NewsAuslandCorona: EMA drängt auf schnelle Zweitimpfungen in der EU
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Corona: EMA drängt auf schnelle Zweitimpfungen in der EU

Freitag, 16. Juli 2021

/picture alliance, Paul Zinken

Amsterdam – Angesichts der weiter fortschreitenden Verbreitung der Delta-Variante von SARS-CoV-2 in Europa mahnt die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die EU-Mitgliedsstaaten, bei ihren Impfpro­grammen aufs Gas zu treten. Dazu gehöre auch, die Zweitdosis der Impfung gegen COVID-19 so schnell wie möglich zu verabreichen.

„Alle in der EU zugelassenen Vakzine schützen vor schweren Verläufen von COVID-19“, betonte Marco Cavaleri, Vorsitzender des EMA-Office for Biological Health Threats and Vaccine Strategy, gestern „Für einen ausreichenden Schutz sind aber zwei Impfdosen nötig, die im kleinstmöglichen zugelassenen Intervall verabreicht werden sollten.“

Anzeige

Delta könnte die Eindämmung der Pandemie ernsthaft gefährden. Evidenz deutet darauf hin, dass sie um 40 bis 60 Prozent ansteckender ist als die Alpha-Variante. Zudem könnte sie mit einem höheren Hospita­lisierungsrisiko einhergehen. Schätzungen zufolge wird die Delta-Variante Ende August 90 Prozent alle SARS-CoV-2-Infektionen in der EU ausmachen.

Eine möglichst schnelle, vollständige Durchimpfung der Bevölkerung soll allerdings nicht nur vor schwe­ren COVID-19-Erkrankungen durch Delta schützen. Sie soll es auch weiteren, neu auftretenden Varianten des Coronavirus erschweren, sich durchzusetzen.

Verstärkung im Kampf gegen COVID-19 könnte nächste Woche kommen: Cavaleri geht davon aus, dass die EMA bis Ende nächste Woche über den Einsatz des mRNA-Vakzins von Moderna (Spikevax) bei Ju­gendlichen entscheiden wird.

In mehr als der Hälfte der europäischen Länder, darunter auch Deutschland, wird mittlerweile ein hetero­loges Impfschema empfohlen: Nach einer Erstimpfung mit Vaxzevria (Astrazeneca) soll die Zweitim­pfung mit einem mRNA-Vakzin (Spikevax von Moderna oder Comirnaty von Biontech) erfolgen.

Die EMA befürwortet dieses Vorgehen. Die Verwendung eines anderen Impfstoffs für die Zweitimpfung habe es auch schon bei anderen Impfungen gegeben. Ein Beispiel ist der Einsatz oraler und inaktivierter Poliovirus-Vakzine in einigen EU-Staaten in den 1980ern. Zudem hat die EMA erst kürzlich die Zulassung für ein heterologes Impfschema mit den beiden Ebola-Impfstoffen Zabdeno and Mvabea erteilt.

„Gute wissenschaftliche Basis“ für heterologes Impfschema

Laut EMA gibt es damit eine „gute wissenschaftliche Basis“ für die Annahme, dass es sich dabei um eine sichere und wirksame Strategie handelt. Eine heterologe Impfstrategie könnte es ermöglichen, dass die Bevölkerung schneller geschützt wird und die verfügbaren Vakzinvorräte besser ausgenutzt werden.

Zum aktuellen Zeitpunkt könne die EMA zwar noch keine definitive Empfehlung zu einem heterologen Impfschema machen. Doch vorläufige Resultate aus Spanien, Deutschland und Großbritannien zeigten eine zufriedenstellende Immunantwort und keine Sicherheitsbedenken.

Auffrischimpfungen: Es fehlen weiter die Daten zur Schutzdauer

Zum viel diskutierten Thema der Auffrischimpfungen – womöglich schon diesen Herbst – äußert sich die Behörde noch vorsichtig. „Ob und wann eine Auffrischimpfung notwendig sein wird, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen“, sagte Cavaleri. Er betonte, dass schlicht noch nicht ausreichend Daten zur Dauer des Impfschutzes vorlägen. Auch die Ausbreitung von Varianten spiele dafür eine Rolle.

Für den Fall, dass Auffrischimpfungen – möglicherweise auch für neue Varianten optimierte Vakzine – nötig sein sollten, kooperiert die EMA allerdings bereits mit den Impfstoffherstellern, der ECDC und den nationalen Behörden, um Entwicklungspläne zu etablieren.

Die für eine Zulassung von Variantenimpfstoffen notwendigen placebokontrollierten Studien bereiten den Herstellern währenddessen zunehmend Probleme. Ein großer Fortschritt für die künftige Entwick­lung von COVID-19-Impfstoffen wäre es, wenn Immune-Bridging-Studien durchgeführt werden könnten.

Dafür fehlt es allerdings bislang immer noch an einem Korrelat für Schutz vor COVID-19, sprich einer Menge an Biomarker – in diesem Fall wahrscheinlich bestimmte Antikörper –, die Auskunft darüber gibt, ob eine Person vor der Erkrankung geschützt ist. „Ein solches Korrelat gibt es für einige Impfungen, es gibt aber auch Impfungen, die seit Jahrzehnten eingesetzt werden, ohne dass man ein solches Korrelat hat“, berichtete Cavaleri.

Der Vorsitzende des EMA-Office for Biological Health Threats and Vaccine Strategy betonte außerdem, dass weiterhin ein „dringender Bedarf“ an weiteren Therapieoptionen bestehe. An offiziell zugelassenen Therapien zur Verfügung steht im Moment nur Remdesivir für COVID-19-Patienten, die eine Pneumonie entwickelt haben, aber noch nicht mechanisch beatmet werden müssen.

Das Immunsuppressivum Baricitinib (Olumiant) für die Behandlung hospitalisierter COVID-19-Patienten unter Sauerstofftherapie unterläuft gerade den regulären Zulassungsprozess bei der EMA. Im Rolling Re­view befinden sich verschiedene monoklonale Antikörper (Bamlanivimab und Etesevimab, Regdanvimab, Casirivimab/Imdevimab und Sotrovimab), die teils schon außerhalb der Zulassung zur Anwendung kommen.

Es existiere zudem eine aktive Pipeline von Therapien sowohl für frühe Erkrankungsstadien als auch schwere Verläufe, so Cavaleri. Er geht davon aus, dass viele dieser Substanzen in diesem Jahr noch „durchkommen“ werden. © nec/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER