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Medizin

Muskelrelaxantien bei unteren Rückenschmerzen nicht sinnvoll

Montag, 16. August 2021

/BigBlueStudio, stock.adobe.com

Sydney – Muskelrelaxantien können Schmerzen im unteren Rücken zwar kurzfristig lindern, die Wirkung ist aber klinisch nicht bedeutsam und es besteht ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen. Das berichten australische Wissenschaftler im British Medical Journal (2021; DOI: 10.1136/bmj.n1446).

„Rückenschmerzen sind ein weltweites Gesundheitsproblem und Muskelrelaxantien eine häufig verschriebene Behandlung“, schreiben die Forscher des Centre for Pain IMPACT, Neuroscience Research Australia, Sydney.

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Im Jahr 2020 hätten Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel in England mehr als 1,3 Millionen und in den USA mehr als 30 Millionen Verschreibungen vorgenommen. „Doch weltweit geben klinische Praxisleitlinien widersprüchliche Empfehlungen für ihre Anwendung“, berichten sie. Sie untersuchten daher die Studien­lage zur Wirksamkeit, Akzeptanz und Sicherheit von Muskelrelaxantien im Vergleich zu Placebo, üblicher Pflege oder keiner Behandlung bei Erwachsenen mit unspezifischen Rückenschmerzen. Die Forscher werteten 31 randomisierte kontrollierte Studien mit über 6.500 Teilnehmern aus, die bis Februar 2021 veröffentlicht wurden.

Als kleinsten klinisch bedeutsamen Effekt legten sie einen Unterschied von mindestens 10 Punkten auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten für Schmerz und Behinderung fest. Dies sei eine Schwelle, die auch in anderen Studien zu Rückenschmerzen verwendet werde.

Die Auswertung zeigte, dass nicht-benzodiazepinhaltige krampflösende Medikamente die Schmerzin­tensi­tät bei Patienten mit akuten Kreuzschmerzen im Vergleich zu Kontrollen nach 2 Wochen oder weniger zwar reduzieren können. Dieser Effekt belaufe sich jedoch auf weniger als 8 Punkte auf der 0 bis 100 Punkte-Skala.

„Es gab wenig bis keinen Effekt von Nicht-Benzodiazepin-Antispasmodika auf die Schmerzintensität nach 3 bis 13 Wochen oder auf die Behinderung zu allen Follow-up-Zeitpunkten“, so die Forscher.

Die Studien signalisierten laut den Forschern zudem, dass Nicht-Benzodiazepin-Antispasmodika das Risiko von unerwünschten Ereignissen erhöhen könnten. Die Wissenschaftler räumen ein, dass der bescheidene Gesamteffekt immer noch bedeuten könnte, dass einige Personen einen lohnenden Nutzen hätten. Sie betonen jedoch, dass die geringe bis sehr geringe Sicherheit der Evidenz keine festen Empfehlungen zulasse.

„Große, qualitativ hochwertige, placebokontrollierte Studien werden dringend benötigt, um die Unsicher­heiten über die Wirksamkeit und Sicherheit von Muskelrelaxantien bei unteren Rückenschmer­zen zu beseitigen“, schließen sie. © hil/aerzteblatt.de

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