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Medizin

Syphilis bei MSM weltweit stark verbreitet

Montag, 16. August 2021

/Tatiana Shepeleva, stock.adobe.com

London – Die Syphilis gehört trotz ihrer einfachen Behandlung zu den häufigen sexuell übertragenen Erkrankungen. Die wichtigste Risikogruppe sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).

Die Prävalenz ist laut einer weltweiten Analyse in Lancet Global Health (2021; DOI:10.1016/S2214-109X(21)00221-7) 15 mal höher als bei anderen Männern. Besonders stark verbrei­tet ist die Erkrankung in Lateinamerika und der Karibik, wo jeder zehnte MSM infiziert sein könnte.

Die Infektiosität von Treponema pallidum ist bei ungeschützten Sexualkontakten hoch. Die Prävalenz reagiert schnell auf veränderte Sexualgewohnheiten. So war in vielen Ländern die Zahl der Infektionen zu Beginn der HIV-Epidemie, als eine Infektion mit dem neuen Virus tödliche Folgen hatte, zurückge­gangen.

Seit es effektive antiretrovirale Medikamente gibt, steigt die Zahl der Syphilisdiagnosen in vielen Län­dern wieder an, und Experten befürchten, dass die Präexpositionsprophylaxe die Bereitschaft zu unsich­eren Sexualkontakten fördern und zu einer weiteren Zunahme der Erkrankungen führen wird.

Die Risiken der Syphilis werden oft unterschätzt. Der Primäraffekt, das Ulkus durum, ist häufig schmerz­los, und wenn es nach wenigen Wochen spontan abheilt, glauben viele fälschlicherweise, dass sie die Erkrankung überwunden haben. In Wirklichkeit breiten sich die Bakterien im Körper aus. Unbehandelt kommt es zu schweren Spätschäden. Die Behandlung wird mit zunehmender Dauer der Infektion immer schwieriger. Im Primärstadium kann eine Syphilis durch eine zweiwöchige Penicillinbehandlung leicht kuriert werden.

Die Gruppe der MSM hat aufgrund von risikoreichen Sexualpraktiken und wechselnden Sexualpartnern ein besonders hohes Risiko. In den 275 Studien aus 77 Ländern, deren Daten ein Team um Matthew Chico von der London School of Hygiene & Tropical Medicine ausgewertet hat, waren nicht weniger als 7,5 % der etwa 600.000 untersuchten MSM mit T. pallidum infiziert. Am höchsten war die Prävalenz mit 10,6 % in Lateinamerika und der Karibik. Am seltensten waren die Infektionen in der Region Neusee­land/Australien, wo 1,9 % der MSM infiziert waren.

Die Studie umfasst den Zeitraum von 2000 bis 2020. Global gesehen ist die Prävalenz von 8,9 % im 1. auf 6,6 % im 2. Jahrzehnt zurückgegangen, in 4 der 8 WHO-Regionen ist des jedoch zu einer Zunahme gekommen: Dazu gehört neben Nordamerika, Lateinamerika/Karibik und Ozeanien auch Europa, wo sich die Prävalenz von 2,1 % auf 4,2 % annähernd verdoppelt hat.

Auf nationaler Ebenen verzeichnet auch das Robert Koch-Institut in den letzten Jahren wieder eine Zunahme der Erkrankungen. Das Ziel der Weltgesundheitsversammlung, die einen Rückgang der Erkran­kungen um 90 % bis 2030 anstrebt, dürfte kaum mehr zu erreichen sein. © rme/aerzteblatt.de

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