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NRW und Rheinland-Pfalz: Unwetter fordert Todesopfer, Rettungseinsätze laufen

Donnerstag, 15. Juli 2021

Ein Rettungshubschrauber fliegt über einem Haus. Weitgehend zerstört und überflutet ist das Dorf Insul in Rheinland-Pfalz nach massiven Regenfällen und dem Hochwasser der Ahr. /picture alliance, Boris Roessler

Köln – Die Unwetter in Deutschland haben Teile von Nordrhein-Westfalen (NRW) und Rheinland-Pfalz stark getroffen. In einigen Kreisen wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Es gab auch Todesopfer – derzeit mindestens 42 Menschen – zu beklagen. Dazu galten dutzende Men­schen als vermisst. Da an vielen Orten das Strom- und Telefonnetz ausfiel und Rettungseinsätze noch liefen, blieb die Lage un­übersichtlich. Die Bundeswehr hilft vor Ort.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich erschüttert über die Folgen der Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Bei Twitter sprach sie heute von einer „Katastrophe, die so viele Men­schen in den Hochwassergebieten durchleiden müssen“. „Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten und Vermissten – den vielen unermüdlichen Helfern und Einsatzkräften danke ich von Herzen“, erklärte Merkel.

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Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) kündigte finanzielle Hilfen des Bundes an. Grünen-Kanzlerkandi­datin Annalena Baerbock erklärte, es sei nun das „Gebot der Stunde“, die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit so gut wie möglich zu unterstützen.

Auch die Ministerpräsidenten der betroffenen Bundesländer, Malu Dreyer (SPD/Rheinland-Pfalz) und Armin Laschet (CDU/Nordrhein-Westfalen) zeigten sich erschüttert und kündigten Hilfen für die betroffe­nen Kommunen an. „Es ist eine Katastrophe“, sagte Dreyer im rheinland-pfälzischen Landtag. Laschet lob­te das Zusammenspiel der Rettungskräfte und rief sein Kabinett für morgen Vormittag zu einer Sonder­sitzung zusammen.

Die Folgen des Unwetters blieben teilweise unübersichtlich. So meldete der nordrhein-westfälische Kreis Euskirchen acht Todesfälle, machte zunächst aber keine weiteren Angaben zu den Toten und den Todes­um­­ständen. Im besonders stark betroffenen Ort Schuld im Landkreis Ahrweiler in der Eifel starben min­destens fünf Menschen, wie die Polizei in Koblenz mitteilte.

Ein Polizeisprecher sagte, zwischenzeitlich hätten etwa 70 Menschen als vermisst gegolten. „Die eine oder andere Person“ habe sich aber mittlerweile bei Angehörigen gemeldet, so dass diese Zahl niedriger sei. Wie viele Menschen am Mittag noch vermisst wurden, konnte der Polizeisprecher aber nicht sagen.

Dem Polizeisprecher zufolge verharrten im Landkreis Ahrweiler zwischenzeitlich etwa 50 Menschen auf ihren Hausdächern und warteten auf Rettung. Auch diese Zahl sei aber gesunken.

In Schuld wurden dem Sprecher zufolge vier Häuser komplett weggespült. Zwei weitere Häuser seien zur Hälfte weggespült worden, andere Gebäude in dem kleinen Ort „erheblich“ beschädigt worden. Wie viele Menschen in den weggespülten Häusern lebten, konnte die Polizei nicht sagen.

Mehrere Menschen starben in überfluteten Kellern. In Köln fand die Feuerwehr die Leichen einer 72-jäh­rigen Frau und eines 54-Jährigen in mit Wasser vollgelaufenen Kellern. In Solingen stürzte nach Polizei­an­ga­ben ein 82-Jähriger und geriet mit dem Kopf unter Wasser. Der Rentner sei später im Krankenhaus gestorben. Im Kreis Unna starb ein 77-Jähriger ebenfalls im unter Wasser stehenden Keller seines Wohn­hauses. Auch in Rheinbach gab es laut Kölner Polizei einen Todesfall im Zusammenhang mit der Unwetter­lage.

In Nordrhein-Westfalen kamen zwei Feuerwehrmänner im Einsatz in Altena und Werdohl ums Leben. In Altena war die Feuerwehr am Mittwochabend im Einsatz, um einen ins Wasser geratenen Mann zu retten. Dabei fiel ein 46-jähriger Feuerwehrmann selbst ins Wasser und wurde abgetrieben, wie die Polizei in Altena mitteilte. Er sei kurze Zeit später tot geborgen worden.

Im Bereich eines Kraftwerks in Werdohl kollabierte ein Feuerwehrmann während eines Einsatzes, wie die Polizei des Märkischen Kreises erklärte. Der 52-Jährige sei trotz Wiederbelebungs- und Hilfsmaßnahmen gestorben. In der Nacht ging die Polizei von einem internistischen Notfall aus.

Die Polizei bat in allen betroffenen Landkreisen um Hinweise der Bevölkerung auf Vermisste. Gleichzeitig rief sie aber auch dazu auf, die betroffenen Orte zu vermeiden. Wiederholt behinderten Schaulustige die Rettungseinsätze.

Bei der Rettung unterstützten sich die Bundesländer gegenseitig. So forderte die Polizei in Koblenz mit Seilwinden ausgestattete Helikopter aus Baden-Württemberg, Bayern und Hessen an. Auch die Bundes­wehr schickte Hubschrauber sowie in die besonders betroffenen Gebiete etwa 400 Soldaten.

200 Helfer wurden nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums nach Hagen verlegt, hundert weitere ins rheinland-pfälzische Ahrweiler. Darüber hinaus wurden 70 Soldaten und vier Krankentrans­portwagen nach Daun in der Eifel geschickt, wie ein Sprecher der Streitkräftebasis sagte.

Weitere drei Krankentransportwagen helfen demnach beim Evakuieren eines Alten- und Pflegeheims im rheinland-pfälzischen Kordel. Nach Angaben des Streitkräftesprechers unterstützen aktuell zahlreiche der entsandten Soldaten in den betroffenen Unwettergebieten beim Wegräumen von Geröll und Schlamm, um Straßen wieder befahrbar zu machen. Zunächst war unklar, wie lange die Soldaten im Einsatz bleiben und ob weitere entsandt werden.

Probleme bereiteten die Retter der teilweise Ausfall von Strom- und Telefonleitungen. Auch die Versor­gung mit Trinkwasser fiel teilweise aus. Der Bahnverkehr musste an mehreren Orten eingestellt wer­den. Besonders angespannt war die Lage in Nordrhein-Westfalen unter anderem in Hagen sowie in Wuppertal, wo eine Talsperre überlief.

Nahe der Steinbachtalsperre in Euskirchen sollten mehrere Ort­​schaften evakuiert werden. In der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg mussten mehrere hundert Menschen ihre Wohnungen verlassen. In Eschweiler musste nach Angaben der Städteregion das St. Antonius Hospital geräumt werden. Rund 400 Patienten sind betroffen, darunter auch 17 Intensivpatienten.

Intensivpatienten würden per Rettungshubschrauber vom Dach abgeholt und in andere Kliniken gebracht, sagte heute eine Sprecherin der Städteregion. Die anderen Patienten sollen im Laufe des Tages in umliegende Krankenhäuser verlegt werden oder seien vorzeitig nach Hause entlassen worden, sagte die Sprecherin. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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