NewsPolitikJeder fünfte GKV-Versicherte entscheidet sich für Hilfsmittel mit Mehrkosten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Jeder fünfte GKV-Versicherte entscheidet sich für Hilfsmittel mit Mehrkosten

Mittwoch, 14. Juli 2021

/Jeanette Dietl, stock.adobe.com

Berlin – Acht von zehn Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) greifen bei Hilfsmitteln auf Produkte zurück, die ihre Krankenkasse bis auf die gesetzliche Zuzahlung vollständig übernimmt. Rund 20 Prozent der Versicherten entscheiden sich hingegen für Produkte, die die Kasse nicht voll trägt und zahlen die entstehenden Mehrkosten selbst. Das geht aus dem dritten Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbandes hervor.

„Dem GKV-Spitzen­verband ist es wichtig, dass die Versicherten für ihren Krankenkassenbeitrag eine hoch­wertige Hilfs­mittel­versorgung mehrkostenfrei erhalten“, sagte dessen stellvertretende Vorstandsvor­sitzende Gernot Kiefer, bei der Vorstel­lung des Berichtes. Um Qualität zu gewährleisten, schreibe man das Hilfsmittelverzeichnis regelmäßig fort.

Anzeige

Versicherte haben bei der Versorgung mit Hilfsmitteln die Möglichkeit, auch über das Maß des medizi­nisch Notwendigen hinausgehende Ausstattungen beziehungsweise Leistungen zu wählen, müssen dann aber entsprechende Mehrkosten selbst tragen. Diese Mehrkosten sind von den Zuzah­lungen zu unter­scheiden, die mindestens fünf, höchstens aber zehn Euro je Hilfsmittel betragen.

Für den Bericht hat der GKV-Spitzenverband rund 95 Prozent der Abrechnungsdaten von Versorgungs­fällen der verschiedenen Kassenarten aus dem Jahr 2020 ausgewertet – das sind rund 28 Millionen Hilfs­mittelversorgungen, für das die Kassen rund neun Milliarden Euro aufgewendet haben.

Über alle Produktgruppen hinweg wurden bei rund 5,7 Millionen Hilfsmittelversorgungen Mehrkosten dokumentiert, von Inkontinenzhilfen über Armprothesen bis hin zu Gehhilfen und Atemtherapiegeräten.

Die Summe aller dokumentierten Mehrkosten betrug rund 746 Millionen Euro, die durchschnittliche Höhe der angefallenen Mehrkosten lag bei 132 Euro – allerdings ist die Bandbreite hoch: Lag sie im vergangenen Jahr bei Hörhilfen bei durchschnittlich 1.234,28 Euro, waren es bei Einlagen 32,40 Euro und bei Toilettenhilfen 48,23 Euro.

„Mehrkosten sind Ausdruck der Wahlfreiheit der Versicherten. Wir wollen, dass die Entscheidung für oder gegen eine Versorgung mit Mehrkosten bewusst gefällt wird. Diese Entscheidung darf nicht durch eine interessengeleitete Beratung dahingehend beeinflusst werden, sich für Hilfsmittel zu entscheiden, die mit Mehrkosten verbunden sind“, so Kiefer.

Aufgrund des 2017 beschlossenen Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes sind Anbieter verpflichtet, GKV-Versicherten immer mehrkostenfreie Hilfsmittel anzubieten und diese über ihren Versorgungs­anspruch nach dem Sachleistungsprinzip zu informieren.

Wünschen Versicherte eine zusätzliche Leistung, sind die Leistungserbringenden zudem verpflichtet, den Krankenkassen die Höhe der mit den Versich­erten abgerechneten Mehrkosten mitzuteilen. Diese Daten bilden die Grundlage des Mehrkosten­berichtes.

Die Kassen kritisieren, dass sich daraus keine Erkenntnisse gewinnen lassen, weshalb sich Versicherte für ein Hilfsmittel mit Mehrkosten entscheiden. Der GKV-Spitzenverband fordert daher eine Rechtsgrund­lage, wonach auch qualitative Daten von Leistungserbringenden zu liefern sind. Das soll Rückschlüsse ermöglichen, aus welchen Gründen sich Versicherte für Hilfsmittel mit Mehrkosten entschieden haben. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER