Nach den im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2107715) veröffentlichten Ergebnissen hat CoronaVac in Chile ebenfalls eine gute Wirkung erzielt.

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CoronaVac ist neben BBIBP-CorV von Sinopharm (beide mit Sitz in Peking) der zweite inaktivierte Impf­stoff aus China, den die WHO empfiehlt. Der Impfstoff besteht aus Viren, die zunächst in Vero-Zellen ver­mehrt und dann chemisch mit Propiolacton inaktiviert wurden.

Inaktivierte Impfstoffe können ein breites Reservoir an Antikörpern induzieren, da sie dem Immunsystem das komplette Virus präsentieren. Die Immunantwort fällt jedoch häufig relativ schwach aus, weshalb die Impfstoffe in der Regel mit einem Adjuvans verstärkt werden. Bei CoronaVac ist dies Aluminiumhydroxid, das auch bei anderen inaktivierten Impfstoffen etwa gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis oder Hepatitis A zum Einsatz kommt.

Die Herstellung von inaktivierten Impfstoffen ist wegen der langdauernden Vermehrung der Viren zeit­auf­wändig. Sinopharm konnte deshalb erst spät mit den klinischen Studien beginnen, die in Brasilien, Chile, der Türkei und Indonesien durchgeführt wurden. Die Phase-3-Studie in der Türkei wurde erst Mitte September begonnen. Bis zum 5. Januar waren an 24 Zentren 20.214 Erwachsene im Verhältnis 2 zu 1 auf eine zweifache Impfung mit CoronaVac im Abstand von 2 Wochen oder Placebo randomisiert worden.

Bereits am 15. Januar erteilte das türkische Ge­sund­heits­mi­nis­terium eine Notfallzulassung für CoronaVac. Das Team um Murat Akova von der Universitätsklinik Hacettepe in Ankara musste zu diesem Zeitpunkt die Studie abbrechen, da auch die Teilnehmer der Vergleichsgruppe impfberechtigt waren. Die Nachbe­ob­achtungszeit war mit median 43 Tagen relativ kurz. Gezählt wurden bestätigte Infektionen, die frühes­tens 14 Tage nach der 2. Dosis aufgetreten waren.

Unter den 6.646 Geimpften kam es zu 9 symptomatischen SARS-CoV-2-Infektionen. In der Placebogruppe erkrankten 32 von 3.470 Teilnehmer. Dies ergibt eine Impfstoffwirksamkeit von 83,5 % mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 65,4 % bis 92,1 %. Die Schutzwirkung fällt damit geringer aus als in der Presse­mit­tei­lung des Herstellers von Anfang Februar. Damals war noch von 91,25 % die Rede.

Von den erkrankten Patienten mussten nur 6 hospitalisiert werden. Alle waren mit Placebo geimpft wor­den. Die Impfstoffwirksamkeit gegen schwere Erkrankungen könnte deshalb bei 100 % liegen, allerdings mit einem weiten 95-%-Konfidenzintervall von 20,4 bis 100 %.

In einer Untergruppe wurden immunologische Untersuchungen durchgeführt. Bei 89,7 % der Impfstoff­em­pfänger und 4,4 % in der Placebo-Gruppe wurden Antikörper gegen das Spike-Protein des Virus ge­fun­den.

Die Verträglichkeit von CoronaVac war gut. Unerwünschte Ereignisse wurden von 18,9 % der Impfstoff­gruppe und 16,9 % der Placebogruppe berichtet. Die Nebenwirkungen waren laut der Publikation leicht und klangen innerhalb eines Tages ab.

Es traten keine potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen auf, nur eine Person musste wegen einer allergischen Reaktion im Krankenhaus behandelt werden. Auch in der Phase 1/2-Studie, die im Frühjahr letzten Jahres in China durchgeführt wurde, sind keine ernsthaften Sicherheitsprobleme aufgetreten. Die Ergebnisse hat der Hersteller dieser Tage in EClinicalMedicine (2021; DOI: 10.1016/j.eclinm.2021.101010) veröffentlicht.

Die Ergebnisse zu den Phase-3-Studien aus Brasilien, Chile und Indonesien sind bisher nicht publiziert. Auch hier dürfte die Auswertung durch die frühzeitige Zulassung von CoronaVac erschwert werden.

CoronaVac wird bereits in 22 Ländern eingesetzt, darunter auch Chile. Dort wurde Anfang Februar 2021 mit einer Impfkampagne begonnen. Bis zum 10. Mai waren fast 14 Millionen Dosen an die knapp 12 Millionen Chilenen im Alter von über 16 Jahren verimpft. Viele Chilenen sind bereits vollständig geimpft.

Ein Team um Rafael Araos von der Clínica Alemana Universidad del Desarrollo in Santiago de Chile hat die Impfstoffwirksamkeit jetzt in einer Beobachtungsstudie evaluiert. Dabei wurden die dokumentierten Erkrankungen, Krankenhauseinweisungen, Intensivbehandlungen und Todesfälle mit dem Impfstatus der Patienten in Beziehung gesetzt.

Dies ist in Chile leicht möglich, da 80 % der Bevölkerung über die staatliche Krankenkasse FONASA („Fondo Nacional de Salud“) versichert sind, in deren Akten Impfungen und Erkrankungen verzeichnet werden.

Araos ermittelt eine Schutzwirkung ab dem 14. Tag nach der 2. Dosis von 65,9 % (95-%-Konfidenzin­ter­vall 65,2 % bis 66,6 %) vor bestätigen Erkrankungen. Die Zahl der Hospitalisierungen wurde um 87,5 % (86,7 % bis 88,2 %) gesenkt. Intensivbehandlungen traten zu 90,3 % (89,1 % bis 91,4 %) und COVID-19-bedingte Todesfälle zu 86,3 % (84,5 % bis 87,9 %) seltener auf. © rme/aerzteblatt.de

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Malkovich
am Mittwoch, 28. Juli 2021, 23:12

Aluhut absetzen und weniger Schokolade essen schützt vor Alzheimer

Das Standardschema von Coronaleugnern und entsprechenden Impfgegnern ist: Nachgewiesene Zusammenhänge leugnen (Corona für Gesunde nicht tödlich) und bei Ursache/Wirkungszusammenhängen die Größenordnungen ignorieren. Faktencheck: Die AlOH-Menge von zwei klassischen Impfungen mit Adjuvans beträgt grob gerechnet 0,9 Mikrogramm Serum-Gesamtbelastung innerhalb 2-3 Wochen: 0,8mg pro Impfung mal 2 geteilt durch (5.25kg Blut mal 35% Serumanteil). Zum Vergleich isst man mit einer Tafel Schokolade 3,3 Milligramm Aluminium, von denen ein nennenswerter Anteil im Blut landet, Quelle: https://www.spektrum.de/wissen/wie-gefaehrlich-ist-aluminium-5-fakten/1300812 (eine gute Übersicht zur täglichen Alu-Dosis). Also weniger Schokolade essen und den Aluhut absetzen, der diffundiert nämlich direktemang ins Gehirn. Das schützt vor Alzheimer. Und Impfen egal womit schützt soviel ich gehört habe zuverlässig vor Corona...


Avatar #768286
Nofri
am Montag, 12. Juli 2021, 17:08

Aluminiumhydroxid?!

Nun um an einer für im allgemeinen gesunde menschen nicht tödlichen Erkrankung nicht zu erkranken nimmt man das nun als Alzheimer erzeugende Aluminiumhydroxid einfach so in Kauf...und in direktem Weg ind Gehirn? Spätfolgen egal...obwohl auch jetzt die Erkrankung händelbar wäre. Was wäre sie würden Strichnin als Adjuvans rein geben...ist doch nur "wenig"?...Aluminiumhydroxid ist und bleibt toxisch, genau wie Formaldehyd- was ja angeblich aus den (vielfältigen) Impfungen rausgenommen wurde..... In Anbetracht der bösen und auch vermehrt tödlichen Nebenwirkungen von den mRNA Vaccinen jedoch erst mal ein Glücksfall, wenn Impfzwang käme. Teufel oder Belzebub.
Avatar #890238
Kreuzdenker
am Montag, 12. Juli 2021, 09:52

Konventioneller Impfstoff

Was bisher leider noch nicht öffentlich diskutiert wurde, ist die Möglichkeit einer Impfung mit Sinovac / CoronaVac für jene Menschen, die aus Befürchtungen vor dem Spike-Protein bei mRNA und Vektorimpfstoffen bisher eine Impfung abgelehnt haben. Hier liegt eine große Chance, die Impfquoten zu erhöhen.
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