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Medizin

J&J-Coronaimpfung: FDA warnt vor erhöhtem Risiko für Guillain-Barré-Syn­drom

Dienstag, 13. Juli 2021

/oasisamuel, stock.adobe.com

Washington – Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor einem erhöhten Risiko für das Guillain-Barré-Syndrom bei einer Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff des US-Herstellers Johnson& Johnson. Die FDA aktualisierte gestern ihren Warnhinweis, nachdem Dutzende Fälle der neurologischen Erkrankung ge­mel­­det worden waren.

Nach Angaben aus informierten Kreisen gibt es 100 vorläufige Berichte über das Auftreten eines Guillain-Barré-Syndroms nach Verabreichung des Vektorimpfstoffs. In 95 Fällen mussten die betroffenen Patienten in einem Krankenhaus behandelt werden. Ein Mensch starb.

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Die FDA gibt an, dass sich bei den meisten betroffenen Patienten innerhalb von 42 Tagen nach der Im­pfung Symptome gezeigt hätten. Die Behörde betont, dass es sich um sehr seltene potenzielle Neben­wirkung handele. Den 100 vorläufigen Berichte stehen rund 12,5 Millionen bereits verabreichte Dosen des Johnson&Johnson-Vakzins in den USA gegenüber.

Die FDA rät Patienten aber, bei bestimmten Beschwerden einen Arzt aufzusuchen: Ein Schwäche- oder Kribbelgefühle, speziell in Beinen und Armen, die schlimmer werden und sich auf andere Bereiche des Körpers ausbreiten, Schwierigkeiten beim Gehen, Probleme mit Gesichtsbewegungen, beim Sprechen, Kauen oder Schlucken. Ebenso dazu gehört Doppeltsehen oder Unfähigkeit, die Augen zu be­we­gen sowie Schwierigkeiten mit der Blasenkontrolle oder der Darmtätigkeit.

In den USA gibt es jährlich zwischen 3.000 und 6.000 Fälle des Guillain-Barré-Syndroms. Die entzünd­li­che neurologische Erkrankung führt zu Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen. Die meisten Patienten erholen sich wieder. Auch bei einigen Grippeimpfungen wurde ein Auftreten des Syndroms beobachtet.

Fallberichte deuten darauf hin, dass auch eine Infektion mit SARS-CoV-2 selbst das Risiko für ein Guillain-Barré-Syndrom erhöhen könnte. Bereits im April 2020 wurde erstmals die Möglichkeit eines SARS-CoV-2-assoziierten Guillain-Barré-Syndroms in Lancet Neurology diskutiert (DOI: 10.1016/S1474-4422(20)30109-5). Kurz darauf folgten 2 weitere Publikationen aus Europa, die ein Guillain-Barré-Syn­drom beziezhungsweise eine Variante desselben bei COVID-19-Patienten beschrieben.

In den USA ist der neue Warnhinweis der FDA ein weiterer Rückschlag für Johnson & Johnson. Im April war der Einsatz des Coronaimpfstoffs des US-Pharmakonzerns in den USA zwischenzeitlich ausgesetzt worden, nachdem vor allem bei jüngeren Frauen vereinzelte Fälle von seltenen Blutgerinnseln aufge­treten waren. Die Behörden kamen aber zu dem Schluss, dass die Vorteile der Impfung die Risiken klar überwiegen.

In der Impfkampagne in den USA spielt der Impfstoff von Johnson & Johnson, von dem nur 1 Dosis not­wendig ist, eine untergeordnete Rolle. Bislang wurden weniger als 13 Millionen Impfdosen verab­reicht. Von dem Coronaimpfstoff von Biontech-Pfizer sind es schon mehr als 185 Millionen, von dem Vakzin des Biotech-Unternehmens Moderna mehr als 135 Millionen. © nec/afp/aerzteblatt.de

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