NewsMedizinNeue S1-Leitlinie gibt klinisch-praktische Empfehlungen für Post-COVID-Syndrom
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Neue S1-Leitlinie gibt klinisch-praktische Empfehlungen für Post-COVID-Syndrom

Freitag, 16. Juli 2021

/fizkes, stock.adobe.com

Berlin - Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) hat in Kooperation mit weiteren Fachgesell­schaften eine S1-Leitlinie zu Post COVID/Long COVID herausgegeben. Betont wird, dass es sich dabei um einen klinisch-praktischen Leitfaden handelt, der bei Post-/Long-COVID-spezifischen Symptomen „diag­nostisch-therapeutische Orientierung auf dem Boden einer sehr häufig noch begrenzten Datenlage“ liefern soll.

Die Leitlinie trägt insbesondere dem klinischen Versorgungsweg Rechnung. Die Verantwortung für die fachspezifischen Abschnitte tragen die entsprechenden Fachgesellschaften. Empfehlungen gibt es zu allgemeinmedizinischen, dermatologischen, HNO-medizinsichen, kardiologischen, neurologischen, pädiatrischen und pneumologischen Aspekten sowie Schmerzen. Dem Hauptsymptom des Post-COVID-Syndroms, der Fatigue, wurde ebenfalls ein gesondertes Kapitel gewidmet.

Anzeige

Je nach untersuchter Patientenpopulation wird mittlerweile davon ausgegangen, dass bis zu 15 % der Menschen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 ein Post-COVID-Syndrom entwickeln. Die genauen Ursa­chen für das Post-COVID-Syndrom sind bislang nicht bekannt.

Vielfältige Symptomatik erfordert interdisziplinäre Herangehensweise

Die Symptome haben sich als extrem vielfältig herausgestellt. Erst kürzlich zeigte eine Internetumfrage, dass die Betroffenen bis zu 200 verschiedene Symptome angeben. Die häufigsten Symptome waren Müdigkeit, geringe Belastbarkeit („Post Exertional Malaise“) und kognitive Störungen („Brain Fog“).

Eine der Kernaussagen der neuen S1-Leitlinie ist, dass die Diagnose und Behandlung von Post/Long COVID eine generalistisch-interdisziplinäre Herangehensweise mit Blick auf den ganzen Menschen sowie eine Kontinuität der Versorgung erfordert.

Angesichts der vielfältigen Symptomatik erinnern die Leitlinienautoren bei Verdacht auf Post/Long COVID aber auch daran, immer auch andere Differentialdiagnosen zu bedenken und gegebenenfalls auszuschließen.

Grundsätzlich könne die Diagnose eines Post-/Long-COVID-Syndrom weder durch eine einzelne Labor­untersuchung noch durch ein Panel an Laborwerten diagnostiziert bzw. objektiviert werden. Ebenso schlössen normale Laborwerte ein Post-/Long-COVID-Syndrom nicht aus.

Eine weiterführende spezialärztliche Abklärung kann den Empfehlungen zufolge angezeigt sein, wenn nach durchgemachter SARS-CoV-2 Infektion Einschränkungen länger als 3 Monate persistieren.

Voll­­­­stän­dige Rekonvaleszenz auch bei schwerer Lungenbeteiligung möglich

Darüber hinaus weist die Leitlinie darauf hin, dass selbst Patienten mit schwerer Lungenbeteiligung (nahezu-) komplett rekonvaleszieren können. Bei anhaltender Symptomatik (z.B. 3 Monate) sollte aber eine pneumologische Diagnostik initiiert werden.

Einige Fallserien und -berichte deuten darauf hin, dass Patienten mit Post-/Long-COVID möglicherweise von der Impfung gegen COVID-19 profitieren. Hier mahnen die Autoren aber. Dass die Effektivität einer therapeutischen Vakzinierung bei Patienten mit Post COVID nicht gesichert sei und dies nur in Studien erfolgen sollte.

Die neue S1-Leitlinie ist nicht die erste, die sich mit der Versorgung von Patienten nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion beschäftigt. Bereits Ende 2020 wurde unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) gemeinsam mit 13 weiteren Fachgesellschaften eine S2k-Leitlinie zu SARS-CoV-2, COVID-19 und (Früh-) Rehabilitation veröffentlicht. © nec/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #891257
ein_mensch
am Montag, 19. Juli 2021, 14:14

Schliesst sich nicht aus

Nach meiner Infektion habe ich nun eindeutig Kreislaufprobleme und vermutlich dadurch bedingte Schlafstörung. Ich wache morgens oft mit einem Stressegfühl auf und bin auch sonst viel schreckhafter. Das war vor der Infektion nicht so. Es ist durchaus möglich, dass manche Symptome durch den Lockdown verursacht sind, aber meine Symptome sind ganz klar erst nach der Infektion aufgetreten. Ausserdem war ich (von meiner Isolationsphase natürlich abgesehen) genügend draussen.
Avatar #707660
PatrickR
am Samstag, 17. Juli 2021, 10:23

Post Covid oder Lockdown Schäden?

Kinder betreffend wurden in einer Studie der Uni Klinik Dresden nur bei einem kleinem Teil der Betroffenen Hinweise gefunden das sie mit SARS CoV 2 infiziert waren. Den Studienautoren spricht hier einiges dafür das die Müdfigkeit, Konzentrationsstörungen ect. auch auf den Lockdown mit Schulschliesungen zurückzuführen sein können. Ein weitere Baustein dass die psychischen und sozialen Folgen eines Lockdowns und Schulschließungen nicht genügend berücksichtigt wurden, teils politisch einfach ignoriert!
Hier der Linkk zum Medienbericht dazu: https://www.mdr.de/wissen/long-covid-bei-kindern-100.html
Und hier der Studien preprint
https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.05.11.21257037v1
LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER