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Politik

Coronapandemie: Deutschland unterstützt WHO mit 260 Millionen Euro

Donnerstag, 15. Juli 2021

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) im WHO-Hauptbüro in Genf./picture alliance, photothek,Thomas Koehler

Genf – Deutschland stellt der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO weitere 260 Millionen Euro im Kampf gegen die Coronapandemie zur Verfügung. Das kündigte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) heute bei einem Besuch des Hauptbüros der Organisation in Genf an. Die Mittel dienten der Entwicklung, Herstellung und Verteilung von Coronatests, Behandlungsmethoden und Impfstoffen.

Die Bundesrepublik sei mit insgesamt 2,2 Milliarden Euro derzeit der größte Geldgeber für das interna­tionale Programm gegen die Pandemie „Access to COVID-19 Tools Accelerator“ (ACT-A), erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Er lobte das deutsche Engagement.

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Gleichzeitig verteidigte Spahn Deutschlands Blockade einer vorübergehenden Patentfreigabe für in der Pandemie wichtige Impfstoffe. Ein entsprechender Antrag von Indien und Südafrika liegt seit Oktober bei der Welthandelsorganisation (WTO) vor. Die Patentfreigabe soll die Impfstoffproduktion in bisher unter­versorgten Regionen der Welt ermöglichen und wird von der WHO unterstützt.

Die Bundesrepublik gilt als einer der letzten gewichtigen Gegner der Maßnahme, nachdem sich unter anderem US-Präsident Joe Biden sowie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dafür ausgesprochen hatten. In der WTO werden derartige Entscheidungen nur einstimmig gefällt.

„Deutschlands Position zu Patenten hat sich nicht geändert“, so Spahn heute. Um schnellstmöglich viele Menschen impfen zu können, sei auch Technologietransfer und die Schulung von Mitarbeitern nötig, ins­besondere für die Produktion der komplexen mRNA-Impfstoffe. Man setze auf die freiwillige Initiative der Unternehmen, die bereits an Kooperationen arbeiten würden.

Die jetzige Situation, bei der wenige reiche Länder ausreichend und ärmere Nationen kaum mit Impfstoff gegen COVID-19 versorgt seien, bezeichnete WHO-Chef Tedros als Marktversagen. Bereits im vergange­nen Jahr habe die WHO eine Technologie-Schnittstelle eingerichtet, über die Impfstoffhersteller ihr Know-how teilen können, doch kein einziges Unternehmen habe diese Möglichkeit genutzt.

Auch freiwillige Lizenzen, mit denen andere Hersteller den jeweiligen Impfstoff eines Unternehmens produzieren könnten, hätte bisher nur Astrazeneca vergeben. „Wenn diese Möglichkeiten genutzt würden, wäre eine Patentfreigabe unnötig“, so Tedros. Auch die Unternehmen hätten in dieser Krise eine soziale Verantwortung.

Er appellierte vor allem an die reichen G20-Staaten, vermehrt auch Impfdosen zu spenden, um die Im­pfungerechtigkeit wieder auszubalancieren. Deutschland spende 30 Millionen Dosen an die Impfinitia­tive Covax, so Spahn. „Wahrscheinlich werden wir sogar noch deutlich mehr abgeben können in den kommenden Monaten“, erklärte der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter.

Er wolle die Zusammenarbeit mit der WHO zudem „noch verbindlicher machen“, etwa hinsichtlich der internationalen Gesundheitsvorschriften. Tedros sprach von der Idee für ein internationales Pandemie­abkommen, die Deutschland ins Gespräch gebracht habe und derzeit geprüft werde.

Zu der politisch heiklen Suche nach den Ursprüngen der Pandemie sagte Spahn, er sei „dankbar“, dass dafür zu Jahresbeginn unabhängige internationale Experten im Auftrag der WHO ins chinesische Wuhan gereist seien. Diese Mission dürfe aber nur „die erste Phase“ der Ursachenforschung gewesen sein, weitere Untersuchungen müssten folgen.

Tedros forderte von China mehr Kooperationsbereitschaft. „Wir hoffen, dass es bessere Zusammenarbeit geben wird, um dem Geschehen auf den Grund zu gehen“, sagte der WHO-Chef. Besonders mit Blick auf die wichtigen Daten zu Beginn der Pandemie in China gebe es noch große Lücken. Mit den bisherigen Erkenntnissen lasse sich selbst die Theorie, dass das Virus aus einem Labor stammen könnte, noch nicht vollends entkräften.

Mit Blick auf weltweit steigende Infektionszahlen in einigen Ländern warnte Tedros, die Coronapandemie befinde sich derzeit in einem „entscheidenden Moment“. Wie das WHO-Notfallkomitee festgestellt habe, werde von einigen zu Unrecht von einem nahenden Ende der Pandemie gesprochen, obwohl es gefährliche Virusvarianten wie die hochansteckende Delta-Variante gebe. © alir/dpa/aerzteblatt.de

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